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Goch-Kevealer-Geldern: Volksbank: Niedrigzinsen bereiten Sorge

Goch-Kevealer-Geldern : Volksbank: Niedrigzinsen bereiten Sorge

Neujahrsempfang der Volksbank an der Niers mit 300 Gästen im Gocher Kastell: Das Kreditinstitut wird hohe Kosten für niedrige Zinsen teils an Firmenkunden weitergeben.

Die Volksbank an der Niers blickte zurück auf ein ebenso bewegtes wie bewegendes Jahr. Beim Neujahrsempfang im Gocher Kastell betonte Vorstandsmitglied Johannes Janhsen vor gut 300 Gästen, dass seine Bank 2016 zwar erfolgreich gewesen sei, aber ihm die Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten gleichzeitig Sorge bereiteten.

"2016 war für uns ein Jahr, in dem wir viele Hausaufgaben zu erledigen hatten", fasste Janhsen die vergangenen zwölf Monate zusammen. "Wir hatten zugesagt, die Veränderungen in unserer Geschäftsstellenlandschaft mit den Menschen vor Ort zu besprechen und so umzusetzen, dass ihre Anforderungen an moderne Finanzdienstleitungen weiterhin verlässlich und kundenfreundlich erfüllt werden. Und das haben wir überall geschafft", sagte Janhsen. Gleichwohl seien die Gespräche über Filialschließungen "nicht immer leicht und sehr intensiv" gewesen, sagte das Vorstandsmitglied.

Die Kundeneinlagen seien im vergangenen Jahr um mehr als sieben Prozent gestiegen. "Wir haben jetzt 1,71 Milliarden Euro in unseren Büchern", erläuterte Janhsen. Auch die Summe der vergebenen Kredite habe sich um mehr als acht Prozent erhöht. Eine "Erfolgsgeschichte" sei das "Niersfunding". 19 Projekte seien damit unterstützt worden. "Spendengelder in Höhe von 27.900 Euro haben wir um 15.900 Euro aufgestockt", rechnete Janhsen vor.

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Sorge bereiten dem Volksbank-Vorstand hingegen das anhaltend niedrige Zinsniveau und die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). "Diese Kosten wird die Volksbank künftig zum Teil weitergeben. Wir wollen und werden aber weiterhin alles versuchen, unsere Privatkunden nicht zu belasten", sagte der Bankvorstand.

In den kommenden Jahren stehe immer noch das Thema Digitalisierung oben auf der Agenda der Volksbank an der Niers. Besonders das "kontaktlose Bezahlen" werde künftig weiter vorangetrieben. "Das bedeutet geringen Aufwand bei gleichzeitig hoher Sicherheit", unterstrich Janhsen.

Von der Politik erhoffe er sich mehr Unterstützung. "Wir leiden sehr unter stark zunehmender Bürokratie. Wir bitten die Politiker, dass sie sich für unsere regionale Form des Bankings einsetzen, sonst erschaffen wir uns eine Abhängigkeit von den Großbanken", betonte Janhsen.

Gastrednerin Anja Kohl hielt einen Vortrag unter den Titel "Immer Krise? Unser Geld im Zeitalter von Zentralbanken und Negativzinsen". Die 46-Jährige ist einem Millionenpublikum bekannt als Börsenexpertin der ARD. Was sie im Gocher Kastell zu sagen hatte, ließ aufhorchen. Die Finanzwelt suggeriere Sicherheit, die Realität sei weit davon entfernt, betont Kohl, denn das Finanzsystem beinhalte große Fehler. 2008 sei es "fast zum Kollaps gekommen". Gelernt hätten Banken und Staaten wenig. Denn danach hätten die Länder weltweit Schulden angehäuft wie noch nie, so Kohl. "Die Welt steckt knietief in den Schulden, die noch nie so hoch waren wie heute. Die Schuldenspirale dreht sich immer weiter."

Die EZB überflute die Staaten mit billigem Geld, was die Zinsen sinken lasse. "Wer kontrolliert eigentlich die EZB? Negativzinsen haben selbst die Amerikaner nicht gewagt. Für so einen Einfall braucht es wohl Europäer", sagte Kohl. Die Folge in Deutschland: "Sparer, die ihr Geld nicht anlegen, werden ein Stück weit enteignet", so die Börsenexpertin.

Seit dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA sei an der Wall Street eine ungeheure Euphorie zu spüren. "Die Party geht weiter. Aber es wird die letzte Party sein", prophezeit Kohl.

(RP)