Goch: Verkehrschaos am Tag nach der Sintflut

Goch : Verkehrschaos am Tag nach der Sintflut

Die Überflutungen waren am Morgen zwar bereits Vergangenheit, aber Wassermassen und Schlamm hielten die Einsatzkräfte weiter in Atem. Teile der B 9 und der Autobahnabfahrten waren gesperrt.

Die vielleicht größten Auswirkungen auf die Situation in Goch hatte ein Ereignis in Weeze: Durch die Wolkenbrüche war eine Gärtnerei nahe der Autobahnauffahrt Goch in arge Bedrängnis geraten. Ihre Flächen standen weiträumig unter Wasser. Die Pflanzen auf der Folie schwammen im Starkregen förmlich davon, weil das Wasser nicht mehr abfließen konnte. Die Feuerwehr Weeze half beim Abpumpen der Fluten. Bis 24 Uhr waren die Feuerwehrleute im Einsatz. Die Bundesstraße 9 war wegen der Wassermassen im Bereich der Auffahrt zur A 57 phasenweise gesperrt. An der Anschlussstelle Goch konnten die Autos weder auf-, noch abfahren. Die Polizei sperrte die Auffahrt von 18 Uhr abends bis zum Morgen. Zumindest zeitweise war auch die Abfahrt Goch / Kleve samt der Umgehungsstraße gesperrt. Der Gocher Ring war deshalb am Morgen komplett verstopft, Lkw und Pkw, die einen Umweg fahren mussten, bildeten eine lange Schlange.

Die Straße von Uedem nach Kervenheim (l.) war ebenso gesperrt wie die Autobahnabfahrt der A 57. Foto: latZEL/settNik

Am späten Abend hatte Gochs Feuerwehr-Pressesprecher Torsten Matenaers bereits über 100 Einsätze gemeldet, und er war sicher, dass die Arbeit der Löschzüge noch bis weit in die Nacht andauern würde. Ruth Keuken als Sprecherin des Kreises nannte gestern 119 Einsätze in Goch, an denen 123 Hilfskräfte von Feuerwehr, Polizei und THW beteiligt waren. Auch die Praktiker der Stadtwerke waren unterwegs und nahmen sich diverser Stromausfälle an. In Uedem waren 49 Helfer im Einsatz, dort gab es jedoch nur zwölf registrierte Einsätze. "Trotz heftiger Regenfälle und Blitzschlag kam es zu keinen größeren Schäden. Unsere Einsatzkräfte sperrten überflutete Straßen ab, pumpten Grundstücke leer, sicherten einen Kellerzugang mit Sandsäcken. Der Uedemer Bauhof kümmerte sich um ordentliche Absperrungen der überfluteten Straßen, reinigte sie von Schlamm und Schotter und stellte Schilder zur Temporeduktion auf", informierte die Uedemer Wehr. "Wassermassen ohne Ende" hatte Gochs Stadtbrandmeister Georg Binn zu managen, hauptsächlich kümmerten sich seine Leute um vollgelaufene Keller in Nierswalde, Pfalzdorf und in der Innenstadt. Die Kanalsysteme waren offenbar nicht in der Lage, die Wassermassen abzutransportieren, so dass an einigen Stellen das Wasser in die Häuser lief. An der Talstraße in Pfalzdorf drang Wasser aus Gullideckeln. Einige Straßenzüge wie der Ostring, die Louisendorfer Straße sowie der Autobahnzubringer B9 in Pfalzdorf waren kurzzeitig überflutet. Auch im Bereich Blumenkamp, Stadtkamp und Lemsche Heide in Pfalzdorf lag ein Einsatzschwerpunkt.

Land unter in der Gärtnerei, die Pflanzen schwammen förmlich im Wasser. Foto: SCHULMANN
Foto: Anja Settnik

Aus Kessel war am Abend ein Dachstuhlbrand gemeldet worden. "Wie sich herausstellte, war ein Blitz zunächst in einen Flutlichtmast des Sportplatzes eingeschlagen und von dort in eine Garagenwand. Die Intensität war so hoch, dass ein Loch in der Wand entstand", schreibt die Feuerwehr. Im Sekundentakt zuckten grelle Blitze durchs Land und wurden hier und da zum Sicherheitsproblem. Zwar kam es zu keinen weiteren Bränden, doch auch aus Hassum wurde ein Blitzeinschlag gemeldet. "An den betroffenen Gebäuden entstand einiger Sachschaden, Menschen wurden jedoch nicht verletzt", so Matenaers. Ebenfalls unverletzt blieben drei Insassen eines Autos auf dem Autobahnzubringer (B9 neu) in Pfalzdorf. Sie waren nicht wie befürchtet in ihrem Fahrzeug eingeklemmt, sondern von Wasser auf der Straße eingeschlossen. Sie konnten ihr Fahrzeug mit Hilfe der Feuerwehr unversehrt verlassen.

Die Nordwestbahn warnt noch bis Samstag vor Störungen der Betriebsabläufe. Zu erheblichen Verspätungen kam es gestern auch zwischen Krefeld und Kleve.

(RP)
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