Veranstaltung zum Thema Stammtischparolen im Goli-Theater Goch

Vortragsabend: „Man kann nicht mit jedem diskutieren“

Bildungswissenschaftler Klaus-Peter Hufer hat im Gocher Goli-Theater einen Vortrag zum Thema Stammtischparolen gehalten. 130 Besucher kamen zur Veranstaltung des Bürgerforum Goch (BFG).

Auch Jahre nach dem Vorfall am Bahnhof habe sie noch gezittert, wenn sie sich daran zurück erinnerte, sagt Klaus-Peter Hufer. Der Bildungswissenschaftler lernte die Rollstuhlfahrerin in einem seiner Seminare kennen. Sie erzählte ihm von einer Gruppe Jugendlicher, von der sie im Zug verbal attackiert worden war. „Dich hat man in Auschwitz vergessen“, habe einer der Jugendlichen zu ihr gesagt.

Im Gocher Goli-Theater berichtete Professor Hufer am Mittwochabend von der Erfahrung der Frau. „Zivilcourage gegen Stammtischparolen“, so der Titel seines Vortrages, zu dem das Bürgerforum Goch (BFG) eingeladen hatte. „Das Schlimmste für die Frau war, dass alle anderen Fahrgäste geschwiegen haben“, so Hufer weiter.

„Stammtischparolen“, so der Referent, „beschränken sich nicht auf Ausländer“ – ebenso könnten sie sich gegen andere Gruppen wie Behinderte, Obdachlose oder Homosexuelle richten. Stammtischparolen transportierten demokratiefeindliche, rassistische, sexistische oder fremdenfeindliche Botschaften.

  • Geldern : Argumente gegen Stammtischparolen

Dazu dienten teilweise extreme Formulierungen, bisweilen aber auch eine subtilere Wortwahl, erklärte der Referent. „Letztendlich sind es in Worte gefasste Vorurteile.“ Oft kämen sie schlagartig daher und versetzten manche Menschen in Schockstarre. Umso wichtiger sei es, Gesprächsstrategien gegen Stammtischparolen zu kennen. Genau solche Strategien stellte der Bildungswissenschaftler den rund 130 Besuchern im Goli vor. „Lehnen Sie Kategorisierungen ab und versuchen Sie, Verallgemeinerungen aufzulösen. Fragen Sie zum Beispiel, wer denn ‚die Ausländer‘ genau seien, wenn diese pauschal als kriminell bezeichnet werden“, riet Hufer. Fragen seien ohnehin ein gutes Mittel, mit ihnen könne man „dem Gesprächspartner die Widersprüchlichkeit und Absurdität seiner Aussage vor Augen führen.“ Viele Vertreter von Stammtischparolen würden dann irgendwann aus der Diskussion aussteigen, so der Referent.

„Natürlich kann man nicht mit jedem diskutieren“, so Hufer weiter. „Wer wirklich mit einer festgefahrenen Meinung kommt, der lässt sich nicht von etwas anderem überzeugen. Aber es gibt auch Unentschlossene, die man vielleicht erreichen kann.“ Wichtig und hilfreich seien da natürlich auch gute Argumente. Dem Satz „Ausländer sind häufiger kriminell“ könne man beispielsweise entgegnen: „Unter Ausländern sind die Bevölkerungsgruppen überrepräsentiert, die generell, auch unter Deutschen, häufiger Straftaten begehen.“ Knapp zwei Stunden dauerte der Vortrag von Klaus-Peter Hufer im Goli-Theater. Der Bildungswissenschaftler tauschte sich rege mit den Zuhörern aus, forderte diese auch mit provokanten Stammtischparolen zu spontanen Reaktionen heraus. Eintritt zur Veranstaltung verlangten BFG und Goli keinen. „Wir sind froh, dass so viele Menschen zu diesem wichtigen Thema gekommen sind“, sagte der BFG-Fraktionsvorsitzende Udo Wennekers abschließend.

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