Grevenbroich: 31 Prozent der Kaufkraft fließt in andere Städte

Grevenbroich: 31 Prozent der Kaufkraft fließt in andere Städte

Viele Bürger sehen das Innenstadt-Warenangebot kritisch - und kaufen woanders ein. Das zeigt das neue Einzelhandelskonzept auf.

Für Diskussionsbedarf dürfte ein Papier sorgen, mit dem sich der Planungsausschuss am Dienstag befasst: Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in Köln hat den Entwurf für das aktualisierte Einzelhandelsstandortkonzept vorgelegt. Die Erkenntnisse haben es in sich: Viele Grevenbroicher kaufen etliches in Neuss oder Düsseldorf ein - oder online.

Eine Folge: Nur 69 Prozent der Grevenbroicher Kaufkraft (265,9 Millionen von 385,1 Millionen Euro) bleibt in der Stadt. Zwar fließen 43,6 Millionen von außerhalb hierhin, doch 119,2 Millionen geben Grevenbroicher außerhalb aus. Rege nutzen sie die Kaufalternative Internet, sie seien "leicht online-affiner als in anderen Kommunen gleicher Größenordnung", stellen die Gutachter fest. 27 Prozent kaufen mindestens wöchentlich online ein.

Das Einzelhandelskonzept ist als Steuerungsinstrument gedacht, um eine wohnortnahe Versorgung sicherzustellen und zentrale Versorgungsbereiche zu schützen. Bestandteil sind aber auch Befragungen von 2345 Personen sowie 74 Einzelhändlern. Dass am Standort Grevenbroich Luft nach oben ist, hatten bereits erste Ergebnisse gezeigt, die Kirsten Marwede von GMA im November im Planungsausschuss vorgestellt hatten. Die befragten Grevenbroicher bewerteten das Waren-Angebot in ihrer Stadt lediglich mit der Note 3,9 (auf der Skala von eins bis fünf).

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Nun gibt es weitere Ergebnisse: 28 Prozent der befragten Grevenbroicher sind Stammkunden in der City, doch ebenfalls 28 Prozent kaufen dort nur alle ein bis zwei Monate oder nie ein (nie: Fünf Prozent). Bei der Frage an Einheimische nach Gründen gegen einen Einkauf in der Kern-Innenstadt steht das Angebot an erster Stelle (80 Prozent). "Insgesamt ist die Angebotsbewertung deutlich schlechter als in Vergleichskommunen", heißt es im Konzeptentwurf. Als weitere Gründe gegen einen Einkauf in der City werden von Grevenbroichern die Einkaufsatmosphäre (35 Prozent), Qualität des Angebots (32) und Öffnungszeiten (22 Prozent) genannt.

Bei der Frage nach Gründen für das Shoppen in der City wird bei der Einheimischen-Befragung vor allem die Wohnortnähe (45 Prozent) angeführt, das "gute Angebot" deutlich weniger (acht Prozent). Auswärtige dagegen nennen das "gute Angebot" viel häufiger (53 Prozent). Insgesamt geben die Grevenbroicher Befragten den Geschäfts- und Einkaufsmöglichkeiten in der City die Note 3,0. "Auffallend ist, dass die Bürger ihre Innenstadt genauso kritisch bewerten wie die Händler", heißt es im Konzept.

Für viele Artikel des mittel- und langfristigen Bedarfs fahren die Grevenbroicher in andere Städte. Mit Kleidung decken sich nur 24 Prozent in der Stadt ein, 29 Prozent shoppen in Neuss, 14 Prozent in Düsseldorf. Bei der Frage nach Sortimenten, die ausgebaut werden sollten, steht bei Einheimischen der Wunsch nach Bekleidungsgeschäften etwa für junge Mode ganz oben. Elf Prozent der Haushalte wünschten sich H & M.

(NGZ)