Waldorfschule in Uedem erhält von der Bezirksregierung die Betriebsgenehmigung

Betriebsgenehmigung : Punktlandung für die Waldorfschule

Nur wenige Tage vor dem Schulbeginn bekam die neue Schule in Uedem von der Bezirksregierung die Betriebsgenehmigung. 34 Kinder werden jetzt dort in den Klassen eins bis vier unterrichtet.

Vor 100 Jahren wurde in der Nähe von Stuttgart die erste Waldorfschule gegründet. Seitdem sind allein in Deutschland gut 250 weitere solcher Schulen hinzugekommen. Eine der jüngsten befindet sich in Uedem – und sie legte gleich zum Start eine Punktlandung hin: Gerade einmal zwei Tage vor Schulbeginn flatterte der Waldorf-Initiative Niederrhein-Aue endlich die ersehnte Genehmigung der Bezirksregierung Düsseldorf für den Schulbetrieb ins Haus. Damit fiel auch offiziell der Startschuss für die erste Waldorfschule im Kreis Kleve.

„Wir waren mit der Bezirksregierung in ständigem Kontakt und hatten zuvor auch schon eine mündliche Zusage für unseren Schulbeginn“, berichtet Judith Schmidt aus Rees-Grietherort, die zu jenen Eltern gehört, die vor rund zwei Jahren die Idee hatten, eine solche Schule im Kreis Kleve ins Leben zu rufen. Dass es tatsächlich so schnell klappte, freut sie natürlich umso mehr.

Gründungslehrerin Nicole Fröhlich, die bisher 14 Jahre an der Waldorfschule in Dinslaken unterrichtete und in Sonsbeck wohnt, ist für die Klassen drei und vier zuständig, also hauptsächlich für Kinder, die bislang an Regelschulen unterrichtet wurden. „Viele von ihnen haben schon ein wenig gestaunt, dass wir zunächst einmal viel gesungen und gemalt haben“, beschreibt die Pädagogin die ersten Tage an der neuen Schule. Die steht in Uedem an der Meursfeldstraße und hieß früher Hanns-Dieter-Hüsch-Schule. Nach 50 Jahren wurde die Verbundschule in diesem Sommer geschlossen.

In den Ferien hatten die Eltern die Räumlichkeiten für die Waldorfschüler hergerichtet. Es wurde viel gestrichen und auch neues Mobiliar angeschafft. Zum Beispiel die für die Waldorfschulen typischen Holzbänke, an denen die Kinder arbeiten können, während sie auf Kissen auf dem Boden sitzen.

Ein wesentlich wichtigerer Unterschied zu den Regelschulen: Waldorflehrer unterrichten in Epochen. Das heißt, für einen gewissen Zeitraum wird das Nebeneinander der Fächer aufgehoben, um sich konzentrierter einem Unterrichtsgegenstand zu widmen. Außerdem ersetzen schriftliche Beurteilungen die Noten, die Schüler bleiben nicht sitzen. Zum Blockunterricht gehören Musik, Theater, Tanz, bildnerisches und handwerkliches Gestalten, Fremdsprachen ab dem ersten Schuljahr sowie später ein soziales und ein landwirtschaftliches Praktikum.

Vier Lehrer sind derzeit in Uedem angestellt. Dazu gehört auch Jana Fröhlich. Die 26-Jährige, Tochter der Gründungslehrerin, unterrichtete bislang an der Freien Waldorfschule Aachen eine siebte und achte Klasse. Zusammen mit ihrem kleinen Hund Napoleon, der schon nach kurzer Zeit Liebling der Kinder wurde, ist sie jetzt in Uedem für die Klassen eins und zwei zuständig. Elf Kinder werden hier unterrichtet. 23 weitere sind in den Klassen drei und vier.

Waldorfschulen sind Privatschulen, eine Art Kollektiv, das sich auch selbst verwaltet. Die Lehrer bestimmen zusammen mit den Eltern das Gehalt, entscheiden über die Baumaßnahmen oder Einstellungen. Die Eltern der Schüler zahlen Schulgeld, gestaffelt nach ihrem Einkommen.

Die Schule in Uedem will weiter wachsen. Ihr Ziel ist es, nach und nach bis zur Klasse 13 vollzulaufen. Das ist möglich, weil auch an der Waldorfschule Mittlere Reife, Fachabitur oder Abitur erworben werden können. Dann greift allerdings auch das Notensystem.

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