Goch: Vom Geheimtipp zum Pilgerort

Goch: Vom Geheimtipp zum Pilgerort

Zum dritten Mal öffnet Kloster Graefenthal am Osterwochenende seine Pforten zum mittelalterlichen Ostermarkt. Das Heerlager ist deutlich gewachsen, die Reiterschar ebenfalls. Längst hat sich Graefenthal in der Szene etabliert.

Wenn die Organisatoren an die Premiere vor zwei Jahren zurückdenken, schütteln sie immer noch ebenso amüsiert wie entsetzt die Köpfe. "Wir konnten die Zelte am Tag der Abreise nicht zusammenfalten, wir mussten sie mit Gewalt knicken", erinnert sich Knut Schulz vom Burgenmarketing. Zwei Tage später seien die Heerlager immer noch nicht ganz aufgetaut gewesen, so schlimm war der überraschende Wintereinbruch, der Graefenthal Ostern 2008 vor Kälte zittern ließ.

Trotzdem sprach sich die einzigartige Lage des weiträumigen und von Mauern umgebenen Geländes wie ein — in diesem Fall wärmendes — Lauffeuer herum und lockte in den vergangenen Jahren immer mehr Akteure und Besucher nach Asperden. Und was das Wetter angeht, ist Jan Spronk, Gastronom und Mitorganisator des dritten mittelalterlichen Ostermarktes, zuversichtlich: "Im letzten Jahr hatten wir zu dieser Zeit auch solche Temperaturen, und während des Marktes gab's dann Sonne pur."

Lebendiges Museum

Aufgrund der steigenden Besucherströme — auch zum Weihnachtsmarkt — ist Graefenthal bei Freunden des Mittelalters längst kein Geheimtipp mehr. Das merken Spronk und Schulz schon an der Zahl der Anmeldungen. So ist das Heerlager, das mittelalterliches Leben so authentisch wie möglich — notfalls eben auch inklusive Frostbeulen — darstellen soll, erneut gewachsen.

Zwölf Gruppen mit insgesamt 60 Zelten und gut 120 aktiven Teilnehmern werden die Graefenthaler Wege und Wiesen bevölkern und sich dabei ausdrücklich über neugierige Fragen der interessierten Besucher freuen.

Viele der feilgebotenen Produkte werden sogar während des Marktes vor den Augen der staunenden Zuschauer in Handarbeit gefertigt. Von der Gürtelschnalle bis zum vollendeten Ritter- oder Edelfrauenoutfit bietet der Markt alles, was das mittelalterliche Herz begehrt. Über 40 Händler und Handwerker gewähren Einblicke in ihre Künste und auch die kulinarische Zeitreise wird mit Kirschbier, Flammkuchen oder Gemüsefladen entsprechend vorbereitet.

Ostersonntag und -montag besteht die Möglichkeit, am Frühstücksbuffet des Klosters teilzunehmen, am Sonntagabend bietet Spronk wieder ein deftiges Rittermenü — in Buffetform (Anmeldungen und weitere Infos unter 02823 9288780).

Reiterspiele als Höhepunkt

Für die spektakulären Schaukämpfe, ob hoch zu Ross oder in voller Rüstung die Streitaxt schwingend, zeichnen wieder die Profis vom Burgenmarketing verantwortlich. Dabei sind die Zweikämpfe der berittenen "Compania Ferrata" einer der vielen Höhepunkte des dreitägigen Gastspiels.

Wenn dann bei der Tjost Lanzen auf Schilde krachen und Reiter in vollem Galopp zu Boden stürzen, herrscht beim Publikum auch im Jahr 2010 Begeisterung. (Beim offenen Reitturnier sind Hobbyreiter wieder gern gesehen, Anmeldungen und Infos hierzu unter 0173 7207699).

Akustisches Geleit auf der Reise in die Vergangenheit geben gleich mehrere Gruppen, und allerlei Geschicklichkeitsübungen verlangen Konzentration vom Besucher. Im Zeitalter der Apps und Spielekonsolen werden vom 3. bis 5. April auf Graefenthal wieder Talente im Axtwerfen und "Eierknacken" gesucht.

(RP)