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Trauerrednerin aus Uedem: „Jeder Mensch hat eine Geschichte“

Trauerrednerin aus Uedem : „Jeder Mensch hat eine Geschichte“

Andrea Franken aus Keppeln spricht, wenn Trauernde schweigen. Die 40-Jährige hat eine Weiterbildung zur Freien Rednerin mit IHK-Zertifikat abgeschlossen. Damit kann sie nun Trauerreden halten.

Sie wählt den Hintereingang. Immer da, wo es möglich ist. Denn er ist zurückhaltend und öffnet doch den Weg in die Mitte. Genau da steht er, der Sarg eines einzigartigen Menschen. Eines Menschen, den sie heute verabschieden darf. Andrea Franken aus Uedem-Keppeln ist Trauerrednerin. Sie spricht, wenn Angehörige schweigen oder ihre Trauer die Worte verschluckt. Andrea Franken erzählt die Lebensgeschichte eines Verstorbenen, wenn Familien oder Verwandte sie hinzuziehen. Um einer Beerdigung noch mehr Persönliches zu verleihen, den Tag des Abschieds besonders zu gestalten – mit einer Trauerrede, die das Herzstück bildet.

Vor rund zwei Jahren wagte die Moderatorin aus Keppeln den Schritt in die Weiterbildung zur Freien Rednerin und hielt zum Abschluss ihr IHK-Zertifikat in den Händen. Warum sie diese Ausbildung absolvierte? „Weil Menschen mich faszinieren“, sagt sie, „jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.“ So ist es ihr ein Anliegen, dass Trauerfeiern als „Dankesfeiern für die gemeinsame Zeit“ gesehen werden. Und was macht eine gute Trauerrede für sie aus? Im Mittelpunkt ihrer Worte steht immer die Persönlichkeit selbst, weniger ihre Lebensstationen: Was hat diesen Menschen ausgemacht? Wofür hat er im Leben gekämpft? Was mochte er besonders gerne?

„Jede Rede beginnt auf einem weißen Blatt. Jede Rede ist ein Unikat“, beschreibt die 40-Jährige ihre Vorbereitungen. Wenn im Anschluss an eine Trauerfeier jemand fragt, woher sie die Verstorbene oder den Verstorbenen so gut gekannt habe, dann sind ihre Worte passend gewesen. Dazu führt sie im Vorfeld das Gespräch mit der Familie und lässt sich immer auch ein Bild zeigen, „damit ich eine Vorstellung von dem Menschen, über den ich spreche, bekomme“, erläutert Andrea Franken. „In diesem Gespräch möchte ich den Verstorbenen kennenlernen – mit seinen Vorlieben, Ecken und Kanten.“ Für sie ist mitentscheidend, dass bei einem Abschied neben der Trauer auch Raum fürs Schmunzeln und schöne Erinnerungen bleibt.

Die freie Gestaltung der Trauerfeier, die eigene Musikauswahl, das Einbringen persönlicher Gegenstände oder Wortbeiträge aus der Familie stehe dabei hoch im Kurs, so Franken. Es gilt, dass eine Familie ihre Wünsche äußert und die gesamte Zeremonie so individuell wie möglich gehalten wird. Gemeinsam mit dem Bestatter und Angehörigen werden individuelle Gespräche geführt und Vorbereitungen getroffen. „Für mich ist es eine wunderbare Aufgabe, Lebensgeschichten lebendig zu halten“, sagt die Freie Rednerin.

(RP)