Goch: Viel Stunk um eine Tankstelle

Goch : Viel Stunk um eine Tankstelle

Kann man eine Zapfstation verbieten? Der Gocher Stadtrat wollte das tun – und scheiterte beim Kreis. Geschichten aus der Gocher Geschichte, ausgegraben und nun nachzulesen im neuen Heft "An Niers und Kendel".

Von wegen "gute alte Zeiten"! Mit harten Bandagen wurde auch schon damals gekämpft, 1951, kurz nch dem Krieg. Alwine Komanns wollte an der Voßstraße eine Tankstelle bauen, ganz in der Nähe der Einmündung Voßheider Straße. Ja, sagte der Bauausschuss, das dürfen sie. Nein, sagten fünf Gocher Tankstellenbetreiber, das soll sie nicht dürfen. Auf etwa 700 Metern rund um den geplanten Standort gebe es ja bereits fünf Zapfstationen, eine weitere sei schlicht und einfach unnötig. Gut – glänzende Umsätze machten die Betreiber damals alle noch nicht. Wer konnte sich schon ein Auto leisten, 1951?

Ganz schnell zurück

"Kommando zurück", sagte nach den Unternehmer-Protesten dann auch der Gocher Stadtrat – und zog "aus verkehrstechnischen Gründen" seine Zustimmung mal schnell wieder zurück. Da musste der Kreis Kleve (damals noch Landkreis) einschreiten und deutlich machen, die erteilte Genehmigung gelte.

Und so wurde sie denn gebaut, nach dem Geschmack der Zeit, die Zapfstation, die weiland als "Großtankstelle" galt, wenngleich sie gerade mal sieben Meter lang und gut sechs Meter breit war. Fliesenverkleidung auf den Wänden und Fassaden, ein sehr knappes Flachdach, später ein Häuschen für den Tankwart und 1954 die "Wagenpflegehalle" – die Tankstelle Komanns war richtig schick. Es fehlten für den letzten Schrei eigentlich nur noch die abgerundeten (und verglasten) Ecken.

Tankstellen der 50er Jahre Zeichen für den beginnenden Wohlstand: Viele sind längst weg, ersatzlos gestrichen. Die Zapfstation von Komanns steht noch, bis heute, und wird zur Zeit als Lager genutzt. "Durch die rasante Veränderung hin zu Großtankstellen mit umfangreichen Service- und Verkaufseinrichtungen wurden die frühen Zeugnisse der automobilen Entwicklung nahezu ausgelöscht", sagt Franz van Well. "Als Typenentwurf ihrer Zeit besitzt die Tankstelle durchaus Seltenheitswert."

Franz van Well schrieb sie darum auf, die reich bebilderte Zapfsäulen-Geschichte. Eine von vielen im neuen, 46. Heft "An Niers und Kendel". Die Zeitschrift des Historischen Arbeitskreises im Verkehrs- und Heimatverein Goch ist ab sofort im Handel erhältlich.

Unverändert: 2,50 Euro

"Das Heftchen" kostet unverändert 2,50 Euro im Buchhandel oder im Versand beim historischen Arbeitskreis "An Niers und Kendel", Holunderweg 8, 47574 Goch. Wer dort bestellt, dem werden 1,20 Euro Versandkosten separat berechnet. Kontakt per E-Mail: megohm@t-online.de

(RP)
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