Goch: Zwillinge nach Amoklauf von Opferschutz betreut

Goch : Zwillinge nach Amoklauf von Opferschutz betreut

Es sind dramatische Bilder, die die 21-jährigen R. und K. wohl nie wieder vergessen werden: Wie Yanqing T. (48) in die Pizzeria gestürmt kommt – Messer und Pistole zückt, anscheinend fest entschlossen, Renata P. (52) zu töten.

Es sind dramatische Bilder, die die 21-jährigen R. und K. wohl nie wieder vergessen werden: Wie Yanqing T. (48) in die Pizzeria gestürmt kommt — Messer und Pistole zückt, anscheinend fest entschlossen, Renata P. (52) zu töten.

Wie sie ihre Mutter beschützen wollen, dazwischen gehen. Wie der Täter dann auch sie angreift und ihnen Schnitt- und Stichverletzungen zufügt, sich ein Schuss aus der Gaspistole löst. Und wie sie es dennoch schaffen, mit Hilfe von Passanten den Amokläufer von Düsseldorf und Erkrath, der drei Menschen tötete, aufzuhalten.

Viele Menschen in Goch feiern die Zwillinge bereits kurz nach der Tat als Helden. Sowohl im Internet als auch auf der Straße. Die 21-Jährigen selbst wollen aber erst einmal eines: vergessen. "Es ist so viel passiert in den vergangenen Tagen, wir müssen das jetzt erst langsam alles verarbeiten", sagt R. Noch am Tag der Tat verließ sie trotz Abwehrverletzungen und einer durch die Gaspistole zugefügten Schussverletzung das Krankenhaus. Ihre Schwester K., der Yanqing T. Stich- und Schnittwunden an den Armen zugefügt hatte, wurde im Laufe dieser Woche ebenfalls entlassen.

Doch auch wenn die körperlichen Schäden eine Woche nach dem Amoklauf langsam verheilen, seelisch werden die Zwillinge wohl noch lange mit den Folgen der Tat zu kämpfen haben. Ihnen zur Seite steht dabei der Opferschutz der Kreispolizeibehörde Kleve. Täglich treffen sich die 21-Jährigen mit Psychologen, um über ihr traumatisierendes Erlebnis zu sprechen.

Im Leben der jungen Frauen soll wieder Normalität einkehren. "Wir möchten nicht von allen Leuten auf der Straße angesprochen werden", sagt R. Sie wollen jetzt in Ruhe ihren Schulabschluss machen — sich wie andere Gleichaltrige um einen Arbeitsplatz bewerben, sagen sie.

Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern derweil an. Der Tatort in der Pizzeria in Goch ist zwar bereits freigegeben, aber immer noch verwüstet. Auch die Befragung der Zwillinge habe die Kreispolizei noch nicht endgültig abgeschlossen, heißt es von der Behörde.

Noch müssen sie sich also an die Bilder erinnern, die ihr Leben wohl für immer verändert haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Amokläufer aus Düsseldorf in Gocher Pizzeria gefasst

(lukra)