Nach tödlichem Unfall in Weeze: Unfallfahrzeug Traktor

Nach tödlichem Unfall in Weeze : Unfallfahrzeug Traktor

Bei einem Unfall mit einem landwirtschaftlichen Fahrzeug sind in Weeze zwei junge Motorradfahrer ums Leben gekommen. Statistisch gesehen ist das Unglück ein Einzelfall, Traktoren bergen auf den Straßen aber gewisse Risiken.

Immer wieder liest man von Unfällen mit Traktoren, mal in den Randspalten der Zeitungen, mal ganz prominent auf der Titelseite – meist, wenn einer dieser Unfälle ein besonders böses Ende nimmt. In der vergangenen Woche hat es ein Unfall auf die Titelseite geschafft. In Weeze haben am Montag zwei junge Menschen ihr Leben leben verloren.

Er, 25 Jahre alt, aus Goch, wohnhaft in Kevelaer, sie, 23, auch aus Goch, wohnhaft in Alpen, waren auf dem Motorrad auf der L77 unterwegs, der Landstraße, die von Goch schnurgerade nach Uedem führt. Auf Höhe von Weeze, an der Einmündung Kalbeck, sollte das Unglück passieren. Gegen 21.10 Uhr überquerte ein Ackerschlepper mit zwei Anhängern die Fahrbahn – und nahm dem Motorrad die Vorfahrt. Die beiden jungen Leute prallten so stark gegen den zweiten Anhänger, dass das Motorrad in Brand geriet. Ersthelfer konnten nichts mehr ausrichten, die 23-Jährige und der 25-Jährige starben.

Was den Fall noch tragischer macht: Der Unfallfahrer, ein 75 Jahre alter Landwirt aus Weeze, fuhr einfach weiter und verschwand vom Unfallort. Wenig später fanden Polizisten den Schlepper mit Anhängern in einer Scheune in Weeze, der Mann wurde in seiner Wohnung festgenommen.

Der Unfall in Weeze wirft Fragen auf. Wie gefährlich sind Traktoren auf den Straßen? Und kann es sein, dass der Landwirt den Unfall gar nicht bemerkte? Rein statistisch, sagt Polizeisprecherin Corinna Sacarro, sind Traktoren und andere landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht auffällig gefährlich. Im Jahr 2018 gab es im Kreis Kleve zwei schwere Unfälle mit Traktoren, in diesem Jahr waren es drei Unfälle – zwei davon im Gelderland. Neben dem tödlichen Unglück in Weeze gab es auch einen Unfall in Wankum, bei dem sich eine Person leicht verletzte. Der Fahrer hatte versucht, auf der Straße zu wenden, und war dabei mit dem Schlepper in einem Graben gelandet und umgekippt.

Ebenfalls in der vergangenen Woche hatte in Wachtendonk ein Fahrzeug einen Telefonmast so stark beschädigt, dass er durchbrach. Die Polizei vermutet auch hier ein landwirtschaftliches Fahrzeug. Bewiesen ist das aber nicht – der Fahrer ist geflüchtet. Bagatell-Unfälle mit kleineren Sachschäden werden in der Statistik gar nicht erfasst.

„Es gibt keine belegbare Negativentwicklung“, sagt die Polizeisprecherin. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. „Viele Lohnunternehmen sind mittlerweile auf Lastwagen umgestiegen. Und es gibt die Auflage, dass Traktoren eine gelbe Rundum-Beleuchtung haben müssen.“ Dennoch bringen Traktoren auf den Straßen ein besonderes Risiko mit sich. Wegen der geringen Geschwindigkeit überholen Autofahrer häufig die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die Straße wird aber wegen der Breite der Fahrzeuge schwer einsehbar. Da müssten Autofahrer besonders vorsichtig sein, sagt Saccaro.

Ob ein Traktorfahrer einen Unfall bemerkt, müsse man im Einzelfall prüfen, so Saccaro. Ist ein Landwirt mit Pflug oder Anhänger unterwegs, könne es durchaus vorkommen, dass kleinere Unfälle unbemerkt bleiben – etwa bei einem abgerissenen Seitenspiegel. Die Fahrerkabinen der modernen Maschinen seien in der Regel klimatisiert und schallgeschützt.

Im Fall des geflüchteten Fahrers aus Weeze steht noch ein Gutachten aus. Das soll klären, ob der 75-Jährige das Unglück möglicherweise wirklich nicht bemerkt haben könnte. Das zumindest behauptet der Weezer. Sein Führerschein wurde sichergestellt, ihn erwartet ein Verfahren wegen Fahrerflucht.

Wer einen Traktor fahren möchte, braucht mindestens einen Führerschein der Klasse L. Den können Jugendliche bereits im Alter von 16 Jahren machen. Der kleine Traktor-Führerschein berechtigt zum Fahren von Zugmaschinen mit einer Höchstgeschwindigkeit von Tempo 40. Zwölf Theoriestunden mit je 90 Minuten sind dafür nötig, eine praktische Ausbildung ist nicht vorgeschrieben.

Auf Privatgrundstücken darf ein Traktor auch von Fahrern gesteuert werden, die gar keinen Führerschein besitzen.

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