Vier Festnahmen nach einem Überfall auf einen 17-jährigen Schüler.

Überfall in Goch : Vier Festnahmen nach Überfall in Schule

Ein 17-jähriger Schüler eines VHS-Kurses in der Gocher Realschule ist am Mittwochabend von drei Tätern zusammengeschlagen worden. Bereits am Donnerstagmittag gab die Klever Polizei vier Festnahmen bekannt.

  Vorbereitet waren sie auf  Mathe, Englisch, Deutsch, vielleicht  wären noch Biologie oder Geschichte an die Reihe gekommen. Doch von diesem Unterrichtstag wird den Jugendlichen ganz anderes in Erinnerung bleiben: Einer von ihnen wurde am Mittwochabend von drei in den Klassenraum stürmenden Jugendlichen mit Schlagstöcken und einer Eisenstange traktiert. Erst, als ihr Opfer schon verletzt am Boden lag, ließen sie von ihm ab und flüchteten. Zurück blieben zehn junge Leute und ein entsetzter Dozent. Der zusammengeschlagene Jugendliche wurde mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, nach einigen Stunden aber auf eigenen Wunsch wieder entlassen. Die Ärzte hatten eine Gehirnerschütterung, Platzwunden, Prellungen und einen gebrochenen Finger diagnostiziert. Gegen Mittag verkündete die Polizei vier Festnahmen.

Die elf Jugendlichen, die in einem Raum der Gocher Leni-Valk-Schule büffelten, sind nicht Schüler dieser Schule, sondern nehmen an einem  Kursus der Volkshochschule teil. Sie haben sich zu einer zwei-semestrigen Fortbildung angemeldet, um den Hauptschulabschluss nach Klasse neun nachzuholen. Die Verbandsvolkshochschule Goch-Kevelaer-Uedem-Weeze bietet jungen Männern und Frauen, die es während der Regelschulzeit verpasst haben, einen allgemeinbildenden Schulabschluss zu machen, an, diesen in Form von Abendschule nachzuholen. Viermal in der Woche treffen sich die Lerngruppen, um sich auf die Abschlussprüfung vorzubereiten. Und laut VHS-Leiter Theo Reintjes sind das im allgemeinen ruhige Klassen, denn die jungen Leute haben begriffen, dass ein Schulabschluss für den Berufseinstieg sehr wichtig ist.   Unterrichtet werden die jungen Erwachsenen von erfahrenen Lehrern, zum Teil von Pensionären. Im aktuellen Fall war es ein 69-jähriger Klever - dem Vernehmen nach ehemaliger Berufsschullehrer - der den Überfall miterlebte und nicht eingreifen konnte. Er und die Schüler seines Kurses wurden vom Opferschutz der Polizei betreut.

Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar. Polizei-Pressesprecher Michael Ermers sagte der Rheinischen Post, es sei eine Ermittlungskommission gegründet worden, die noch arbeite. Mit den drei männlichen Jugendlichen, denen die Tat angelastet wird, war ein junges Mädchen, das vor dem Klassenzimmer gewartet hatte, geflüchtet. Alle vier verschwanden nach Zeugenaussagen in Richtung Mühlenstraße.

Während am Morgen nach dem Überfall noch ungewiss war, ob der Lehrgang am Freitag weitergeführt werden würde, stand am Donnerstagnachmittag fest: Die Kurse können unverändert weitergehen, wie auch der Unterricht an der Realschule wie geplant stattfand. Zumal die Polizei am Mittag vier Festnahmen mitteilte: In einer Klever Wohnung wurden eine 17-jährige Jugendliche, ein 19-jähriger sowie  ein 21-jähriger Mann festgenommen. In der Wohnung stellten die Beamten als Tatwaffen einen Teleskopschlagstock und eine mit Gas betriebene Softairpistole sicher. Zur selben Zeit nahmen Beamte ebenfalls in Kleve einen 22-jährigen Mann fest - allesamt sind Deutsche. Dem 17-jährigen Opfer, polnischer Staatsbürger, waren auch Geld und ein Handy entwendet worden.

Am späten Nachmittag teilte die Polizei mit, dass es nach der Vernehmung der drei Männer noch keine Klarheit über den Hintergrund der Gewalttat gebe. Das Trio blieb aber in Gewahrsam, am Freitag entscheidet die Staatsanwaltschaft über eine Vorführung beim Haftrichter, denn es gebe jetzt auch den Vorwurf des schweren Raubes. Die Polizei hofft, am Freitag nähere Einzelheiten über die Motivation nennen zu können. Manches deutet auf eine Beziehungstat hin. Das 17-jährige Mädchen ist auf freiem Fuß.

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