Grevenbroich: 110.000 Volt unter der Erde

Grevenbroich: 110.000 Volt unter der Erde

Ein in Grevenbroich bislang einzigartiges Projekt ist in Kapellen abgeschlossen worden. Auf einer Länge von 700 Metern wurde die 110 000-Volt-Stromleitung unter der Erde verlegt. Die Stadt zahlte dafür 1,8 Millionen Euro.

Noch vor wenigen Monaten floss der Strom in luftiger Höhe am Kapellener Neubaugebiet vorbei zum Umspannwerk an der Talstraße. Kein schöner Anblick – vor allem nicht für die Häuslebauer, die sich mehr und mehr in unmittelbarer Nähe ansiedeln. "Eine Überlandleitung ist nicht gerade verkaufsfördernd, wenn man Grundstücke an junge Familien veräußern möchte", erklärt Bürgermeisterin Ursula Kwasny. Die Stadt hatte sich daher schon 2001 – bei der Planung des Wohnungsbauprojekts – dafür entschieden, die Leitung unter die Erde zu legen. Dieses Vorhaben wurde im Vorjahr gestartet und gestern offiziell abgeschlossen.

Die 110-Kilovolt-Leitung von RWE stand dem Neubaugebiet schlicht im Weg. "Zwei Masten hätten den Ausbau der Straße , Auf den 100 Morgen' behindert – sie hätten mitten auf der geplanten Fahrbahn gestanden", erklärt Planungsdezernent Werner Hoffmann einen Grund für das Millionenprojekt.

Der andere: Der Stadt wären wertvolle Grundstücke verloren gegangen. "Denn im Bereich der Leitung darf auf einem Sicherheitsstreifen von 23,5 Metern auf beiden Seiten nicht gebaut werden", so Hoffmann weiter. Diese Beschränkung konnte mit der unterirdischen Verlegung der Stromkabel aufgehoben werden. Angenehmer Nebeneffekt: "Im Übergang zwischen Gewerbe- und Wohngebiet kann nun eine begrünte Lärmschutzwand errichtet werden. Damit können wir die Grundstücke bestmöglich ausnutzen und vermarkten", unterstreicht Ursula Kwasny.

Mit den Arbeiten wurde im Spätsommer 2010 begonnen. "Vier alte Freileitungsmasten mussten demontiert, drei neue außerhalb des Neubaugebiets errichtet werden", erläutert Projektleiter Hendrik Hübner von RWE einen Teil des Projekts. Parallel dazu hoben Bagger eine 700 Meter lange Trasse für die dicken Kabelstränge aus. Sie liegen nun 1,50 Meter tief unter der Erde – mit Kunststoffrohren gut geschützt. Obendrauf kam eine Betonschicht, in die Maschendraht eingearbeitet wurde. "Aus Sicherheitsgründen", wie Hübner erklärt: "Sollte dort jemand graben, ist er sofort gewarnt." Denn eine 110-Kilovolt-Leitung sei nicht nur lebensgefährlich, an ihr hänge auch die Versorgung der ganzen Stadt.

Ganz preiswert war die Verlegung nicht, die Stadt musste rund 1,8 Millionen Euro für dieses Projekt zahlen. Das Geld sei aber gut angelegt, meint die Bürgermeisterin: "Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden – sicherlich genauso wie die Bauherren, die sich hier bereits ein Grundstück gekauft haben oder dies noch tun wollen." Kwasnys Wunsch: "RWE sollte weitere Freileitungen in Grevenbroich unter die Erde bringen – etwa im Grönlandgebiet in Elsen." Allerdings dürfe der städtische Haushalt damit nicht belastet werden.

(NGZ)
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