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Goch: Veteranen-Treffen am Kervenheimer Mahnmal

Goch : Veteranen-Treffen am Kervenheimer Mahnmal

Mehr als 30 Besucher aus England und etliche hiesige Bürger waren dabei, als im Dorf das Denkmal der britischen Truppen besucht wurde. Zugleich wurde das renovierte Ehrenmal neu eingeweiht.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg ließen zahlreiche Soldaten und Zivilisten ihr Leben. Den Freunden und Hinterbliebenen bleibt nur, nach vorne zu blicken und das Ansehen ihrer Kameraden und Familienmitglieder zu ehren. Jetzt, rund 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, trafen sich in Kervenheim einmal mehr englische und deutsche Veteranen, um gemeinsam der Verstorbenen zu gedenken.

John Lincoln war beim Sturm auf Kervenheim dabei. Ohne Panzer, aber dafür leider mit etlichen Toten konnte das Dorf eingenommen werden. Aus diesem Anlass besuchten die Veteranen und Angehörigen des "Royal Norfolk Regiments" das britische Erinnerungskreuz auf dem Kervenheimer Friedhof. Mehr als 30 Briten waren versammelt, als Lincoln mit seiner ergreifenden Rede begann: "Sie gaben ihre Leben für die Freiheit. Mögen sie ewigen Frieden finden." Doch warum war es ihm ein Anliegen, auch noch so viele Jahre danach der Toten zu gedenken? "Es ist ganz einfach", erklärte der alte englische Gentleman, "denn ich und wir haben einfach nur das innige Bedürfnis, den Gefallenen unseren Respekt zu erweisen. Denn im Endeffekt sind die Männer aller Nationen, die im Krieg gedient haben, Kameraden."

Kraftvolle, weise Worte. Wie sehr hat sich die Welt in 70 Jahren doch verbessert und ist zusammengewachsen. Denn im Anschluss gingen alle Engländer und Deutsche weiter zum Ehrenmahl der in Kervenheim während des Krieges Verstorbenen oder Vermissten. Das Denkmal wurde 1933 ins Leben gerufen, um der Gefallenen zu gedenken, aber "keiner konnte ahnen, dass schon sechs Jahre später der Zweite Weltkrieg begann", erzählte der Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins Kervenheim-Kervendonk, Ernst Umbach, in seiner Rede. "Dabei hat der Zahn der Zeit nach 80 Jahren an dem Bauwerk seine Spuren hinterlassen."

Aus diesem Grund wurde 2013/2014 eine komplette Sanierung durch den Heimat- und Verschönerungsverein durchgeführt. Fugen mussten freigelegt, große Teile des Mauerwerks beigearbeitet und die Tafel mit den Namen der Kriegsopfer komplett überarbeitet werden. Die Finanzierung war dabei dank großzügiger Spenden schnell erledigt. 1500 Euro gab es jeweils von der Volksbankstiftung sowie der Verbandssparkasse, während durch die britischen Veteranen weitere 1200 Euro dazu kamen, "die man auch als großartige Maßnahme der Völkerverständigung bezeichnen" könnte, wie Umbach sagte. Und er verriet, "dass die restlichen Finanzmittel von etwa 1000 Euro und 350 Stunden Eigenleistung durch den Heimat- und Verschönerungsverein erbrachten worden sind". Denn "es ist immer ein besonderes Anliegen des Heimat- und Verschönerungsvereins gewesen, die Denkmäler in der Ortschaft zu pflegen und zu schützen. Besonders wichtig ist hierbei das Ehrenmal als Mahnmal, welches uns auch in Zukunft den rechten Weg weisen soll".

Abschließend legte Lincoln auch vor diesem Denkmal einen Kranz nieder. Der schöne Spätsommertag ging nach der Einsegnung des renovierten Mahnmals durch Pastor Manfred Babel weiter mit einer Andacht in der St.-Antonius-Kirche, bevor sich alle Beteiligten zu einem Austausch über alte Zeiten im Pfarrheim bei Kaffee, Kuchen und natürlich auch bei einer Tasse Tee trafen.

(RP)