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Trockenheit offenbart in Goch Brückenschäden

Niedrigwasser : Trockenheit offenbart Brückenschäden

Der Grad der Trockenheit ist nicht nur an Flüssen, sondern auch an kleinen Gräben abzulesen. „Entwässerung“ ist derzeit nicht nötig.Schäden an Brücken werden sichtbar.

Gäbe es nicht das Heimatverein-Heft „An Niers und Kendel“ und eine Dorfschule, die den Namen trägt – nicht viele Gocher wüssten die Kendel dann genau zu verorten. Deutlich kleiner als die Niers und auf den Außenbereich von Goch und Weeze beschränkt, ist die Kendel ein kleines Gewässer, das der Entwässerung der Oberfläche dient. Derzeit ist das Grabengefüge komplett ausgetrocknet – in Hülm und Hassum gibt es ebenso wenig zu entwässern wie in anderen Regionen. Anlieger und Verantwortliche schauen dennoch scharf hin, denn jetzt tritt zutage, was man sonst kaum sieht: Schäden an Durchlässen und Brücken. Nach einer beinahe unendlichen Sommerperiode ohne Regen sind die Gräben leer und die Hohlräume unter den Brücken einsehbar; Risse im Beton, verrostete Eisenteile und lockeres Mauerwerk treten zutage. Die Stadt Goch hat Sanierungsarbeiten an einigen dieser Brücken in Planung.

Wenn eine Brücke wegen starker Schäden gesperrt werden muss, ist das ein Problem. Diejenige am Kastell etwa, die über die Niers führt, fehlt den Bürgern, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, sehr. Im Außenbereich müssen diverse Gräben überbrückt werden - Landwirtschaft und örtlicher Verkehr sind auf sie angewiesen. Brücken sind schließlich wichtige Verbindungen und Abkürzungen. Die Bürger in Hülm passieren täglich die Brücken an der Irmgardisstraße oder am Rittorpweg, auch die Straßen Winkel oder Greversweg kommen ohne Brücken nicht aus.

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Früher als andere bemerken die Männer vom Wasser- und Bodenverband „Baaler Bruch“ die Schäden. Vom Sommer bis weit in den Herbst schneiden die Mitarbeiter die Sohle und Uferbereiche der Gräben, damit die ihre Funktion erfüllen können: Felder entwässern und die Gegend vor Hochwasser schützen. „Wir leben hier ja in der Niederung, da muss das Wasser von den Oberflächen oft künstlich abgeleitet werden“, sagt Norbert Tombergs, seit Juli Verbandsvorsteher des Wasser- und Bodenverbands, der seinen Sitz in Weeze hat. Ebenso wie sein Stellvertreter Hermann Quinders ist der Vorsteher Landwirt und ehrenamtlich für den Verband im Einsatz. Angestellt sind nur die Praktiker, die mit großen Maschinen und auch mal mit Handgeräten in der Landschaft unterwegs sind, und die Leiterin der Geschäftsstelle, Michaela Marliani-Sieben.

Ebenso wie die anderen Wasser- und Bodenverbände ist der „Baaler Bruch“ eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Er wird im Auftrag der Kommunen aktiv, die wiederum die Kosten auf diejenigen Bürger umlegt, die Grundstücke an den Gräben besitzen. „Wir halten die Gebühren seit Jahren stabil“, sagt Quinders mit einigem Stolz. Gemäht werde nicht mehr als nötig. Aber dass die Gewässerunterhaltung grundsätzlich sehr wichtig sei, werde im Fall von Starkregen offensichtlich. „Als wir 2016 die starken Überschwemmungen hatten, waren die Auswirkungen nicht zuletzt deshalb so gravierend, weil wir Ende Mai gerade erst mit den Unterhaltungsarbeiten begonnen hatten. Es gibt ja Richtlinien, die genau besagen, wann geschnitten werden darf - und zwar aus ökologischen Gründen nicht vor dem 20. Mai“, erklärt Quinders. Darauf nahm der sintflutartige Regen keine Rücksicht.

In diesem Jahr hingegen fehlt das Wasser. Auf 320 Kilometern zu pflegenden Gewässerläufen ist kaum ein Tropfen Feuchtigkeit zu finden. „Unsere Maschinen, die sonst unter Wasser schneiden, kratzen das Gras jetzt eher vom Boden ab“, sagt Tombergs. An der Grabensohle wachse inzwischen dichtes Gras - viel Arbeit für die Maschinen, deren Messer jetzt schnell stumpf werden. Die Grabenwärter lassen die Maht am Rand liegen, sie zu entfernen (meist wird sie auf die Felder aufgebracht) ist Sache der Anlieger. Gelegentlich schüttet wohl auch jemand seinen Grünabfall in die Rinne, weiß Michaela Marliani-Sieben. Das sei ärgerlich und nicht fair, denn eine funktionierende Entwässerung sei doch im Sinne aller Bürger.

Bis die Gräben am Niederrhein ihre Aufgabe künftig wieder wahrnehmen, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. „Es fehlen rund 300 Liter Wasser auf den Quadratmeter“, sagt Norbert Tombergs. Da seien mehr als nur ein paar Regentage erforderlich, um das Defizit auszugleichen.

Die Kendel, der Ottersgraben und andere Gräben sind jedenfalls gewappnet.