Goch: Totenzettel mit Lebenslauf

Goch: Totenzettel mit Lebenslauf

Heimat- und Familienforscher schätzen Totenzettel als wertvolle Informationsquelle. In Pfalzdorf werden sie von Johannes Verhoeven gesammelt. 1800 Exemplare sind bislang zusammengekommen.

GOCH-PFALZDORF "Der Verstorbene kam 1920 aus russischer Gefangenschaft zurück, seine Frau kommt aus Winnekendonk, das Ehepaar hatte acht Kinder, eines davon ist schon gestorben", so lautet eine Bemerkung zu einem Totenzettel, der sich in der Sammlung des Vorsitzenden des Heimat- und Verschönerungsvereins Pfalzdorf, Johannes Verhoeven, befindet. Eine andere Notiz besagt: "Der Verstorbene war Goldjubilar von Alemannia Pfalzdorf, seine Frau kam aus Pfalzdorf, von den drei Kindern starben zwei ganz früh."

Viele Angaben

Verhoeven hat vor 18 Monaten mit dem Sammeln von Totenzetteln begonnen. "Ich habe ältere Leute angesprochen, und die Resonanz war sehr gut", berichtet der Vorsitzende, dessen Verein im September 50 Jahre alt wird. Eine ältere Dame wollte sich jetzt noch nicht von den Zetteln trennen, hat aber verfügt, dass der Heimatverein sie nach ihrem Tode bekommt. "Ich leite die Totenzettel an Pater Franz-Josef Urselmans aus Neukirchen-Seelscheid weiter, er wertet sie aus und fügt sie in eine Datei", erklärt Verhoeven. Mit Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort, vielen weiteren persönlichen Angaben und den genannten Bemerkungen sind alle Exemplare sorgfältig aufgeführt.

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Im Archiv des Heimatvereins befinden sich zur Zeit rund 1 800 Totenzettel mit Bezug zu Pfalzdorf, die mit allen notwendigen Informationen in dieser Datenbank erfasst sind. Es handelt sich ausschließlich um Originale. Die ältesten Exemplare stammen aus dem 19. Jahrhundert. "Sie bilden eine reiche Informationsquelle für Heimat- und Familienforscher", so der Pfalzdorfer, der einen Schuhkarton mit unbearbeiteten Totenzetteln, einen Karteikasten mit den bereits bearbeiteten Dokumenten und ein Sammelalbum mit herausragenden Exemplaren vorweisen kann. So besitzt der Heimatverein Sterbezettel der Seelsorger in Pfalzdorf, wie Dr. phil. Julius Heveling, Johannes Bruns oder Leo Deppe. Die Totenzettel der Ordensschwestern, die hier segensreich wirkten, finden ebenso Platz wie die Andenken an die Bürgermeister und Gemeindedirektoren des Ortes. Erinnerungen wecken zudem die Lebensbeschreibungen der Lehrer an der Kath. Volksschule wie Franz Ingenwepelt und Josephine Abel.

Bisher gibt es zwei Totenzettel aus dem Ersten Weltkrieg, darunter der des Schützen Johann Schoofs, aber schon 70 der insgesamt 170 Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg. Dass auch Geschichte in den Lebensläufen sichtbar wird, erkennt man am Leben von Pfarrer Julius Heveling, gestorben 1909. Wörtlich heißt es: "Er war von 1896 bis 1908 Vertreter des Kreises Cleve im preußischen Abgeordnetenhaus".

(RP)
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