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Grevenbroich: 5500 Tonnen frische Tomaten aus Neurath

Grevenbroich : 5500 Tonnen frische Tomaten aus Neurath

Im Gewächshauspark läuft die Ernte, unterstützt von moderner Technik, auf Hochtouren. Hauptkunden: "Netto" und "Rewe".

Achtung Gegenverkehr: Wie von Geisterhand gesteuert rollt das Wägelchen — bepackt mit 32 Kisten voller Tomaten — fast lautlos über die Wege des Gewächshauses. "Die Fahrzeuge fahren über Induktionsschleifen", erklärt Wilhelm Baum (50) von den "Neurather Gärtnern". "Wir nutzen modernste Technik. Geerntet wird aber nach wie vor von Hand, und das wird sich auch nicht ändern."

In den Mega-Gewächshäusern gegenüber dem Kraftwerk Neurath läuft die Ernte auf Hochtouren. Unter 10,7 Hektar großen Glasflächen — durch die gestern die Sommersonne strahlte — reifen 5000 bis 5500 Tonnen des Gemüses im Jahr. Hauptabnehmer sind "Netto" und "Rewe". Auch in Grevenbroich sind Tomaten aus Neurath zu kaufen.

Die Dimensionen in den Gewächshäusern mit den unendlich wirkenden Tomatenpflanzen-Reihen sind eindrucksvoll. Vor zwei Jahren nahmen die "Neurather Gärtner", dazu zählen auch Carsten Knodt, Matthias Draek und Betriebsleiter Dirk Drießen, den größten Gewächshauspark in NRW in Betrieb — eine Zwölf-Millionen-Euro-Investition. Für längere Fahrten schwingt sich der Betriebsleiter öfters aufs Fahrrad.

Mit einer Schere schneidet Evelin Szekeres an einer Pflanze einen so genannten "Tross" mit mehreren knallroten Lyterno-Tomaten ab. Seit einem Jahr arbeitet die junge Frau aus Ungarn bei den "Neurather Gärtnern", 40 Festangestellte hat der Betrieb. Nach einigen weiteren Schnitten reicht eine kleine Bewegung, und der Erntewagen vor Evelin Szekeres rückt automatisch ein Stück weiter in den Gang zwischen den hohen Tomatenpflanzen. "Die Ernte läuft hier von März bis Dezember. In diesem Jahr konnten wir wegen der lange Zeit herrschenden dunklen Wetterverhältnisse erst zwei, drei Wochen später beginnen, aber mittlerweile sind wir im Plan", schildert Wilhelm Baum. Gepflanzt werden in Neurath die Sorten "Lyterno" — "sie ist sehr geschmacksintensiv", sagt Wilhelm Baum — und die etwa größere "Capricia". Bei — je nach Lichtintensität — 18 bis 22 Grad gedeihen die Pflanzen, die mit Wasser, Nährstoffen und — wichtig für die Photosynthese — Kohlendioxid versorgt werden.

In der Halle nebenan werden die rollenden "Erntehelfer" entladen, werden die Kisten automatisch für den Transport gestapelt Vor dem Tor steht ein Sattelschleper. "Unser Einzugsbereich ist Nordrhein-Westfalen, vor allem das Ruhrgebiet. Wir legen auf regionale Vermarktung Wert", erläutert Baum.

Ein Grund für den Standort neben dem RWE-Kraftwerk: Zum Heizen stellt der Konzern 70 Grad heißes Wasser bereit. In einigen Wochen soll auf einem Hektar ein Versuch mit nur 40 Grad warmem Wasser starten, "das fällt im Kraftwerk in großer Menge an", so Baum. Das neue Verfahren, bei dem die Pflanzen mit acht statt vier Rohrleitungen gewärmt werden, könnte auch bei einem künftigen Ausbau des Gewächshausparks angewendet werden. "Wir werden im nächsten Jahr eine Erweiterung prüfen", erklärt Wilhelm Baum.

(NGZ/rl)