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Goch: Unfallchirurgie zu teuer?

Goch : Unfallchirurgie zu teuer?

Es scheint, dass das Gocher Hospital die für die Unfallchirurgie erforderlichen Investitionen nicht stemmen kann, so Rudolf Kliver, Kuratoriums-Mitglied in Kleve. Er fragt, warum Goch dem Hospital keine Finanzspritze gibt.

Während die Gocher um ihr Krankenhaus kämpfen, Menschenketten bilden und Emotionen für ihr Hospital wecken, bleibt es in Kleve eher ruhig. Das kann trügerisch sein, sagte jetzt Rudolf Kliver, einst CDU-Fraktionschef im Klever Rat, Vorsitzender Richter am Landgericht a.D. und Mitglied im Kuratorium der Katholischen Krankenhäuser im Kreis Kleve (KKIKK), im Gespräch mit der Redaktion.

Goch: Unfallchirurgie zu teuer?
Foto: Klaus-Dieter Stade (Archiv)

Aber auch der Gocher Versuch, mit "emotionaler Anstachelung" die wirtschaftlichen Probleme ihres Krankenhauses lösen zu wollen, sei für alle Beteiligten gefährlich. Schließlich gebe es eine Entscheidung des Aufsichtsrates der KKIKK, "in der jedes Haus wirtschaftlich für sich selbst verantwortlich ist, aber alle sich solidarisch für den Erhalt des jeweils anderen Hauses, soweit möglich, einsetzen sollen", sagt Kliver. Nach dieser Aufsichtsratsentscheidung sei die gynäkologische Abteilung und Geburtshilfe des Gocher Krankenhauses mit der gynäkologischen Abteilung in Kleve zusammengelegt worden. Kliver: "Das war medizinisch und wirtschaftlich vernünftig."

Goch: Unfallchirurgie zu teuer?
Foto: Fischer (Archiv)

Und es war ein Ausgleich vorgesehen: Die Unfallchirurgie sollte nach Goch verlegt werden. Auch wenn man über die Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung streiten könne, seien die "Kuratoriumsmitglieder des Wilhelm-Anton-Hospitals in Goch einschließlich ihres Vorsitzenden Pfarrers einverstanden und sogar zufrieden", listet Kliver den Lauf der Dinge auf. Aber: "Bei dieser Entscheidung gingen alle, Aufsichtsrat und Geschäftsführung, davon aus, dass die Kosten für die Verlegung der Unfallchirurgie bei rund vier Millionen Euro liegen und vom Gocher Krankenhaus auch zu stemmen sein würden. "Leider änderten sich die Kostenschätzungen in der Folgezeit mehrmals: Mal wurden acht bis zehn Millionen, ein andermal nur 1,8 bis zwei Millionen Euro genannt, je nachdem, welche Investitionen als erforderlich angesehen wurden", sagt Kliver. Und: "Alle Zahlen scheinen die Leistungsfähigkeit des Gocher Hauses zu übersteigen."

Jetzt suchten Aufsichtsrat und Geschäftsführung nach einem Weg, ob anstelle der Unfallchirurgie ein anderer Ausgleich für Goch gefunden werden kann. "Dabei sind medizinische Notwendigkeiten und finanzielle Auswirkungen gleichwertig zu berücksichtigen: Es macht absolut keinen Sinn, die Probleme von Goch nach Kleve zu verschieben, schon gar nicht gegen den Willen der betroffenen Chefärzte und Mitarbeiter", sagt Kliver.

Mit Blick auf die Geschichte des Klever Hospitals empfiehlt Kliver den Gochern, darüber nachzudenken, welche finanzielle Hilfe sie leisten können und wollen. "Wem dieser Gedanke absurd erscheint, der sei daran erinnert, dass die Stadt Kleve und ein Klever Unternehmer dem Klever Krankenhaus in einer schwierigen Lage geholfen haben. Wenn dies in Goch geschähe, sollten die Helfenden auch über die Entwicklung des Gocher Hauses mitreden dürfen und brauchten nicht mehr auf die Straße zu gehen", sagt Kliver. Der Unternehmer wurde Ehrenbürger.

(RP)