Uedem: Der zwölfjährige Paul Riddermann forstet in Eigenregie auf

Junger Umweltschützer : Gegen den Klimakollaps: Paul packt’s an

Paul Riddermann forstet mit seinem Taschengeld einen Wald in Keppeln auf. Der Zwölfjährige meint: Entnimmt seine Familie der Natur Kaminholz, pflanzt er Bäume. Mit der FFF-Klimabewegung kann er dennoch nur wenig anfangen.

Für seine zwölfjährige Lebenserfahrung ist Paul Riddermann ein kerniger junger Mann. Lässig, in kurzen, prägnanten Sätzen, berichtet er über seine größte Leidenschaft: das Pflanzen von Bäumen. „Ich rede nicht nur über den Klimawandel, ich tue auch was dagegen“, sagt der Gaesdonck-Schüler. Schon lange bevor die Bewegung „Fridays for Future“ ins Rollen kam und der Republik einen politisch heißen Sommer 2019 bescherte, nahm sich Riddermann eines ein Hektar großen Waldes an, der in den vergangenen Monaten für ihn zu einem zweiten Zuhause geworden ist. Unweit des Sportplatzes von Fortuna Keppeln hat der Uedemer mittlerweile knapp dreißig Bäume gepflanzt – mit Zustimmung des Eigentümers, dem eigenen Taschengeld und einem starken Willen.

Die Idee dazu kam ihm im Spätsommer 2018. Aus dem kleinen Wäldchen holten er und sein Vater immer wieder Holz für den Kamin, von abgestorbenen Bäumen wohlgemerkt. Paul aber war das ein Dorn im Auge. „Ich wollte der Natur etwas zurückgeben. Wir nehmen etwas, dann muss man auch zurückzahlen. Da ist es doch naheliegend, neue Bäume zu pflanzen“, sagt er. So setzte er Buchen, Nordmanntannen, Eichen. Das Ziel: Die Baumreihen sollen wieder möglichst dicht sein. „Mir war klar, dass das eine Menge Arbeit werden würde“, erklärt er. So muss er im Sommer beinahe täglich vorbeischauen. Er radelt hin, um Äste zu stutzen, die Pflanzen zu bewässern, Stützpfähle zu richten. Und er lernte, Rückschläge zu verkraften. „Einige Bäume haben es nicht geschafft, weil Rehe sie angefressen haben“, sagt er. Zudem drohten Bäume im beinahe tropischen Hochsommer 2019 zu verdursten, sie waren auf Pauls tägliche Dosis Wasser angewiesen.

Dennoch: Es geht voran, das Gros der Setzlinge wächst. „Ich beobachte die Entwicklung der Bäume einfach gerne“, sagt der Siebtklässler. Das sei für ihn Erholung pur. Zudem gebe es keinen ruhigeren Ort als den kleinen Wald. Häufig packt sein Vater Stefan Riddermann mit an. Paul aber hat nichts dagegen, seine Freizeit alleine im Wald zu verbringen. Ihm sei klar: Das Hobby ist ein besonderes. Während viele seiner Mitschüler die Zeit nach der Schule hinter dem Computer verbringen, setzt er sich fürs Klima ein – ohne große Worte, dafür mit viel Elan. „Hinterm Computer sitze ich höchstens mal für die Schule. Darauf, in irgendwelchen Ballerspielen andere Figuren abzuschießen, habe ich keine Lust. Da wird man nicht schlauer draus. Früher habe ich mal einen Landwirtschaftssimulator gespielt, aber da bin ich sehr viel lieber draußen unterwegs“, sagt Paul. Und das nicht nur im Wald, sondern auch bei der freiwilligen Feuerwehr oder im Angelverein.

Die Simulation der Landwirtschaft hat er ad acta gelegt, Paul gestaltet sie mittlerweile. Für Uedemer Landwirte pflügt er Äcker, transportiert Ernte, mistet Ställe aus. Wo immer helfende Hände gebraucht werden, steht Paul bereit. Mit 15 Jahren möchte er unbedingt den Traktorführerschein machen.  „Die Arbeit auf dem Feld ist anstrengend, aber sie liegt mir. Mein Vater sagt immer: ,Paul krempelt gerne die Ärmel hoch’. Da hat er wohl recht“, sagt Riddermann junior. Was er später werden wolle, wisse er noch nicht genau. Fest steht aber: Paul will einen Beruf, in dem man möglichst viel an der frischen Luft ist und mit seinen Händen anpacken kann. Ohnehin dürfte er reichlich Zukunftschancen haben. Nicht nur, dass Paul vielseitig interessiert ist. Er versichert auch, in der Schule mit überschaubarem Aufwand ausgezeichnete Noten einzufahren.

Auch die Arbeit auf den Höfen der Region verrichte er nicht aus Eigennutz. Die Setzlinge muss er nämlich aus eigener Tasche finanzieren – mit Taschengeld und Nebenverdienst. So hat er bereits mehr als 200 Euro investiert. Die Setzlinge kommen ausschließlich von Baumschulen aus der Region. So können klimaschädliche Transportwege vermieden werden. „Wenn man sich anschaut, wie warm der vergangene Sommer war, ist doch klar, dass etwas passieren muss“, sagt er. Mit der Bewegung „Fridays for Future“ könne er dennoch wenig anfangen. Anfangs habe er erwogen, bei den Protestzügen mitzulaufen. Doch von der Gaesdonck sei das Schwänzen nicht toleriert worden, zudem seien die Forderungen der Klimaschützer immer radikaler geworden. Und mit radikalen Ideen wolle er nichts zu tun haben.

„Natürlich ist es gut, dass Fridays for Future auf das Problem hinweist. Aber sie demonstrieren nur, handeln aber nicht“, sagt Paul. Und nun stünde man vor einem Problem: Die Demonstrationen würden nämlich immer weniger gut besucht, fürs Klima sei effektiv aber noch wenig passiert. „Die Klimakatastrophe droht weiterhin. Da muss man’s selbst anpacken, möglichst schnell. Und viele Wissenschaftler sagen: Das effektivste Mittel gegen den Klimawandel ist die Aufforstung“, sagt der engagierte Zwölfjährige.