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Waldorf-Schule will jetzt nach Uedem

Neuansiedlung : Waldorf-Schule will jetzt nach Uedem

Eigentlich wollte sich die Waldorfinitiative mit Schule und Kindergarten in Moyland ansiedeln. Doch aus diesem Plan wird nichts. Jetzt lautet der neue Wunsch-Standort Uedem. Die Verhandlungen laufen noch.

Die Planungen für die erste Waldorf-Schule im Kreis Kleve müssen geändert werden. Die Waldorfinitiative, die vor gut anderthalb Jahren in Rees-Grietherort gegründet wurde, wollte eigentlich nahe Schloss Moyland ihre neue Schule und einen angegliederten Kindergarten gründen. Doch daraus wird nichts. Der Grund: Das Gelände hätte in Gemeindenutzungsfläche umgewandelt werden müssen. Das war jedoch in der Kürze der Zeit nicht möglich, denn bereits zum nächsten Schuljahr soll die Waldorf-Schule starten. Doch die Eltern haben ihre Hände nicht in den Schoß gelegt, sondern ihre Suche nach einem Standort weiter fortgesetzt. Und sie sind fündig geworden.

Die Waldorfinitiave würde gerne in die Hanns-Dieter-Hüsch-Schule in Uedem einziehen. Das Gebäude – früher Hauptschule, zuletzt Verbundschule – steht ab dem Sommer leer, weil die Schule ausläuft. „Wir würden uns sehr freuen, wenn das klappt“, sagt Judith Schmidt aus Grietherort, Gründungsmitglied der Waldorfinitiative. Die Lösung sei ideal, da das Gebäude eben schon als Schule ausgewiesen ist und deswegen keine neue Genehmigung beantragt werden müsste. Ob der Plan aufgeht, steht allerdings noch nicht fest, denn derzeit laufen noch Verhandlungen mit der Gemeinde Uedem.

Bürgermeister Rainer Weber hat das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Hauptausschusses gesetzt. Da wird es (nichtöffentlich, weil es ja um eine Grundstückangelegenheit gehe) um das Anliegen des „Fördervereins Freie Waldorfschule Niederrhein-Aue e.V. zur Gründung einer Waldorfschule“ gehen. Grundsätzlich müsse man natürlich dafür sein, wenn in ein Schulgebäude wieder eine Schule einziehen wolle. „Man sollte aber bedenken, dass allenfalls einzelne Uedemer eine solche Schule nutzen würden, denn das Angebot richtet sich ja an Kinder aus gem gesamten Kreis“, erklärt Weber. Außerdem würde eine Schule in Gründung erst einmal nur einen sehr kleinen Teil der 2700 Quadratmeter Schulfläche anmieten. „Die Kinder werden in der ersten und zweiten sowie der dritten und vierten Klasse gemeinsam unterrichtet, jedes Jahr würde eine Klasse nachwachsen - das dauerte zehn Jahre, bis das Gebäude komplett genutzt würde.“ Das sei ein finanzwirtschaftlicher Aspekt, der zumindest gut bedacht werden müsse, bevor ein Vertrag unterschrieben werden könne. Auch Fragen der Bauordnung seien noch zu klären. Und „Waldorf“ bedeute, dass auch Tiere eine Rolle spielen werden: Kann man Schafe und Esel, mit denen die Kinder umgehen sollen, mitten im Ort leben lassen? Die endgültige Entscheidung steht nach RP-Informationen für Mai an.

Die Planungen für den Kindergarten sind währenddessen schon weit fortgeschritten. Es soll ein so genannter Wald-Waldorf-Kindergarten werden. „Das gibt es in dieser Form so noch nicht“, erläutert Judith Schmidt. Die Kinder sollen sich sehr viel draußen aufhalten, um in und von der Natur zu lernen. Es gibt kein festes Schulgebäude im klassischen Sinn. Stattdessen werden, so der Plan, Bauwagen oder so genannte Tiny-Houses aufgestellt, Häuser im Miniaturformat. Wo genau das passieren soll, steht noch nicht ganz fest. Es gibt 20 Plätze für Kinder über drei Jahren. „Wir haben schon einige Anmeldungen, aber auch noch freie Plätze“, sagt Schmidt. Nicht nur Kinder aus Uedem, sondern aus dem gesamten Kreis Kleve werden aufgenommen.

Zur geplanten Waldorf-Schule. Bis jetzt haben Eltern 40 Kinder angemeldet. Das reicht für zwei Klassen. „Man kann sich gerne weiterhin anmelden“, betont Schmidt. Die ersten beiden Klassen werden Jahrgang übergreifend unterrichtet, ebenso die dritte und die vierte Klasse. Für zwei Klassen gibt es bereits Lehrer, darunter die Pädagogin Nicole Fröhlich aus Dinslaken. Die Initiative sucht noch Sprachlehrer. Die Kinder beginnen schon im ersten Schuljahr mit Französisch und Englisch. Konzeptionell arbeitet die Initiative mit dem Bund der freien Waldorschulen zusammen.

Die zwölfte Klasse schließen die Schüler mit einer Jahresprojekt ab. Diese besteht aus einer Jahresarbeit und einem handwerklich-künstlerischem Werk. Am Ende der 13. Klasse kommt schließlich das Zentralabitur.