Trafoturm am Gocher Berg soll Zuhause für Tiere werden

Goch : Trafoturm soll Zuhause für Tiere werden

Die Turmstation Gocher Berg wurde an private Hand verkauft. In dem Spitzdach sollen sich künftig unter anderem Fledermäuse wohlfühlen.

(RP) Die Tinte ist trocken. Günter Neu sowie Sabrina Merzenich als Liegenschafterin der Stadtwerke Goch Netze sowie des Betriebsführers Westnetz unterzeichneten nun den Kaufvertrag zur Eigentumsübertragung der Turmstation „Gocher Berg“ an der Reuterstrasse unweit der B67 in Goch. Günter Neu ist passionierter Jäger und möchte einen Beitrag zum Erhalt einer industriehistorischen Landmarke sowie im Artenschutz zusammen mit seiner Frau Gerda leisten.

„Unser Leben lang haben wir den Trafoturm als Bestandteil fast in unserem Garten stehen. 1959 veräußerte der Onkel der Familie, Heinrich Claeßens, dem RWE 42 Quadratmeter zur Errichtung dieser Turmstation. Somit führen wir mit dem Erwerb die ehemalige Familienfläche wieder zurück,“ erzählt Günter Neu.

Symbolische Schlüsselübergabe: Michael Sonfeld (Turmbeauftragter von Westnetz), Günter Neu und Sabrina Merzenich (Liegenschafter der Stadtwerke Goch Netze sowie des Betriebsführers Westnetz) (v.l.). Foto: westnetz

„Nach einem ersten Sondierungsgespräch in Sachen Turmnachnutzung mit dem sehr engagierten Turmbeauftragten der Westnetz Michael Sonfeld, der mir die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigte, gab es für mich kein langes Überlegen mehr, um den Turm zu übernehmen. Ein baulich so intaktes Gebäude direkt in unserem Garten lässt für mich als engagierten Umweltschützer und passionierten Schreiner viele Gestaltungsmöglichkeiten offen. Gerne würde ich das bis etwa 1970 übliche und nach dem preußischen Baudekret für Trafotürme von 1925 vorgeschriebene Spitzdach wieder für Fledermäuse realisieren,“ freut sich Günter Neu über den gelungenen Vertragsabschluss.

Die Turmstation Gocher Berg liegt an dem sich neu entwickelnden Gewerbegebiet an der Reuterstraße und wird sicherlich das verloren gehende Ökosystem dort stärken können. Familie Neu hat gute Kontakte zur unteren Naturschutzbehörde des Kreises Kleve aufbauen können, die die ökologische Beratung zur Turmentwicklung unterstützen möchte. Die Lage an einer Streuobstwiese, umgeben von landwirtschaftlichen Nutzflächen in der Nähe der Niersauen und dem Waldbestand des Kalbecker Forstes lassen auf Fledermäuse, Turmfalken, Schleiereulen und weitere Kulturfolger als zukünftige Bewohner des Turmes hoffen. Im Rahmen des Insektenschutzes wird sicherlich auch eine Blühwiese mit Insektenhotel angelegt werden können.

Die über Jahrzehnte in den ländlichen Außenbereichen stehenden Türme sind fest im Landschaftsbild verwurzelt und werden von der Bevölkerung als Landmarke empfunden. Durch Erdverkabelung von Freileitungen und Ausbau des Netzes werden sie häufig ersetzt. Die Steigerung der dezentralen Energieerzeugung aus Sonne, Wind und Biomasse macht ein leistungsfähigeres Netz erforderlich.

SWG Netze in Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber Westnetz reagieren hierauf mit erhöhten Investitionen in das Mittel- und Niederspannungsnetz mit dem Ziel, das Netz noch leistungsfähiger und zuverlässiger für die Anforderungen der Zukunft auszubauen.

„SWG-Netze GmbH und Westnetz GmbH wünschen Familie Neu viele Unterstützer, die an der Projektentwicklung mitwirken“, heißt es in einer Mitteilung. „Turminteressierte können sich gerne an uns beziehungsweise  auch an die ,Turmtransformation’ wenden. Um das erfolgreiche innogy-Westnetzprojekt zur Nachnutzung von aufgelassenen Trafotürmen weiter unterstützen zu können, biete ich zusammen mit einigen Turmfreunden die Initiative ,www.Turmtransformation.de’ an. Hier bieten wir ehrenamtlich und mit Mandat der Westnetz Nachnutzern eine Plattform zur Dokumentation und Erfahrungsaustausch“ erläutert der altgediente Liegenschaftsprofi Michael Sonfeld abschließend.

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