Goch: Vrouwenpoort jubelt "Goch Helau"

Goch : Vrouwenpoort jubelt "Goch Helau"

Trotz der hohen Sicherheitsauflagen ist es den Vereinen gelungen, einige tolle Wagen in den Zug zu schicken. Zahlenmäßig stehen inzwischen aber klar die Fußgruppen samt Tänzern und Musikern im Mittelpunkt.

So ganz ohne Regentropfen kamen sie trotz allem Daumendrücken nicht davon, aber der längste Teil des Gocher Rosenmontagszugs wurde bewältigt, ohne dass Akteure und Zuschauer nennenswert nass wurden. Die grauen Wolken beeinträchtigten die Fröhlichkeit kaum, schließlich hatten Johannes IV. und Lisa I. samt ihrer Gefolgschaft dem Höhepunkt der Session lange genug entgegen gefiebert. "Ich hab' zwar fast keine Stimme mehr, aber jetzt kommt noch das beste", war sich ihre Lieblichkeit eine halbe Stunde vor dem Start sicher, als sie mit ihrem Prinzen die 93 Zugnummern abschritt und allen Beteiligten viel Spaß wünschte. Dann ging's für Lisa und Johannes nach ganz hoch oben, um von dort aus das närrische Volk zu grüßen und großherzig Kamelle zu schmeißen.

Seit es die umfangreichen Sicherheitsauflagen den Wagenbauern immer schwerer machen, aufwendige Gefährte herzustellen und in den Zug einzureihen, kommen Fußgruppen um so besser zu ihrem Recht. Farbenprächtig herausgeputzt, klassisch oder ausgefallen kostümiert zogen sie durch die Straßen der Stadt, warfen aus Körben, Tüten und Handwagen Bonbons, Popcorn- und Chipstütchen und jede Menge Taschentücher. Die Mitglieder des RZK beehrten die weiblichen Gäste galant mit Strüssche. Mit Alkohol musste sich das Narrenvolk am Straßenrand jedoch weitgehend selbst versorgen. Die Landjugend etwa, bekanntlich dem Gerstensaft nicht abgeneigt, ließ Interessenten an ihrem Bier-Zapfhahn per Plakat wissen: "Wir achten das Jugendschutzgesetz!"

Diese jungen "Minions" freuten sich über viele Kamelle. Foto: Evers Gottfried

Das Motto der diesjährigen Session "De Vrouwenpoort lät de Poppe danze" gab offenkundig einigen Gruppen die Idee für die Optik von Wagen oder Fußgruppe: Insbesondere Marionetten waren vielfach im Zug vertreten. Die Strippenzieher, sofern es sie überhaupt gab, hatten mit den Puppen jedoch nichts Böses im Sinn. Im Gocher Karneval ist niemand fremdbestimmt - da tanzen auch die Puppen, wie sie wollen. Am liebsten miteinander.

Große Wagen kamen zum Beispiel aus Pfalzdorf: Auf ihre "nächste große Fahrt 2023" freut sich zum Beispiel die Alemannia, die mit dem Schiff "MS Pfalzdorf" unterwegs war. Auch einen schicken Saloon schickte Pfalzdorf auf die Reise. Der Motorsportclub "Flott weg" teilte auf seinem blumigen Wagen die erst recht im Karneval geltende Weisheit mit: "Auch ein Hippie muss mal Pipi". Die niederländische Gemeinde Bergen steuerte einen tollen bunten Motivwagen mit großen Pappmaché-Figuren bei. Super auch der Asperdener Karnevalsverein: Eine schwarze Dampflok "Emma" fuhr den zahlreichen Lokomotivführern à la Lukas voraus, der Wagen zeigte "Lummerland" samt seiner zwei Berge. Alle Gocher Karnevalsvereine hatten natürlich ihre prächtigen Wagen, erst recht aber riesige Fußgruppen mit Tänzerinnen von klein bis groß. Im Jubiläumsjahr zog das städtische Gymnasium mit und verteilte Fleißkärtchen in Sütterlin-Schrift. Lustig auch das von vielen Kindern begleitete Krümelmonster vom Anna Stift. Schwung ins Geschehen brachten die gut verteilten Musikgruppen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE