Verkehrsverband Rhein-Ruhr mahnt Niersexpress-Betreiber ab

Zuglinie RE10 : VRR mahnt Nordwestbahn ab

Nach der anhaltenden Kritik über Zugausfälle hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) Konsequenzen gezogen und gegen NWB, den Betreiber des Niersexpress, eine Abmahnung ausgesprochen. NWB-Geschäftsführer Rolf Erfurt äußerte Verständnis für die Verärgerung.

Beim Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) spricht Dino Niemann von einem „Warnschuss“. „Wir wollen damit ein deutliches Zeichen setzen, damit sich die Nordwestbahn berappelt“, erläutert der VRR-Pressesprecher. Nachdem es zahlreiche Zugausfälle auch beim Niersexpress (RE 10) gegeben hatte, hatte sich die Kritik gehäuft und am Montag schließlich ein Krisengespräch zwischen Vertretern von VRR als Auftraggeber und der Nordwestbahn (NWB) als Betreiber der Strecke gegeben. Nach der Sitzung sprach der VRR eine förmliche Abmahnung aus.

Mit der Abmahnung, die im Namen aller Vertragspartner ausgesprochen wurde, ist das Management der NWB aufgefordert worden, einen neutralen, externen Berater zu beauftragen. Dieser soll das Unternehmen dabei unterstützen, Schwachstellen zu identifizieren und Lösungsansätze zu finden, mit denen schnellstmöglich merkliche Verbesserungen für die Fahrgäste erzielt werden können. „Mit Blick auf die andauernde schlechte Qualität und eine desaströse Betriebsstabilität der Nordwestbahn mit massiven Auswirkungen für unsere Fahrgäste, war die Abmahnung gegen das Unternehmen der logische erste Schritt“, sagt VRR-Vorstandssprecher Ronald R.F. Lünser. „Darüber hinaus werden wir weitere Sanktionen prüfen und regelmäßige Gespräche mit der Geschäftsführung der NWB führen, um nachzuvollziehen, wie wirkungsvoll die Maßnahmen des Managements zur Verbesserung der betrieblichen Stabilität und Qualität sind.“

Der VRR habe in den zurückliegenden Wochen massiv und kontinuierlich auf das Eisenbahnverkehrsunternehmen eingewirkt und die kurzfristige Umsetzung eines Notfallplans gefordert. Die NWB habe die Betriebsstabilität und damit die Betriebsqualität allerdings nicht verbessern können. Der Personalmangel verschärfte die Situation seit Dezember zusätzlich. Wie berichtet, hatten sich viele Lokführer krank gemeldet. Bis zu 10 Prozent der 100 Lokführer fielen aus. Daraufhin waren auch beim Niersexpress Züge gestrichen worden.

Direkte Folgen hat die Abmahnung erst einmal nicht. Sie ist auch nicht mit Strafzahlungen verbunden. Die muss das Unternehmen in letzter Zeit ohnehin immer mal wieder schlucken, weil Züge ausfielen, verspätet waren oder zu wenig Sitzplätze zur Verfügung standen. Bis zu einer Kündigung des Vertrages, der noch eine Laufzeit bis 2020 hat, sei es noch ein langer Weg. Das stehe aktuell noch gar nicht zur Diskussion, so Niemann. „Es gab jetzt einen ersten Schuss vor den Bug, wir haben der NWB die Chance gegeben, sich Hilfe zu holen.“ Man müsse jetzt abwarten, wie sich die Situation weiter entwickle. „Am Ende muss es eine dauerhafte und verlässliche Betriebsstabilität geben“, so Niemann. Außerdem fordert der VRR die Nordwestbahn auf, den betroffenen Fahrgästen eine Entschädigung zu zahlen. Eine Abmahnung spreche der VRR nur ganz selten aus. Im vergangenen Jahr hatte es eine gegen die Eurobahn gegeben. Davor viele Jahre keine.  „Wir nehmen die Abmahnung sehr ernst. Wir sind mit unserer Leistung in jüngster Zeit nicht zufrieden und bedauern, dass wir unseren Kunden leider keinen verlässlichen Service bieten konnten, trotz des hohen Einsatzes zahlreicher Mitarbeiter, die zusätzliche Dienste übernommen haben. Die Verärgerung der Fahrgäste können wir selbstverständlich nachvollziehen“, sagt NWB-Geschäftsführer Rolf Erfurt.

Man arbeite mit höchster Priorität daran, die Situation für die Fahrgäste schnellstmöglich zu verbessern. „Zu diesen Maßnahmen werden wir kontinuierlich und transparent mit dem Aufgabenträger, den Fahrgästen und der Presse kommunizieren. Wir und unsere Mitarbeiter haben ein großes Interesse daran, dass wir einen guten und stabilen Betrieb für unsere Fahrgäste bereitstellen. Das ist unser Anspruch und dafür werden wir alle an einem Strang ziehen.“

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