Trotz Nazi-Vergangenheit: Siegfried-Eulen-Straße in Weeze soll bleiben

Diskussion in Weeze : Trotz Nazi-Vergangenheit: Siegfried-Eulen-Straße soll bleiben

Der umstrittene Gründer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist in Weeze begraben. Man wolle nichts verschweigen, sagt der Bürgermeister.

Vor kurzer Zeit wurde in Weeze das Jubiläum des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gefeiert. 100 Jahre besteht der Verband, der eng mit dem Namen Siegfried Emmo Eulen verbunden ist. Er gehörte zu den Gründervätern, ist aber höchst umstritten. Eulen ist auf dem Kriegsgräberfriedhof in Weeze begraben. Im Zuge des Jubiläums nahm Prof. Dr. Wolfgang Kruse die Person Eulen kritisch in den Blick.

Eulen und seine Mitgründer seien, so Kruse, wilhelminisch geprägt gewesen. Damit gehörten sie zu jener bürgerlichen Elite, die betont national und „militärisch, ja militaristisch“ orientiert gewesen sei und der Weimarer Demokratie oft distanziert bis ablehnend gegenübergestanden habe. Wolfgang Kruse ist Historiker und hat sich intensiv mit dem Volksbund und Siegfried Eulen beschäftigt. Er ist Co-Autor eines Buches, das der Volksbund selbst in Auftrag gegeben hat, um seine Geschichte aufzuarbeiten.

Siegfried Emmo Eulen und seine Frau Christel. Foto: ja/Volksbund Archiv

Eulen fand, so Kruse, als Gräberverwaltungsoffizier des Ersten Weltkriegs die Bestimmung seines Lebens. Er habe ein großes Geschick gehabt, Lobbyarbeit für die Kriegsgräberfürsorge zu betreiben und prominente Unterstützer  zu gewinnen. Im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Machtergreifung stellte Eulen den Volksbund zielstrebig auf das Führerprinzip um und entwickelte ihn zu einer nicht förmlich gleichgeschalteten, aber doch „nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft“.

Emmo Eulen selbst wurde „Bundesführer“, ernannte ein  nationalsozialistisch orientiertes Führungspersonal und handelte mit der Führung des NS-Regimes die Erhebung des bisher privat organisierten Volkstrauertages zum gesetzlichen „Heldengedenktag“ aus, an dem  nicht nur ein heldisches Gefallenengedenken, sondern auch die Erinnerung an die „Blutzeugen der Bewegung“ zelebriert wurde. Langjährige Volksbundvertreter jüdischer Herkunft oder demokratischer Gesinnung wurden  aus dem Volksbund gedrängt und teilweise vom Regime verfolgt. Ausführungen, die die Frage aufwarfen, ob es angesichts dieser Biographie nicht konsequent wäre, die Siegfried-Eulen-Straße in Weeze zu entfernen. Bürgermeister Ulrich Francken spricht sich dagegen aus. „Wenn man es wegwischt, dann ist es aus dem Sinn. Das halte ich für falsch. Geschichte vermittelt man nicht, indem man unbequeme Dinge verschweigt“, sagt er. Deshalb solle das Schild nicht aus der Öffentlichkeit entfernt werden. Aus seiner Sicht sei es richtig, offen damit umzugehen. So könne man über den Straßennamen informieren und die Diskussion über die Person Eulen und den Nationalsozialismus anregen. Im Rat will Francken seine Sichtweise erläutern. „Ich weiß, dass das vielleicht mancher anders sieht und es zu Diskussionen kommen kann.“ Er fände es aber wichtig, das Thema offen anzusprechen.

Für Professor Kruse ist es keine Frage: „Siegfried Eulen war ein Nazi, er hat auch antisemitische Reden gehalten.“ Gleichzeitig unterstützt der Historiker den Bürgermeister. „Es wäre fatal, den Straßennamen zu entfernen und so zu tun, als wenn es Herrn Eulen nicht gegeben hätte“, sagt Kruse. Er könne sich vorstellen, am Straßenschild Erläuterungen zu Eulen anzubringen. Eine öffentliche Auseinandersetzung sei wichtig. So sieht es auch der Volksbund. „Wir distanzieren uns deutlich von ihm, aber wir verleugnen ihn nicht, schließlich hat er den Verband mitgegründet“, sagt Volksbund-Sprecherin Diane Tempel-Bornett. Man setze sich kritisch mit ihm auseinander, man vertusche nichts, sondern sei daran interessiert, alles aufzudecken. „Er wird bei uns weder verdammt noch gefeiert“, sagt sie.

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