Von Goch auf große Reise

Serie: Schulabschluss - und jetzt? : Studieren und Weltenbummlerin sein

Die 24-Jährige Gocherin Jana Martens studiert an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve Internationale Beziehungen. Für ein Praxissemester ging sie nach Vietnam und kam mit vielen neuen Eindrücken zurück.

„Je weiter weg, je lieber“, lautet das Motto von Jana Martens, wenn es darum geht, Neues zu entdecken. Da passt es sehr gut, dass die 24-Jährige International Relations (Internationale Beziehungen) an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve studiert.

Im Studium werden komplexe Zusammenhänge vermittelt, Stichwort: Globalisierung. „Absolventen des Bachelor-Studiengangs verfügen über fundierte Kenntnisse in den grundlegenden politik-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Konzepten sowie Methoden und sind sich den Anforderungen an ein gesellschaftlich verantwortungsvolles Handeln bewusst“, heißt es in der Studienbeschreibung der Hochschule. Gut ist, wenn man nicht nur viel weiß, sondern sich auch in andere Kulturen hineinversetzen kann. Nötig ist dafür also nicht nur Theorie, sondern auch, sich einmal in der weiten Welt umzuschauen.

Für ein Praxissemester ging Jana Martens nach Vietnam. An der Hochschule Rhein-Waal gibt es eine Abteilung, die Studierende berät und auch bei der Suche nach Praktikumsplätzen hilft. Jana hat ihres selbst organisiert. Unterstützt wurde sie von der Organisation Kulturweit. Sie konnte Präferenzen angeben über die Art der Tätigkeit und Länderwünsche nennen. Sie entschied sich für Südostasien. Am Ende wurde es Vietnam.

Das war nicht die erste weite Reise der Gocherin. Direkt nach dem Abitur zog es sie nach Neuseeland. Mit dem Rucksack auf dem Rücken hat sie ein Jahr lang das Land erkundet und gearbeitet. Später nutzte sie die Semesterferien für eine ausgiebige Reise, die sie nach Dubai, Australien, Kambodscha und Thailand führte. Das Reisefieber hat sie nie wieder los gelassen und mit immer neuen Erfahrungen und jeder Menge Eindrücke ist sie jedes Mal zurückgekehrt.

„Es war gut, dass ich schon einmal im Ausland war und diese Erfahrung mitnehmen konnte“, sagt Jana mit Blick auf ihre sechs Monate in Vietnam. Denn das Leben im ostasiatischen Raum war doch noch einmal eine ganz andere Geschichte. „Es ist eine komplett andere Kultur. Neuseeland ist, was Kultur und Essen angeht, eher so, wie man es aus Deutschland kennt“, zieht sie den Vergleich.

In Ho-Chi-Minh, der größten Stadt Vietnams, schlägt dem Besucher nicht nur heiße, schwüle Luft entgegen, er muss sich auch plötzlich in dem völlig anderen Straßenverkehrsaufkommen zurechtfinden. „Die Busse halten nicht direkt, man muss draufspringen“, nennt die Studentin ein Beispiel. Statt stillen Landschaften begegnet dem Besucher das pralle asiatische Großstadtleben.

Mit ihrer hellen Haut fiel Jana in der Millionenmetropole Ho-Chi-Minh direkt auf. „Einen krassen Kulturschock“, nennt sie das Zusammenspiel aus komplett anderer Umgebung, Sprache und Essensangebot. Der Kulturschock treffe andererseits auch Vietnamesen, wenn sie aus ihrer Heimat an den beschaulich-ruhigen Niederrhein kommen, ist die Studentin überzeugt. In dem halben Jahr hat Jana Martens beim Deutschen Akademischen Austauschdienst gearbeitet. Dadurch habe sie sich in einer „deutschen Blase“ befunden, auch was die Sprache angeht. Unter anderem hat sie einen deutschsprachigen Gesangswettbewerb für Vietnamesen, die Deutsch lernen, auf die Beine gestellt.

Vietnamesisch hat sie vor Ort dennoch gelernt und ist immer noch dran. Für europäische Ohren klingt die Sprache fremd und es kommt sehr auf die Tonlage an, wenn man etwas Bestimmtes ausdrücken will. Aber gerade das hat sie in der Praxis gelernt: Kommunizieren, auch wenn man nicht dieselbe Sprache spricht. Den anderen respektieren und so miteinander Projekte bewegen. Neben ihrer Tätigkeit für den Deutschen Akademischen Austauschdienst gab es noch ein privates Highlight. Die Studentin wurde zu einer vietnamesischen Hochzeit eingeladen und trug als Brautjungfer das traditionelle vietnamesische Gewand „Ao dai“.

Das halbe Jahr habe sie auf jeden Fall weitergebracht, ist die Gocherin überzeugt, deren Fernweh immer noch anhält. „Ein Auslandsaufenthalt ist eine lehrreiche Erfahrung“, lautet ihr Fazit. Auch nach dem Studium kann sie sich gut vorstellen, wieder ins Ausland zu gehen. „Es geht international weiter“, ist die Studentin sich sicher.

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