Verein Arche feiert zehn Jahre Tafel in Goch

Jubiläum : Zehn Jahre Tafel in Goch

Ob alleinstehend oder Teil einer großen Familie: Wer bedürftig ist, kann eine Kundenkarte für die Gocher Tafel bekommen. Träger ist der Verein „Arche“, der seine Freunde zum zehnten Tafel-Geburtstag einlädt.

Ein wenig erklärungsbedürftig scheint es  den ehrenamtlich Tätigen schon, warum sie das zehnjährige Bestehen der „Tafel“ in Goch feiern. Schließlich ist es ja wahrlich kein Grund zur Freude, wenn Menschen so bedürftig sind, dass sie sich mit Hilfe von Spenden ernähren müssen. Andererseits ist es eben doch sehr schön, dass es eine solche Einrichtung überhaupt gibt, finden Stefan Egerding und Helmut Turno. Denn auch wenn in Deutschland wohl niemand verhungern müsste, weil sein Einkommen allzu knapp ist, machen Tafeln doch vielen Einzelpersonen, erst recht Familien das Leben leichter. Der Trägerverein „Arche“ hat die Gocher Tafel vor zehn Jahren gegründet, und ähnlich wie in anderen Städten auch ist sie seitdem nicht überflüssig geworden. „Zu uns kommen an jedem Ausgabe-Tag rund 70 Menschen, die für sich und oft auch für Partner und Kinder Lebensmittel abholen“, sagt Iris Böttcher. Die zweite Vorsitzende der „Arche“ - Vorsitzende ist Pfarrerin Rahel Schaller - freut sich auf einen schönen Festakt und auf das anschließende gemütliche Zusammensein im Kastell. Bürgermeister Ulrich Knickrehm wird am Freitag, 7. September, um kurz nach 18 Uhr ein Grußwort sprechen, Hilla Heinen führt etwas zum Schmunzeln auf, und Christoph Krott macht mit seiner Familien-Band Musik.

Insgesamt sind zwischen 50 und 60 Menschen ehrenamtlich für die Gocher Tafel im Einsatz. Sie holen Lebensmittel von den Supermärkten und anderen Betrieben ab, Frauen wie Irmgard Kamps, Bärbel Burda und Petra Peters sind bei der Ausgabe aktiv. „Gegründet hat unsere Tafel Bruno Boenigk, sehr lange leitete sie Hubert Stalder. Jetzt ist dafür ein Vierer-Team zuständig“, berichtet die evangelische Pfarrerin. Sie ist froh darüber, dass den Menschen, ob es Einzelpersonen sind oder sie größere Haushalte versorgen müssen,  geholfen werden kann. „Zwischenzeitlich kamen so viele Leute zu uns, dass wir beschlossen haben, jedem  nur noch einmal in der Woche die Möglichkeit zu Einkauf bei der Tafel zu geben.“ Einkauf, weil pro Besuch ein Euro abzugeben ist - Zeichen der Wertschätzung für die empfangene Leistung.

Im allgemeinen kommt es unter den Wartenden nicht zum Streit. Jeder hat einen Termin, zu dem er willkommen ist. „Erster“ sein um genug zu bekommen ist nicht nötig. Die Lager im Tafel-eigenen Kühlhaus sind meist gut gefüllt, „und wenn wir mal nicht so viel haben, dann müssen die Kunden damit auch klar kommen“, sagt Bärbel Burda. Zurzeit gibt es reichlich Obst und Gemüse, das kann im Winter schon mal anders aussehen. „Wir können nur ausgeben, was wir haben“, sagt auch  Irmgard Kamps. Dazu gekauft wird nichts, verteilt werden ausschließlich Spenden.

Traurig finden alle Ehrenamtler, dass gerade ältere Menschen, die häufig sehr wenig Geld haben, sich kaum überwinden können, ihre Bedürftigkeit nachzuweisen. „Dabei könnten viele von ihnen eine Kundenkarte bekommen, aber sie schämen sich zu sehr“, bedauert auch Rahel Schaller. Anlaufstelle für Neukunden ist der Verein Arche. Er gibt auf Wunsch auch lebenspraktische Hilfen oder leistet eine Basisberatung. „Wir vermitteln aber auch an Fachdienste, wenn Sucht, Schulden oder anderes vorliegen“, erklärt Iris Böttcher. Weitere Ehrenamtler sind übrigens stets willkommen.

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