Uedem: Unterwegs im Auftrag der Gerechtigkeit

Uedem : Unterwegs im Auftrag der Gerechtigkeit

Der 82-jährige Uedemer Heinz Verfürth wurde als ehrenamtlicher Richter an das Sozialgericht in Duisburg berufen.

Er blickt zurück auf ein langes Berufsleben, hat umfangreiches Fachwissen, was seine Branche betrifft, und vor allem: er hat Lebenserfahrung und Menschenkenntnis. Heinz Verfürth, Gründer und Seniorchef des Uedemer Autohauses gleichen Namens, ist wegen dieser Eigenschaften erneut für fünf weitere Jahre zum ehrenamtlichen Richter an das Sozialgericht in Duisburg berufen worden.

"Soll ich es wieder machen?", habe er einen Moment lang überlegt, dann aber zugesagt. Seit 30 Jahren ist Heinz Verfürth ehrenamtlicher Richter, zuerst beim Arbeits- dann beim Finanzgericht, schließlich beim Sozialgericht. "Dem Hauptrichter, der Volljurist ist, stehen zwei ehrenamtliche Richter zur Seite, einer vertritt die Arbeitgeberseite, der andere die der Arbeitnehmer", erklärt der 82-Jährige, der aufgrund seiner Tätigkeit als selbstständiger Unternehmer die Arbeitgeberperspektive einbringt.

Er erläutert, dass beide ehrenamtlichen Richter die gleichen Stimmrechte wie der Hauptrichter haben. "Vor der Verhandlung werden wir umfassend informiert über den Fall, im Gerichtssaal dürfen wir auch Fragen an die Zeugen richten, und bei der Beratung über das Urteil haben wir den Richter auch schon mal überstimmt", erzählt er aus der Praxis. Über die verhandelten Fälle muss natürlich im Einzelnen geschwiegen werden.

Beim Sozialgericht werden in der Regel Versicherungsfälle verhandelt, Unstimmigkeiten bei Zahlungen oder Angelegenheiten der Grundsicherung für Arbeitssuchende. Für Kläger ist eine Verhandlung beim Sozialgericht kostenlos. "Wir als ehrenamtliche Richter bringen die lebensnahe Praxiserfahrung ein. Recht und Gesetz fehlt manchmal die Menschlichkeit", beschreibt Verfürth seine Rolle bei der Urteilsfindung. Auch traue er sich zu, eine Lüge gleich erkennen zu können. Ehrenamtliche Richter können sich nicht bewerben, sie werden berufen, nachdem sie zum Beispiel ein Verband oder eine Vereinigung vorgeschlagen hat. Im Fall von Heinz Verfürth war es seine Position als Obermeister der KFZ-Innung, die er 18 Jahre lang inne hatte. Zusätzlich war er Vorsitzender im Prüfungsausschuss für die Gesellenprüfung, im KFZ-Verband vertrat er die Vertragswerkstätten. Hinzu kommen viele andere ehrenamtliche Tätigkeiten in Vereinen.

1999 verlieh der damalige Bundespräsident Roman Herzog dem Uedemer das Bundesverdienstkreuz für seinen sozialen Einsatz. "Ich habe immer gerne entschieden", sagt Heinz Verfürth, der nach Ausbildung und Meisterschule im Jahr 1959 sogleich den eigenen KFZ-Betrieb gründete. "Wenn man ein Ziel hat, sollte man es unbeirrt verfolgen" - war immer seine Devise. Seine Frau Margret, die erst vor zwei Monaten starb, habe die Buchführung gemacht, die sechs Kinder erzogen und den Haushalt geführt. "Sie hat mir immer den Rücken frei gehalten", betont er. Nun seien seine Kinder und die zehn Enkelkinder ein große Stütze für ihn.

Im Jahr 2000 übergab er den Betrieb an seinen Sohn Dieter Verfürth. Am Rentendasein genießt er, frei über seine Zeit verfügen zu können. Und er kümmert sich um alte VW-Käfer. "Das war immer schon ein großes Hobby von mir." Neben der Hauptwerkstatt hat er sich seine eigene kleine Werkstatt eingerichtet, wo er mit Hingabe die alten Karosserien restauriert, Löcher schweißt und Fahrgestelle reinigt.

(RP)
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