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Grevenbroich: 4000 historische Steine für das alte Pastorat

Grevenbroich : 4000 historische Steine für das alte Pastorat

Erst wurde das Gebäude abgestützt, dann unterfangen – und jetzt ist es wieder standsicher. Der drohende Verfall konnte gestoppt werden. Nun wird das Pastorat von 1653 – das älteste Steingebäude Wevelinghovens – aufwendig saniert.

Erst wurde das Gebäude abgestützt, dann unterfangen — und jetzt ist es wieder standsicher. Der drohende Verfall konnte gestoppt werden. Nun wird das Pastorat von 1653 — das älteste Steingebäude Wevelinghovens — aufwendig saniert.

Dabei gehen die Handwerker mit Materialien vor, wie sie ihre Kollegen schon vor mehr als 350 Jahren verwendeten.

"Das ganze Haus soll möglichst wieder in seinen Urzustand zurückversetzt werden", sagt der Restaurator Volker Mansfeld (52) aus Langwaden, der mit seinem Team das Sanierungsprojekt im Auftrag der Pfarrgemeinde St. Martinus in Angriff genommen hat. Der zur Kirche hin weisende Giebel wurde bereits in Ordnung gebracht, von dem einst bis zu zehn Zentimeter breiten Riss, der sich vom Boden bis zur Spitze zog, ist nichts mehr zu sehen. "Dieses Gebäudeteil sieht schon wieder gut aus, es muss nur noch verfugt werden", sagt Volker Mansfeld zufrieden.

Arbeiten wie vor 350 Jahren

Doch vor den Experten liegt noch eine Menge Arbeit. Im Inneren des Hauses, in dem einst der katholische und der evangelische Pastor gemeinsam lebten, entfernen die Maurer zurzeit all die Stellen, die nachträglich eingebaut wurden. "Wände und Gebäudeteile aus den 1950er und -60er Jahren werden vorsichtig herausgebrochen, zudem werden Zementputze entfernt, um das alte Mauerwerk wieder sichtbar zu machen", schildert Volker Mansfeld.

Schadhafte Stellen in den Wänden werden mit uralten Feldbrandsteinen aus dem Rheinland ausgebessert, die sich der Restaurator in einer Stückzahl von 4000 bei einem Sammler gesichert hat. "Zum Vermauern nehmen wir ausschließlich Weißkalk, so wie die Handwerker vor vielen hundert Jahren", sagt Volker Mansfeld. Kleber oder Kalkzementmörtel, wie er heute bei modernen Häusern eingesetzt wird, kommt für den 52-Jährigen nicht in Frage: "Das wäre nicht nur fachlich falsch, sondern auch ein Stilbruch", meint der Experte.

Den Zustand des Hauses bezeichnet er als "ziemlich in die Jahre gekommen", die Sanierung sei eine Herausforderung, die nicht alltäglich sei. "Zum Glück wurden schon vor einigen Jahren Maßnahmen getroffen, dass kein Wasser eindringen kann", meint der 52-Jährige. Sonst wäre das alte Pastorat vielleicht nicht mehr zu retten gewesen.

Die Pfarre St. Martinus plant seit Jahren die Sanierung des Gebäudes. Durch das Bauvorhaben der Augustiner, die ein Seniorenzentrum hinter der Kirche planen, wurde dieses Projekt möglich. Das Pastorat soll künftig wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Architekt Klaus Peter Knevels plant unter anderem, das Archiv der Gemeinde in einem Glaskörper unter dem Dach unterzubringen — mit freiem Blick auf das alte Holzgebälk, das kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg gezimmert wurde.

(NGZ/rl)