Goch: Wenn der Laufsteg in der Mensa ist

Goch: Wenn der Laufsteg in der Mensa ist

Projekt an der Liebfrauen-Grundschule in Goch mit angehenden Erzieherinnen des Klever Berufskollegs.

Wer von Mode nicht viel hält, begründet das meist mit hohen Kosten oder mit der Verschwendung von Ressourcen. Was aber, wenn beide Argumente nicht ziehen, weil alte Kleidung umgearbeitet wird? Dann ist das ein Fall für den Liebfrauen-Catwalk: An der Gocher Grundschule schritten jetzt keinesfalls nur weibliche Nachwuchs-Models über einen improvisierten Laufsteg in der Mensa. Vor den stolzen Eltern und den Mitarbeitern des Ganztags zeigten die Jungen und Mädchen, wie Jeans, Röcke und Oberteile am besten zur Geltung kommen. Wer sich traute, schob auch mal kokett die Hüfte vor oder schnippte mit leicht gebeugtem Oberkörper die Finger.

Augensaufschläge à la Claudia Schiffer und ebensolches Haare-Werfen waren Standard. Warum das alles? Weil angehende Erzieherinnen des Klever Berufskollegs in ihrem letzten Ausbildungsjahr ein praxisnahes Projekt durchführen müssen. Lena Fitzner, Tatjana Kuhlewey und Mailin Brunen sind Studentinnen der Fachschule für Sozialpädagogik und werden demnächst ihr Praxisjahr beginnen.

Mit Kindern zu arbeiten - das müssen die jungen Frauen natürlich üben. Und weil sie an ihrer Schule auch allgemeinbildende Fächer wie zum Beispiel Politik haben, beschäftigen sie sich zudem mit aktuellen gesellschaftlichen Themen. Zum Beispiel mit der Umwelt. "Und da haben wir zum Beispiel erfahre, dass ein T-Shirt, wie wir alle es tragen, erstmal 30000 Kilometer über drei Kontinente zurücklegt, bis es in einem deutschen Laden liegt. Wenn man dann bedenkt, dass so ein Shirt, das vielleicht sechs Euro kostet, schon bald auf dem Müll landet, ist das ein Riesenproblem", findet Lena. Ihre Idee, die Tatjana und Mailin unterstützten: Upcyceln. Ein nicht mehr gemochtes Hemd, eine langweilige Jeans, ein zu kurz gewordener Rock - all das lässt sich mit gar nicht so großer Mühe wieder passend und dazu peppiger machen. Zweimal in der Woche haben sich die angehenden Erzieherinnen im Rahmen des Offenen Ganztags in die Liebfrauenschule begeben und mit Freiwilligen der Klassen 3 und 4 Mode entworfen und gefertigt. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen.

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"Erstmal haben die Kinder Stoffabfälle und alte Sachen gesammelt, wir haben Pailletten, Rüschen und alles Mögliche zum Aufnähen mitgebracht", erzählt Mailin. Nach den Weihnachtsferien ging es los, und weil alles so gut klappte, war auch noch Zeit zum Taschen-Nähen und für die Choreographie. Denn am Ende sollte ja eine tolle Modenschau stehen.

Die wurde es, Saft-Empfang und Security inklusive. Neunjährige Türsteher sammelten Eintrittskarten ein, hübsche Hostessen boten wahlweise Apfel- oder Orangensaft an. Und natürlich gab's Musik für die charmanten Models mit ihren Zahnlücken und dem unwiderstehlichen - manchmal auch etwas verkrampften - Lächeln. Fransen-Shirts, Batikhemden, abgeschnittene Jeans, Blusen voller Pailletten und Tüll-Röckchen für den großen Auftritt wurden bejubelt. Plakate im Hintergrund erinnerten an die wichtige Idee: "Geld sparen - Style haben". Und dabei noch die Umwelt schonen.

(nik)