Zugverkehr im Gelderland: Bürgermeister verärgert über Niersexpress

Viermonatige Umleitung nach Duisburg : Niersexpress verärgert Bürgermeister

Der RE10 fährt ab Dezember statt nach Düsseldorf vier Monate lang nach Duisburg. Kritik gibt es an der Kommunikation von Bahn und Nordwestbahn. Auch die Rathaus-Chefs im Nordkreis Kleve sind verärgert.

(nik) Wer täglich aus dem Kreis Kleve in Richtung Düsseldorf fährt, hat es nicht leicht. Immer wieder kommt es auf der maroden Strecke zu Problemen, massenhafte Störungen gibt es an den Bahnübergängen. Nun strapaziert eine Baustelle in Düsseldorf-Bilk, wo an der S-Bahn-Haltestelle seit Februar ein Halt für Regionalzüge eingerichtet wird (auch für den Niersexpress), die Pendler noch mehr. Ab dem 15. Dezember werden die Züge vier Monate lang nur noch selten bis in die Landeshauptstadt durchfahren, sondern stattdessen in Duisburg halten. Mal wieder.

Viele Niersexpress-Pendler sind auch über die Kommunikation der Beteiligten verärgert. Denn obwohl die Baumaßnahme in wenigen Wochen beginnt, sind die genauen Auswirkungen der Streckensperrung bislang offiziell nicht kommuniziert worden. Da der Streckenabschnitt rund um Bilk vielbefahren sei, herrsche großer Koordinierungsbedarf, teilt ein Bahn-Sprecher auf Anfrage mit. Die Gesamtabstimmung aller Beteiligten sowie mit dem Verkehrsverbund (VRR) sei noch nicht beendet, zudem fehlten noch Informationen aus einigen Fachbereichen der Bahn.

Auch bei den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden sorgt die erneute RE10-Baustelle für Diskussionen. Zumal im Prinzip ja alle auf einen leistungsstarken öffentlichen Nahverkehr setzen – wenn er denn funktionierte. Dazu müsste, wie es Gochs Bürgermeister Ulrich Knickrehm verlangt, erst einmal die Deutsche Bahn die veraltete Technik auf der Strecke modernisieren. Zudem müsse die Nordwestbahn „dafür Sorge tragen, Zugausfälle wegen fehlenden Personals zu vermeiden.“ Auch das Land lässt er nicht aus der Verantwortung: „Sollte die DB AG ihren Instandhaltungsverpflichtungen nicht nachkommen, ist meines Erachtens das Land NRW in der Pflicht, für eine Verbesserung der Infrastruktur zu sorgen. Sollte auch von dort keine Hilfe kommen, werden die Kommunen des Kreises Kleve und der Kreis darüber nachdenken müssen, eine gemeinsame eigene Lösung zu finden.“ Die Bahnverbindung in Nord-Süd-Richtung sei von außerordentlicher Bedeutung, „sowohl für die zahlreichen Pendler in Richtung Ruhrgebiet und Düsseldorf, als auch für die Schüler, die diese Strecke täglich nutzen.“

Peter Driessen, einen Halt weiter in Richtung Norden zu Hause, sagt, der Niersexpress sei „die Hauptschlagader für Berufspendler“ und die Kunden hätten ein Recht auf pünktliche Beförderung. Und auch die Schüler hätten die Verbindung absolut nötig. Verspätungen bedeuteten für sie sogar Unterrichtsausfall und damit eine „Reduzierung der Chancengleichheit“. „Es besteht dringender Handlungsdruck bei allen in der politischen Verantwortung stehenden Akteuren.“

Kleve ist der Kopfbahnhof der Strecke; Kreisstadt und Hochschule sind auf eine funktionierende Bahnlinie angewiesen. Bürgermeisterin Sonja Northing weiß, dass mehrere tausend Klever eine verlässliche Zuganbindung benötigen. Die Stadt Kleve habe einiges investiert, um den Bahnhof und sein Umfeld aufzuwerten. Für das Wichtigste, die Zugfahrten, seien aber andere zuständig. „Die Vermeidung von Verspätungen und Zugausfällen muss oberstes Ziel des Netzbetreibers sein, die Deutsche Bahn muss die marode Infrastruktur sanieren.“ Die Bürgermeister des Kreises hätten darüber auch bereits mit Bahnvorstand Pofalla gesprochen. Nicht zuletzt fürs Klima müsse der Personennahverkehr ausgebaut werden. Auch hoffe sie auf eine Reaktivierung der Bahnstrecke bis in die Niederlande.