Uedem: 1600 Euro für eine verstopfte Toilette - Polizei vermutet Betrugsmasche

Polizei ermittelt in Uedem: 1600 Euro für eine verstopfte Toilette

Eine böse Überraschung erlebte eine Uedemerin, nachdem sie den Rohrreinigungsdienst rief: Der Handwerker wollte 1600 Euro für eine Stunde Arbeit. Die Polizei vermutet eine Betrugsmasche, vergleichbar mit der Schlüsseldienst-Abzocke.

Die Uedemerin wollte ihren Ohren nicht trauen: 1600 Euro sollte sie für eine Handwerksleistung bezahlen, die innerhalb von einer Stunde erbracht war - und keinesfalls fachgemäß ausgeführt wurde, wie sich später zeigte. Im Haushalt von Brigitte Esser war eine Toilette verstopft. "Immer, wenn oben geduscht wurde, kam unten im WC das Wasser hoch", erzählte sie unserer Redaktion. Zugleich funktionierte der Abfluss nicht.

Wer Schuld an der Misere hatte, war schnell ermittelt: der Sohn, der seine Hähnchenknochen mitsamt der Serviette durchs Klo spülte. Irgendwo im Rohr blieb der sperrige Abfallknubbel wohl stecken - und der Schaden war da. "Um nicht auf den Handwerkerkosten sitzen zu bleiben, habe ich erstmal die Versicherung angerufen, damit ich wusste, ob sie die Rechnung übernähme", berichtet Brigitte Esser. Der Kundenberater habe ihr empfohlen, einen Rohrreinigungsdienst anzurufen und die Rechnungssumme vorzustrecken. Es handele sich um einen Fall für die Haftpflichtversicherung.

"Nach ungefähr einer Stunde kam jemand und verlangte erstmal eine Unterschrift von mir als Bestätigung dafür, dass er da war. Etwa 30 Minuten lang bastelte er dann an der Toilette herum, baute sie ab und hängte sie wieder an, und dann wollte er 1600 Euro haben. 'Auf keinen Fall', hab' ich gesagt." Der Handwerker telefonierte daraufhin mit seinem Chef und reduzierte die Rechnung auf 879 Euro. "Auch das schien mir zu viel, aber der Mann wurde frech und drohte mir sogar, er käme wieder", erzählt die Uedemerin.

Ihr Versicherer, den sie erneut anrief, riet ihr, erstmal 300 Euro zu zahlen, die der Ehemann von der Sparkasse holen musste. Die restlichen fast 500 Euro sollten in Raten überwiesen werden, verlangte der Handwerker.

Erstaunlicher Zufall: Wenige Tage später hatte die Mutter von Brigitte E. das gleiche Problem, rief (so meinte sie) eine Gocher Firma an und begrüßte dann einen Rohrreiniger, dessen Fahrzeug ein Essener Nummernschild hatte. "Er behauptete, er arbeite mit der hiesigen Firma zusammen und verlangte nach seinem Einsatz 635 Euro. Meine Mutter zahlte leider, insgesamt sind also 935 Euro weg." Zu allem Überfluss verstopften beide Toiletten innerhalb kürzester Zeit erneut. Die Uedemer erstatteten Anzeige.

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"Ja, wir haben die Ermittlungen aufgenommen", bestätigt Polizei-Pressesprecher Michael Ermers. "Das sieht nach einer sehr ähnlichen Masche aus wie die völlig überteuerten Türöffnungen", sagt er. Wie bei den unseriösen Schlüsseldiensten gehen die Ermittler auch in dieser Sache von Wucher aus.

In größerer Anzahl scheinen solche Fälle in der Region bislang jedoch noch nicht vorgekommen zu sein. Versicherer, die die Rheinische Post auf ihre Erfahrungen ansprach, sagten jedenfalls, damit noch nicht zu tun bekommen zu haben. Verstopfte Rohrleitungen seien bei älteren Verträgen meist nicht versichert, heute könne man Verstopfungen, bei denen die Folgeschäden manchmal erheblich seien, aber mit absichern. Und Haftpflichtfälle sind ja sowieso eine andere Sache.

Thomas Niederholz aus dem Provinzial-Büro Hondong und Kollegen in Goch hat schon weggeschüttetes Frittierfett, einen Teddy und Handys als Problemauslöser kennengelernt. Von Hygieneartikeln gar nicht zu reden. Aber 1600 Euro dürfe die Schadensregulierung bestimmt nicht kosten, so der Experte.

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(RP)