Was der Arbeitskreis „An Niers und Kendel“ macht

Goch : Hobby-Historiker plant Film über Goch

Beim ersten Treffen des Jahres sprachen die Mitglieder des Historischen Arbeitskreises „An Niers und Kendel“ über Vergangenes und Aktuelles – und über ein Filmprojekt.

Wer sich für Geschichte interessiert, beschäftigt sich nicht nur mit längst Vergangenem. Das wurde deutlich bei der ersten Sitzung des „Historischen Arbeitskreises An Niers und Kendel“ im neuen Jahr. In lockerer Runde trafen sich die etwa 15 Mitglieder des Arbeitskreises, um anstehende Projekte zu besprechen und eine Rückschau auf das vergangene Jahr zu halten. Tagesordnungspunkte waren „Termine“ und „Literatur“, wobei mit dem Begriff „Literatur“ die Sichtung neuer historischer Publikationen gemeint ist, aber auch Mitteilungen und Info-Schriften zum Beispiel aus den Gocher Ortsteilen.

Heinz-Karl Meuskens, der den Arbeitskreis leitet, markierte gleich zu Beginn das in 2020 anstehende Jubiläum „75 Jahre Friede, Freundschaft, Freiheit“ als ein wichtiges Thema, dem sich der Kreis widmen wird. Dazu gehört eine Einladung aus dem niederländischen Gennep, wo bereits am 15. Februar ein „Bevrijdingsdag“ (Befreiungstag) gefeiert wird. Die Heimatvereine von Gennep und Goch arbeiten seit Jahren zusammen, besuchen sich zu Veranstaltungen und pflegen einen regen Austausch. Nicht nur im neuen Jahr, sondern alljährlich gedenkt der Gocher Verein der Zerstörung ihrer Stadt durch die Alliierten am 7. Februar 1945. Dazu trifft man sich traditionell um 17 Uhr am „Bejers Kruis“ vor der St.-Maria-Magdalena Kirche, nimmt an der Messe in der Kirche teil und besucht das Denkmal „Drei Jünglinge im Feuerofen“ an der Brückenstraße in Höhe des Stadtparks.

Zum Tagesordnungspunkt „Literatur“ hatte Meuskens einen ganzen Stapel verschiedener Bücher und Hefte mitgebracht. Diese wurden herumgegeben. „Jeder schaut sich erstmal alles an und kann vielleicht etwas finden, womit er sich näher beschäftigen möchte“, erklärte er. Darunter waren Jahrbücher und Heimatkalender zum Beispiel von Kleve, Geldern und Wesel. Auch die Gemeindebriefe der verschiedenen Kirchengemeinden von Goch wanderten durch die Runde. Wie Meuskens dem Arbeitskreis mitteilte, beginnt aktuell ein Büchertausch mit der Universität Duisburg. Das dortige Institut für niederrheinische Kulturgeschichte und regionale Entwicklung gibt das „Niederrhein Magazin“ heraus. Auch hiervon lag dem Arbeitskreis bereits ein Exemplar vor.

Die bunte Mischung der mitgebrachten Literatur zeigte, wie unterschiedlich historische Themen behandelt werden. Neben der wissenschaftlich orientierten Zeitschrift fand sich auch ein Comic über das Herzogtum Geldern, aufgemacht wie ein Asterix-Heft und mit fundierten Informationen. Meuskens berichtete an diesem Abend auch von ersten Reaktionen auf das gerade erschienen Heft 63 von „An Niers und Kendel“. Hier hatte zum Beispiel ein Leser kritisiert, dass in der Ausgabe ein Bericht über den Synagogen-Brandstifter-Prozess stand und gleichzeitig ein Gedicht auf Platt auf der Rückseite abgedruckt wurde, mit einem „klischeehaft anti-jüdischem Vers“, wie es in der Kritik hieß. „Das war kein Vorsatz unserer Redaktion“, erklärte Meuskens. Das Gedicht sei ein Zeitdokument, und als solches wurde es veröffentlicht. „Unsere Hefte werden jedenfalls aufmerksam gelesen, und das ist gut“, sagte er.

Eine interessante wie auch skurrile Anfrage lag aus Italien vor. Ein sizilianische Dialektologe bittet den Arbeitskreis um die Übersetzung von 63 deutschen Sätzen ins Gocher Platt. Es waren einfache Sätze des alltäglichen Lebens. Meuskens hatte die Anfrage bereits weitergeleitet an den Sprach- und Dialektforscher Georg Cornelissen und an den Förderverein für Geschichte und Mundart im Kreis Kleve „För Land en Lüj“. Hans Joachim Köpp, Arbeitskreismitglied und hier zuständig für Redaktion und Layout, kündigte bereits die nächste Ausgabe von „An Niers und Kendel“ an. Es werde ein Themenheft über das Woll- und Tuchgewerbe der Stadt Goch vom Mittelalter bis zur Neuzeit sein und voraussichtlich im Sommer erscheinen.

Ein neues Filmprojekt stellte Arbeitskreismitglied Sascha Junghenn vor, der im vergangenen November seinen ersten Film „Leben an der Niers“ im Goli Theater präsentiert hatte. Für seine neue Idee sucht er Brunnen, Wegekreuze, Denkmäler, Inschriften und Skulpturen von Goch und seinen Ortsteilen. „Ich möchte die Geschichten, die sich dahinter verbergen, sichtbar machen mit gespielten Szenen, zum Beispiel das Schicksal von Poorte Jäntje oder wie die Pfälzer in der Gocher Heide siedelten“, erläuterte Junghenn. Seinen ersten Kinofilm hatte er komplett selbst finanziert. Nun aber suche er Sponsoren und Unterstützer.