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Goch: Werner Kühle geht - zumindest offiziell

Goch : Werner Kühle geht - zumindest offiziell

36 Jahre hat er für die katholische Kirche in Goch gearbeitet, erst als Pastoralreferent, dann als Diakon. Nun wechselt Werner Kühle in den Ruhestand, behält aber diverse Ehrenämter bei. Abschied mit Messe und im Pfarrheim.

Der lange Heimaturlaub von Pfarrer Roberto Alda hat ihm geholfen, das Aufhören noch ein wenig heraus zu zögern. Denn am 1. August, als die Dienstzeit von Werner Kühle eigentlich abgelaufen war, hingen noch alle Bilder an der Wand, war noch kein Karton gepackt und der Schreibtisch noch so voll, dass ein Rückzug aus dem Berufsalltag noch kaum möglich war. Also hängte Diakon Kühle noch zwei Monate dran und half, die Abwesenheit des leitenden Pfarrers zu überbrücken. Aber jetzt ist Zeit für Nägel mit Köpfen: Die nächste Sonntagsmesse in Maria Magdalena ist zugleich der Abschluss-Gottesdienst für den beliebten Gocher, der auch außerhalb der Kirchengemeinde bestens bekannt ist.

Kühle hat 36 Jahre lang in Goch gearbeitet, zuerst als Pastoralreferent, nach der Weihe im Jahr 1989 als Diakon. "Ich habe nie etwas anderes machen wollen, mich weder mit dem Bistum, noch mit der Gemeinde überworfen - warum hätte ich also weggehen sollen?" Der in Rheinhausen Aufgewachsene lernte zunächst Industriekaufmann, arbeitete auch einige Jahre in dem Beruf. "Aber ich wäre damit auf die Dauer bestimmt nicht glücklich gewesen", ist Kühle sicher. Deshalb ist er dem Kaplan dankbar, der ihn damals, Mitte der 70-er Jahre, mit einem neuen Berufsbild vertraut machte: "Familie haben zu können und dennoch einen pastoralen Weg einschlagen zu können - das war meine Chance", sagt er.

Dass es für ihn das Richtige war, sich intensiv um Menschen zu kümmern, sie zu betreuen und zu begleiten, erkannte Werner Kühle schon als Jugendlicher. "Ich fuhr mit Rheinhausener Kindern zum Beispiel ins Ferienlager", erinnert er sich. Seine erste Anstellung als Pastoralreferent hatte er in Sonsbeck. "Nach dem Motto ,Der Jüngste macht die Jugend' war ich dort vor allem für Kinder und Jugendliche zuständig." Mit dem Wechsel nach Goch und mit zunehmendem Alter kamen viele weitere Aufgaben dazu. Kühles erstes Arbeitsgebiet war die Pfarrgemeinde Liebfrauen, nach der Fusion der innerstädtischen Kirchengemeinden wurde es St. Arnold Janssen. Seit der Diakonweihe durfte er auch Kinder taufen, Trauungen vollziehen, Beerdigungen leiten - Werner Kühle, der Seelsorger.

Die Pfarrgemeinde schreibt: "Unzählig sind die Kinder, die in dieser Zeit durch ihn das Sakrament der Taufe empfangen haben oder auf Erstkommunion und Firmung vorbereitet wurden. Die Messdienerarbeit und die Arbeit der Caritas wurden durch Werner Kühle geprägt. In dringenden Fällen leistete er als Notfallseelsorger erste Hilfe. In der Kolpingsfamilie übernahm er das Amt des Präses. In den weiterführenden Schulen war er als Religionslehrer bekannt und beliebt." Im Kolping-Karneval war er aktiv und hat sich große Verdienste um die Flüchtlingsarbeit erworben. Auch weiterhin wird Kühle Hausaufgabenhilfe anbieten, ebenso wie er seine Ehrenämter als Notfallseelsorger oder Präses von Kirchenchor und Kolping nicht gleich aufgeben möchte. "Ein paar Monate werde ich jetzt etwas kürzer treten, aber grundsätzlich möchte ich für die Menschen, die mich schon so lange kennen, ansprechbar bleiben." Da seine Frau noch einige Jahre im Maria-Magdalena-Kindergarten als Erzieherin tätig bleiben möchte, ist Kühle entschlossen, sich vermehrt um den Haushalt zu kümmern. "Ich werde mir das Kochen beibringen, um meiner Frau etwas von dem, was sie immer für mich getan, hat, wiederzugeben", verspricht er. Einer seiner zwei erwachsenen Söhne hat ihm kürzlich eine Enkelin beschert - auch eine schöne Möglichkeit, etwas Neues lieben zu lernen.

Wenn Werner Kühle an seine erste Zeit in Goch zurückblickt, dann erinnert er sich an eine Stadt mit drei innerstädtischen katholischen Kirchengemeinde und neun hauptamtlichen Seelsorgern. Jetzt sind es drei für die gesamte Großgemeinde St. Arnold Janssen Goch: Pfarrer Roberto Alda, Pater Konrad Liebscher, Kirsten Ebben als Pastoralreferentin. "Zum Glück unterstützen uns Pater Hans Peters, der ja vorrangig für die Wallfahrt zuständig ist, und Pater Heinrich Alkämper", sagt Kühle. Immerhin zählen 12 000 Katholiken zur Gemeinde. "Zeit, eigene Ideen zu entwickeln, sich mal etwas Neues auszudenken, hat man bei diesem Personalstand kaum mehr", bedauert der scheidende Kirchenmann. Dass dennoch regelmäßig Schulgottesdienste stattfinden können, sei Religionslehrern und engagierten Eltern zu verdanken. Wie überhaupt das Mitwirken von Laien unverzichtbar sei.

Werner Kühle verschließt die Augen nicht davor, dass Kirchen leerer werden, viele die Lieder nicht mehr mitsingen können und es mehr Beerdigungen als Trauungen gibt. Aber er erfahre auch viel Zuspruch - "ich hatte einen Traumberuf", sagt er. Möglichkeit zum Abschiednehmen besteht nach dem 9.30-Uhr-Gottesdienst in der Maria-Magdalena-Kirche im Michaelsheim.

(RP)