Goch: Wegweiser zu den Gocher Stolpersteinen

Goch: Wegweiser zu den Gocher Stolpersteinen

Eine Publikation informiert über die Gocher Opfer der Nazi-Diktatur. Sie wird heute Abend im Kastell vorgestellt.

Das Heft, 76 Seiten stark, ist handlich und übersichtlich wie ein Reiseführer für unterwegs. Sein Inhalt aber ist ein besonderer. Der "Wegweiser zu den Stolpersteinen in Goch" führt den Leser an alle Orte der Stadt, wo Menschen lebten, die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur wurden.

Die "Initiative Gocher Stolpersteine" hat den Wegweiser mit Unterstützung der Stadt Goch herausgegeben, er ist soeben erschienen und im Buchhandel für 9,90 Euro erhältlich. Er enthält alle Namen der Opfer, ihrer Familien, wo sie gewohnt und gearbeitet haben, wann sie geboren wurden und wie und wann sie starben.

Bemerkenswert ist die Vielzahl der abgedruckten Fotos. Bilder aus glücklichen Tagen zeigen die neunjährige Leni Valk im weißen Sonntagskleid. Sie wurde 1943 im Vernichtungslager Sobibor in Polen vergast. Familienfotos sind dabei, wie sie jeder auch zu Hause in Alben eingeklebt hat. Der Text, verfasst von Stadtarchivarin Judith Schouten, enthält nur Daten, reine Fakten, und ist gerade deshalb so erschütternd, weil er kommentarlos Ungeheuerliches beschreibt.

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Wie Stephan Mann, Leiter des Fachbereichs Kultur, anlässlich der Wegweiser-Vorstellung berichtete, verlegte Gunter Demnig, der Künstler, der seit Anfang der 90er Jahre in ganz Europa 61.000 Stolpersteine verlegt hat, 2017 in Goch den letzten Stein. Die Initiative Gocher Stolpersteine und die Stadt Goch entschlossen sich, aus diesem Anlass einen Wegweiser herauszugeben, der möglichst vielen Bürgern die Namen und die Geschichten der betroffenen Menschen zugänglich macht. "Der Wegweiser soll auch eine Brücke sein von der Ehrung der Opfer zur Mahnung in der Gegenwart", betonte Mann. Es sei damit auch ein politisches Statement in heutiger Zeit. Während die Zeitzeugen sterben, würden damalige Ideologien plötzlich wieder "salonfähig", schlichen sich leise ein in Politik und Gesellschaft. Dem müsse Einhalt geboten werden durch Transparenz, Information und Dokumentation der Ereignisse. Alle Fakten stammen aus dem Stadtarchiv. "Das Archiv ist das Gedächtnis der Stadt", sagte Stephan Mann.

Die Gocher Lehrerin Ruth Warrener habe ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der jüdischen Schicksale in Goch geleistet. Ihr umfangreiches Werk "Wider das Vergessen" erschien 2017 und wurde vom Heimatverein herausgegeben. Wie Mann berichtete, wurde die Verlegung der Stolpersteine in Goch vor einigen Jahren maßgeblich vom Engagement der Leni-Valk-Realschule und der "Initiative Stolpersteine in Goch" angeregt. Nachdem der Rat der Stadt einstimmig der Verlegung zugestimmt hatte, steuerte Johannes Janßen die Finanzierung, die ausschließlich von Spenden getragen sein muss, dies ist eine Vorgabe von Gunter Demnig. Ein Stein mit Verlegung kostet 120 Euro. Die Gocher Bürger spendeten insgesamt für die Verlegungen 15.000 Euro, über 80 Steine wurden verlegt. Hinzu kommt die Unterstützung des Kommunalbetriebes, der die jeweiligen Verlegungen logistisch ermöglichte. "Immer ist eine Vielzahl von helfenden Menschen beteiligt", so Stephan Mann. Die Verlegungen seien stets ergreifende, würdige Momente gewesen. Meist seien Schulklassen dabei, die Texte oder Lieder vorbereitet haben.

Heute Abend findet im Kastell eine öffentliche Vorstellung des Wegweisers statt. Crischa Ohler vom Theater mini-Art Bedburg-Hau wird aus Stépane Hessels "Empört euch" lesen, worin der Autor zu Wachsamkeit bei gegenwärtigen nationalsozialistischen Tendenzen aufruft. An der anschließenden offenen Diskussion sind Pfarrerin Rahel Schaller, Judith Schouten, Johannes Janßen und Pater Hans Peters beteiligt, die Moderation übernimmt Stephan Mann. Den musikalischen Rahmen gestaltet Christoph Krott. Der Eintritt ist frei.

(RP)