Vor 20 Jahren wurde der Militärflughafen in Weeze Laarbruch aufgelöst

Abzug der Briten vor 20 Jahren : Goodbye, Weeze

Vor 20 Jahren zogen die Briten von Laarbruch ab. Ein tiefer Einschnitt für Weeze, denn die Engländer hatten das Leben dort über viele Jahre geprägt. Offen war auch die Zukunft des Flughafens. Genau wie heute.

Als Khalid Rashid am 10. April 1979 auf Laarbruch landete, dachte er: „Oh Gott, wo bin ich denn hier gelandet“, berichtet der 61-Jährige lachend. „Da lag tatsächlich Schnee auf dem Boden. Daran erinnere ich mich noch ganz genau.“ Rashid selbst ist das beste Beispiel für einen Briten, der über Laarbruch seine neue Heimat in Weeze gefunden hat. „Laarbruch war mein Schicksal, sonst wäre ich wahrscheinlich nie nach Weeze gekommen“, sagt er.

Khalid Rashid nimmt den Pokal nach einem Fußballspiel seiner Einheit entgegen. Er war einer der Briten, die in Weeze heimisch wurden und geblieben sind. Heute ist Rashid Tourismus-Chef der Gemeinde. Foto: ja/Archiv

Und deshalb ist für ihn wie für viele andere der 30. November ein besonderes Datum. Vor genau 20 Jahren zogen die Briten nämlich vom Flughafen ab. Rashid blieb. Er hatte gehört, dass eine Stelle für Tourismus bei der Gemeinde frei war, und hatte sich beworben. Er bekam die Stelle und wirbt seitdem für die Gemeinde. Auch das ist eine ganz besondere Beziehung: Ein Brite, der Tourismuschef einer Gemeinde am Niederrhein ist.

Im Naafi-Shop der Royal Air Force deckten sich die Briten mit Lebensmitteln aus der Heimat ein. Foto: ja/Archiv

Die Engländer prägten über viele Jahre den Ort. Daran erinnert sich auch Bürgermeister Ulrich Francken gut. Es gab die sogenannte Engländersiedlung mitten in Weeze an der Magdeburger Straße. Dort gab es einen großen Naafi-Shop und die legendäre Pommesbude mit angeschlossenem Pub von Heidi und Peter Buxton, genannt „Little City“. Das war das soziale Zentrum und Herzstück der Engländersiedlung. „Als die Engländer vor 20 Jahren am 30. November 1999 abzogen, begann unsere Herausforderung wie eine Folgenutzung des Flughafengeländes und der Engländersiedlung möglich sein könnte“, sagt Francken. Die Wohnungskonversion (Umnutzung) konnte die Kommune lösen. Die Flughafenkonversion ist ungleich schwieriger. Denn ausgerechnet 20 Jahre später stehe man wieder vor der Frage, wie es mit dem Flughafen weitergeht, so Francken.

Im „Little City“, dem Pub von Heidi und Peter Buxton herrschte immer beste Stimmung. Foto: ja/Archiv

Wie berichtet, sind die Fluggastzahlen eingebrochen. Der Flughafen hat um finanzielle Unterstützung gebeten, beim Kreis und bei der Gemeinde Weeze. „Ich werbe für die Unterstützung“, sagt Francken. Die Entscheidung darüber werde im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen fallen.

„Das war schon eine harte Nummer damals, wenn plötzlich 1000 von insgesamt 3200 Wohnungen in Weeze auf einen Schlag leer stehen“, sagt Francken. Nicht erst nach diesem Einschnitt seien die Konversion von Wohnungen und Flughafen wichtige Themen gewesen. Erste Folgen haben die Weezer bereits vor dem Abzug gespürt. Nachdem die Briten am 14. Juli 1994 angekündigt hatten, Weeze 1999 zu verlassen, war klar, dass das auch wirtschaftliche Folgen haben würde: 100 Millionen Euro Kaufkraft gingen verloren, etwa 5000 Einwohner und Kunden zogen weg. Rund zwei Millionen Euro an Schlüsselzuweisungen pro Jahr fehlten. Daher wurde 1996 das Hallenbad geschlossen, weil eine Sanierung und ein Weiterbetrieb nicht finanzierbar erschienen. Weeze konnte sich das Bad nicht mehr leisten.

Insgesamt sei die Konversion erfolgreich gewesen, so Francken. Daher sei es wichtig, den Flughafen dauerhaft zu sichern. „Wir müssen da die Kurve kriegen. Man kann die ganze Sache jetzt nicht einfach zumachen. Es ist aber klar, dass es nicht mit einem einmaligen Zuschuss getan sein wird. Eine dauerhafte Förderung hingegen ist auch nicht darstellbar.“

Dass die Bevölkerung den Erhalt des Flughafens wolle, sei schon 2006 deutlich geworden, als die Genehmigung auf der Kippe stand. 20.000 Bürger aus der Region unterschrieben in kürzester Zeit für den Erhalt des Flughafens, so Francken.

Die Fahne des Militärflughafens-Laarbruch übergab der Kommandant vor 20 Jahren an den damaligen Bürgermeister Johannes Snelting. 2007 kam sie in das RAF-Museum am Airport, wo das Stück auch heute noch zu sehen ist. „Die besenreine Übergabe des Flugplatzes durch Kommandant Mick Williams bedeutete eine Zeitenwende für Weeze. Eine in viereinhalb Jahrzehnten gewachsene Freundschaft ging zu Ende“, so Heinz Willi Knechten, Vorsitzender des Museums. „Ohne den Abzug der Briten hätte es keinen Airport Weeze gegeben, wo glücklicherweise wieder viele Arbeitsplätze entstanden. Wäre der Standort noch da, würde die Bevölkerung immer noch unter dem Lärm der Kampfjets leiden.“ Weitreichende politische Ereignisse wie die Atomwaffenbedrohung, die IRA-Bombenanschläge, der Golfkrieg, die Jugoslawienkriege hätten Auswirkungen bis ins beschauliche Weeze gehabt, so Knechten. „In Freud und Leid standen die Weezer britischen Soldaten und ihren Familien bei, nahmen sie bei sich auf, feierten Kirmes mit ihnen und trauerten andererseits über Bombenopfer der IRA, bei Flugzeugabstürzen und -abschüssen.“

Das wird im Museum aufgearbeitet und seit 2007 den Besuchern nahe gebracht.