Goch: Südstraße leidet unter Ostring-Baustelle

Goch : Südstraße leidet unter Ostring-Baustelle

Der Bahnübergang an der Gocher Südstraße ist berüchtigt. Gefühlte zehn Minuten lang bleibt die Schranke zu, wenn der Zug aus Geldern in Richtung Kleve durch Goch fährt.

Mit seinem Auto die Abkürzung durch das Wohngebiet zu nehmen, ist deshalb schon unter normalen Umständen keine gute Idee. Derzeit ist es umso unpraktischer und zudem für die Anlieger eine Zumutung. Denn durch die Großbaustelle am Ostring versuchen in diesen Wochen unzählige Menschen, die Sperrungen und Bedarfsampeln zu umfahren und sich Wege Richtung B 9 und Autobahn zu suchen.

Auf Facebook hat ein Anlieger seinem Ärger Luft gemacht: "Mir geht die Situation des Verkehrschaos' auf der Südstraße auf die Nerven. Es gibt kein Vor und kein Zurück mehr, und morgens um sechs Uhr findet schon ein Hupkonzert statt. Leute, so geht das nicht, nehmt Rücksicht auf andere, sonst ist es nur eine Frage der Zeit, und es wird ein Unglück geben." Unsäglich sei es, wenn Anwohner beschimpft werden, nur weil sie auf ihre Auffahrten wollten.

Das erlebt auch Georgina Wuschek, die mit ihrer Familie ganz nahe am Bahnübergang lebt und viele Geschichten über die Probleme mit Straße und Bahnübergang erzählen kann. "Es ist immer schlimm hier, viele Anlieger müssen auf der Straße parken, weil sie keine Garagen haben, und dadurch ist kein Platz für Begegnungsverkehr." Große Sorgen macht sie sich wegen der Schüler, die vor allem zum städtischen Gymnasium durch dieses Gebiet fahren. Von der Kevelaerer Straße aus über den Höster Weg, die Süd- und die Weezer Straße zum Gymnasium - das ist für viele der morgendliche Schulweg. Und dabei teilen sich die Kinder und Jugendlichen den ohnehin sehr knappen Verkehrsraum mit Autos und sogar Lastwagen.

Ein Straßenbaum wurde jetzt gekappt, um etwas mehr Platz zu schaffen - aber auch das sei nicht nur positiv, findet die Anwohnerin. "So ein Hindernis hat immerhin zur Folge, dass die Leute nicht ganz so schnell fahren können. Es ist unglaublich, wie sich manche Autofahrer hier verhalten." Auf Wuscheks Seite der Südstraße wurde im vergangenen Jahr ein rot-weißer Pfosten aufgestellt, damit Autofahrer nicht über den Bürgersteig fahren. "Das können sie hier ständig beobachten", sagt Manfred Lehmann, der ebenfalls an der Südstraße wohnt. Nicht nur einmal habe er beobachtet, wie es deshalb beinahe zur Kollision mit Fußgängern gekommen wäre. Und dass Zufahrten zugeparkt würden, sei Alltag. "Zum Glück habe ich eine Garage jenseits der Bahnlinie angemietet."

Der Bahnübergang, der zweimal in der Stunde für mehrere Minuten gesperrt ist (es heißt, die Schranke senkt sich, wenn der Zug am Bahnhof Weeze losfährt), hat in der Vergangenheit schon diverse Gespräche mit der Bahn zur Folge gehabt - ohne Ergebnis. "Jetzt wird immerhin ein gesonderter Fußgängerüberweg geschaffen, damit Spaziergänger und Radfahrer sich die Fahrbahn nicht mehr mit dem motorisierten Verkehr teilen müssen", sagt Lehmann. Die Baufahrzeuge stehen schon parat.

Einer, der das Drama jeden Morgen aus nächster Sicht mitbekommt, ist der Briefzusteller. Seinen Namen will er nicht nennen, weil er schließlich Post verteilen und nicht plaudern soll. "Es ist unsäglich hier. Wenn einer aus der Dammstraße, die eigentlich Vorfahrt hätte, raus will, kann er das morgens und auch am Nachmittag vergessen. Jeder will so schnell wie möglich übers Gleis und bloß nicht an der Schranke warten. Manchmal setzen sich die Leute gegenseitig total zu, keiner kommt mehr von der Stelle. Das reinste Chaos."

Um die Sperrungen und Bedarfsampeln durch die Gocher Großbaustelle zu vermeiden, suchen sich viele Autofahrer Schleichwege. Beliebte "Abkürzung": über den Höster Weg durch die Südstraße. Bahnübergang vergrößert Problem.

(RP)