Viel Sonne beim Nierswalder Erntedank

Festumzug : Viel Sonne beim Nierswalder Erntedank

Der trockene, heiße Sommer war Hauptthema beim 68. Erntedankfest der Ortbauernschaft Nierswalde. Die Erntekrone erhielt Ilse Brudereck, Bürgermeister Ulrich Knickrehm hob die aktive Dorfgemeinschaft hervor.

Dauerregen herrschte im letzten Jahr, als die Nierswalder ihr Erntedankfest feierten. In diesem Jahr durften sich Teilnehmer und Besucher über die schönste Herbstsonne freuen, und das Festprogramm musste nicht wie 2017 in die Mehrzweckhalle verlegt werden, sondern konnte unter freiem Himmel stattfinden.

Zum 68. Mal veranstaltete die Nierswalder Ortsbauernschaft das traditionsreiche Fest zum Erntedank. Begonnen wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche. Pfarrer Armin Rosen und Diakon Christoph Huismann ließen sich in ihrer Dialogpredigt inspirieren von dem Bilderbuchklassiker „Frederick“ von Leo Lionni, in dem die Mäuse lernen, dass man neben Nahrungsvorräten auch Licht, Wärme und Worte ernten kann. Der anschließenden Festumzug durch das Dorf wurde in diesem Jahr von der Straßengemeinschaft Berliner Straße, Dorf- und Waldstraße, sowie Silberbergweg gestaltet.

Insgesamt neun Wagen machten gleich zweimal die Runde durch den Ort, einige hundert Besucher hatten sich rund um den Robert Gassner Platz versammelt und schauten zu. Allgegenwärtiges Thema waren die Hitzewelle und die Trockenperiode des vergangenen Sommers, die den Landwirten viele Probleme, zusätzliche Kosten und Einbußen bei der Ernte beschert hatten. „Kleine Ernte, wenig Regen. Trotzdem Dank für Gottes Segen“, war auf einem der bunt geschmückten Wagen zu lesen. Zitronen- und Feigenbäume zierten einen anderen Wagen, der zeigen sollte, wie der Klimawandel demnächst die Landwirtschaft verändern könnte. Besonders schlecht bekam dem Mais die Trockenheit. So war auf einem Anhänger ein ganzes Maisfeld zu sehen, und statt Mais gab es Popcorn, das den Besuchern aber dennoch schmeckte. Ein Traum aus rosa Tüll war das Kleid der „Beauty-Lady vom Silberberg“, die Fußballer vom VFL Nierswalde verteilten Äpfel an die Gäste, und die Kinder vom Kindergarten Bullerbü waren geschmückt mit selbstgebastelten Kronen, auf denen Bienen, Blumen und glitzernde Sonnen zu sehen waren. Eine historische Dreschmaschine und ein ebenso altes Mahlwerk waren auf einem Wagen in Aktion zu sehen. Als Zugmaschine diente dazu passend ein schmucker Oldie-Traktor. Siegfried Losch, Vorsitzender der Ortsbauernschaft, beschrieb in seiner Rede das vergangene Jahr und erinnerte an den Starkregen im Mai, der auch einige Einsätze der Feuerwehr erfordert hatte. Zu der darauf folgenden Trockenzeit sagte er: „Es hätte schlimmer kommen können“, und betonte noch einmal, „dass unser tägliches Brot ein Geschenk Gottes“ sei.

Bürgermeister Ulrich Knickrehm sagte, er sei sehr stolz, Bürgermeister einer Gemeinde mit einem so lebendigen und aktiven Dorf zu sein, das die Tradition des Erntedanks bewusst pflege. „Eine gute Ernte war nie selbstverständlich, gestern nicht und heute nicht“, sagte er im Bezug auf die Einbußen durch die Hitzewelle. Nur die Menschen auf dem Land erlebten die Ernte noch direkt mit. Für Bewohner der Städte könne Erntedank aber auch bedeuten, sich bewusst zu machen, was man durch seine berufliche Arbeit geleistet und erreicht hat.

Höhepunkt des Festakts in Nierswalde ist immer die Verleihung der Erntekrone an einen Menschen, der sich in besonderer Weise für die Dorfgemeinschaft eingesetzt hat. In diesem Jahr erhielt diese Auszeichnung Ilse Brudereck, die seit 1988 in Nierswalde lebt. Sie bekleidete viel Ehrenämter, war Vorsitzende der Landfrauen, kümmerte sich um die Pflege der Grünflächen im Dorf. Noch heute ist sie aktiv tätig in der Frauenhilfe. Das musikalische Rahmenprogramm auf dem Robert-Gassner-Platz gestalteten der Spielmannszug Materborn und die Dudelsack-Gruppe „Pipe and Drum“. Die Volkstanzgruppe, die außerdem für die Herstellung der Erntekrone zuständig ist, zeigte einige schwungvolle Tänze. Seit vielen Jahren mit im Programm ist auch ein Tanzspiel der Kindergartenkinder „Bullerbü“. Danach gab es Kaffee und Kuchen in der Mehrzweckhalle, wo am Abend das Fest seinen Abschluss fand.

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