Goch: Von Istanbul nach Neu-See-Land

Goch : Von Istanbul nach Neu-See-Land

Auf einem Podest im See wurde ein Kunstwerk fixiert, das Paul Schwer der Stadt Goch geschenkt hat. In den kommenden Tagen soll mit dem Befüllen der organisch geformten Senke begonnen werden.

Die regelmäßigen Spaziergänger auf dem Gelände der ehemaligen Reichswaldkaserne haben es bereits gemerkt: Das lange schon angekündigte Kunstwerk, das auf dem See montiert werden sollte, steht inzwischen an seinem Platz. Auf einem tischähnlichen Podest erhebt es sich noch aus der Kuhle, die schon bald mit Wasser angefüllt sein wird. Die Skulptur trägt den Namen "Shelter Halic" (Schutzraum Goldenes Horn), stand zunächst in Istanbul und prägt nun einen Teilbereich von "Neu-See-Land". Das Kunstwerk ist ein Geschenk des Künstlers an die Stadt Goch.

Dass nun endlich Schluss sein soll mit der sperrigen Umschreibung "Gelände der ehemaligen Reichswaldkaserne" zeigt das neue Schild, das die Gocher Stadtentwicklungsgesellschaft GO! vor der früheren Zufahrt zum Baugebiet aufgestellt hat. Da steht's schwarz auf weiß: In "Neu-See-Land" sollen Bauwillige ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen. Im Plan zu sehen ist auf dem Schild eine Skizze der Teilabschnitte A und B. Ins Auge fällt natürlich der See, dessen Umriss mit keiner bekannten Form zu beschreiben ist, denn er soll im Verhältnis zur Fläche möglichst viele Ufer-Meter haben. Schließlich gilt ein Grundstück mit See-Anschluss als besonders attraktiv und kann etwas teurer verkauft werden. Zu erkennen sind die Baugrundstücke entlang der künftigen Hauptstraße, die so bestimmt nicht heißen wird. Was schon verkauft ist, wurde rot markiert, viele Flächen sind aber noch zu haben.

Die große Grünfläche, die in Hochwasser-Zeiten auch als Überlauf für den See dienen soll, wird als Freifläche und zum Spielen zur Verfügung stehen. Zu erkennen ist auch, wo Treppenanlagen und Sitzbereiche zu geselligen Stunden einladen werden und wo Baumgruppen die Fläche auflockern. Es gibt nicht nur Neuanpflanzungen: Einige markante Altbäume sind erhalten geblieben und geben der Weite Struktur. Ebenso wie einige Relikte aus Beton, die an die militärische Nutzung der Liegenschaft erinnern.

Zurück zum Kunstwerk: Paul Schwer, ein 1951 geborener Düsseldorfer, hat eine Lichtinstallation geschaffen, die segelähnliche farbige Acrylglasflächen zwischen Aluminiumstäben zeigt. Die knapp vier Meter hohe recht filigrane Skulptur erinnert ein wenig an ein Mobile. Schon jetzt ist gut vorstellbar, dass "Shelter Halic" die Umgebung aus Wohnpark und Natur einprägsam beeinflussen wird - insbesondere, wenn das Licht hinzu kommt.

Das neue Schild zeigt den Bauplan. Foto: SETTNIK

In Istanbul war der Künstler, der übrigens zunächst als Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitete, im Rahmen eines Arbeitsstipendiums der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen. Weshalb er "Shelter Halic" vom Bosporus nach Goch holte? Steffen Fischer vom Gocher Museum sagt dazu: "Wir kennen den Künstler schon länger, und als er uns davon erzählte, dass eine Skulptur aus Istanbul zurückkommt und zu haben wäre, waren wir gleich interessiert. Zumal die Skulptur auch von ihrer Größe her sehr gut zum See passt. Wir haben das aber nicht alleine beschlossen, sondern in Abstimmung mit der GO! und der Politik." Dass es sich um ein Geschenk handelt, freut die Entscheider natürlich ganz besonders.

Für die Bürger in Goch sicher auch interessant: In Kürze soll damit begonnen werden, das Wasser in den See einlaufen zu lassen. Bekanntlich ist die Grube nach unten mit einer tonartigen Schicht abgedichtet, so dass weder Grundwasser eindringt, noch Wasser versickern kann. Ende des Monats soll der See dann tatsächlich eine große Wasserfläche sein. Nach RP-Informationen soll das Befüllen nämlich nur wenige Tage lang dauern. Irgendwann gibt's dann auch ein See-Fest.

(RP)
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