Uedem: Großbrand bei Auto-Zulieferer Mühlhoff - zwei Menschen verletzt

Nach Großbrand von Mühlhoff : „Das ist eine Katastrophe für Uedem“ - Schaden geht in die Millionen

Bei einem Großbrand ist das Traditionsunternehmen Mühlhoff in Uedem stark beschädigt worden. Drei Menschen wurden verletzt. 400 Mitarbeiter bangen nun um ihre Jobs.

Der Uedemer Automobilzulieferer Mühlhoff ist bei einem Großbrand am Sonntag schwer beschädigt worden. Die Hauptverwaltung parallel zur Boxteler Bahn (L 77) ist ausgebrannt, sieben Werkshallen sind durch das Feuer teils zerstört worden. Fünf Hallen kann die Wehr vor dem Feuer retten. Drei Einsatzkräfte werden verletzt. Der Schaden geht in die Millionen Euro.

Erste Anzeichen deuten darauf, dass der Brand an mehreren Stellen ausgebrochen ist, bestätigt ein Polizeisprecher. Die Kriminalpolizei hat den Brandort beschlagnahmt und ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung.

Markus Wermers, seit Oktober Geschäftsführer von Mühlhoff, hofft, dass er in zwei, drei Tagen wieder aufs Gelände kann. Zuvor müsse abgeschätzt werden, wie umfangreich der Schaden ist und ob die Produktion wieder aufgebaut werden könne, sagt er. Betriebsrat Markus Jacobs ist sich sicher, dass die Mitarbeiter zusammenstehen werden: „Das schaffen wir Mühlhoffer“, sagt er am Sonntagmittag. Bis zum 6. Januar ist die Firma aber erst einmal offiziell geschlossen, eine Mail an alle Mitarbeiter ist verschickt. Nachbarbetriebe bieten wie die Gemeinde ihre Hilfe an, erklärt Uedems Bürgermeister Rainer Weber.

Betriebsrat Markus Jacobs (l.) und Mühlhoff-Geschäftsführer Markus Wermers. Foto: Julia Lörcks

„Das ist eine Katastrophe für Uedem, ein schwarzer Sonntag für die Gemeinde, für die 400 Menschen, die hier ihr Brot verdienen und jetzt um ihre Arbeit bangen müssen“, sagt Weber mit Blick auf die riesige, tiefdunkle Rauchsäule, die am Sonntag wie ein Mahnmal hoch über Uedem steht und Kilometerweit von der Katastrophe kündet. Die Rauchfahne zieht über die Felder und Wiesen zwischen Uedem und Bedburg-Hau, in Louisendorf ist vor 10 Uhr die Sicht beschränkt. Schon hier macht sich Brandgeruch im Auto breit.

Seit 8.20 Uhr am Sonntagmorgen sind die Einsatzkräfte vor Ort. Um 8.49 Uhr geht über die Katastrophen-App „Nina“ eine Meldung an die Bevölkerung heraus. „Wir mussten bei der starken Rauchentwicklung die Bevölkerung sofort warnen“, sagt die stellvertretende Uedemer Feuerwehrsprecherin Marie Göcke. Die Anwohner seien so mehrfach aufgefordert worden, in den Häusern und Wohnungen zu bleiben.

Derweil ist vor der brennenden Hauptverwaltung des Unternehmens ein Großaufgebot an Feuerwehr aufgefahren. Ein Trupp Wehrleute greift per Drehleiter das Feuer an, steht auf dem Vordach und bekämpft durch die zerborstenen Fenster die Flammen im Inneren des Baus. Immer wieder quillen dicke, mächtige Rauchwolken aus den Hallen hinter der Verwaltung in den kühlen, eigentlich sonnigen Himmel. Gegen 14 Uhr hat die Wehr dann den Brand in großen Teilen gelöscht, greift letzte Glutnester an und flutet eine weitere Halle mit Schaum. Rein können hier die Feuerwehrleute nicht: Zu groß ist die Einsturzgefahr, sagt der Sprecher der Uedemer Feuerwehr, Patric Kuhn. Eine der Hallen ist zu diesem Zeitpunkt bereits eingestürzt.

Rund 200 Feuerwehrmänner der Wehren auch aus Kalkar, Kleve, Goch, Weeze, der Bundeswehr, Geldern und Teilen aus Kevelaer sind im Einsatz, das DRK hat eine Erstversorgung vor Ort aufgebaut. Die LANUV aus Essen ist mit einem Messfahrzeug vor Ort, um mögliche Schadstoffe festzustellen. „Das ist eine Großbrandlage, für die wir alle Wehren zusammenziehen müssen. Natürlich bleibt in den beteiligten Städten und Ortschaften weiter der Feuerwehr-Grundschutz bestehen“, sagt Kreisbrandmeister Reiner Gilles. Die Einsatzleitung vor Ort hat der Uedemer Feuerwehrchef Alexander Janßen.

Als erste vor Ort waren die Löschzüge aus Uedem, Keppeln und Uedemerbruch. Ein Mitarbeiter der Firma Mühlhoff war bereits um kurz nach 8 Uhr vor Ort und hat das Ausmaß des Feuers gesehen. „Das sieht nicht gut aus, an beiden Seiten des Betriebsgelände brannte es“, sagt er. Der Mitarbeiter hat dabei das „neue“ Presswerk 2 Richtung Goch und das alte Büro- und Verwaltungsgebäude Richtung Uedem, sozusagen Herz und Niere des Werks, im Blick. „Das sieht nach Brandstiftung aus“, sagt er. Mittlerweile ist sogar von vier Brandherden die Rede. Das bestätigt auch die Feuerwehr Uedem, die von einem Vollbrand an verschiedenen Stellen spricht, der bekämpft werden muss. Die Hallen, die noch nicht brennen, werden mit einer Riegelstellung gesichert und gekühlt, damit das Feuer nicht überspringen kann, sagt Marie Göcke.

In der Gaststätte Lettmann tagt seit 12.30 Uhr der Krisenstab, zahlreiche Mitarbeiter haben sich versammelt und arbeiten bei Bier und Cola das Geschehene auf. Als erste Meldungen über eine mögliche Brandstiftung die Runde machen, herrscht Fassungslosigkeit im Raum: „Wer macht so was?“

Rudi Verhülsdonk (64) führt nicht nur mit seiner Frau Christa die Gaststätte Lettmann, Silvester geht er nach zwei Jahren Altersteilzeit offiziell in Rente. Fast 49 Jahre war er bei Mühlhoff beschäftigt, erst im Werkzeugbau, später im Kundencenter. Er sagt: „Was für ein unrühmliches, vorläufiges Ende.“ Jürgen Wellmanns (49) ist seit 32 Jahren Mitarbeiter. Er sagt: „Das Schlimmste ist das Ungewisse und die Hilflosigkeit.“ Jahrelang haben Mitarbeiter und Unternehmen gekämpft und jetzt das.

Info: Anwohner die nördlich (Richtung Keppeln) der Einsatzstelle Brandpartikel finden, werden gebeten diese mittels einer Folie oder Tüte abzudecken und sich bei der Leitstelle des Kreises Kleve unter 02821 7710 zu melden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Feuer beim Automobilzulieferer Mühlhoff in Uedem