Stringtime Goch feiert 25. Geburtstag

Streicher-Akademie : Ein Vierteljahrhundert Stringtime

1289 Jungen und Mädchen haben in 25 Jahren an der Nachwuchsakademie für junge Streicher teilgenommen. Vom 12. bis zum 21. April werden die Akteure aus Polen, den Niederlanden und Deutschland wieder Musik nach Goch bringen.

Dieses Ereignis hat es verdient, gleich als doppeltes Jubiläum begangen zu werden: In diesem Jahr jährt sich zum 25. Mal die Idee, in Goch eine Streicherakademie für talentierte junge Musiker zu organisieren. Tatsächlich durchgeführt wird der Workshop zum 25. Mal allerdings erst im Jahr 2020, denn einmal musste er ausfallen. In dem Jahr als „Mr. Stringtime“, Helmut Lintzen, der fühere Gocher Kulturamtsleiter, starb, sahen sich seine Kollegen weder emotional noch praktisch imstande, die Veranstaltung zu stemmen. „Das war ja noch vor der Digitalisierung. Ganz viel Wichtiges war nur in Helmut Lintzens Kopf gespeichert, da hatten wir einiges nachzuarbeiten“, sagt Stephan Mann, heutiger Leiter der Kultourbühne. Vom 12. bis zum 21. April kommen auch in diesem Jahr wieder 45 Kinder aus Polen, den Niederlanden und aus Deutschland im Kastell zusammen, um dort miteinander zu arbeiten und an verschiedenen anderen Orten Konzerte zu geben.

Die „Stringtime Niederrhein“ ist ganz schnell zum Markenprodukt geworden. Gotthard Popp von der Musikakademie Düsseldorf erfährt regelmäßig, wie gut sich frühere Teilnehmer entwickeln; gegenseitig folgen sich die jungen Musiker in sozialen Netzwerken. „In mancher musikalischen Biographie taucht die Mitwirkung bei der Stringtime auf. So tragen unsere Streicher den Namen Ihrer Stadt in die ganze Welt“, sagt Popp. Hinzu kommen persönliche Verbindungen, die in manchen Fällen zu echten Freundschaften führen, und es gibt auch eine politische Dimension. „Sie müssen bedenken: In den ersten Jahren der Stringtime gehörte Polen noch nicht einmal der EU an. Da hatten Grenzen andere Bedeutung. Und auch heute noch spielt die Idee der Völkerverständigung eine wichtige Rolle“, betont Mann.

Ein wenig „anders“ sind die polnischen Akteure noch heute – weil sie meist Musikinternate besuchen, sehr ehrgeizig sind, einigen Druck von Eltern und Lehrern aushalten müssen. In Goch dabei zu sein, ist für viele höchst reizvoll – die wenigen Plätze sind hart umkämpft. Auch die Eltern der Kinder und Jugendlichen wissen das Angebot zu schätzen. Weil in Gastfamilien übernachtet wird, fallen keine nennenswerten Kosten an. Und die Akademie hat dadurch einen sehr persönlichen Anstrich. Ute Wagner als Vertreterin der Gasteltern sprach von der schönen Verbindung, die oft für Jahre hält. Und erzählte von polnischen Kindern, die nach einem Tag voller Musik nach dem Abendbrot einfach weiter üben. Wobei das gemeinsame Pizza backen, Karten spielen, Englisch sprechen natürlich auch dazu gehört. Und funktioniert.

Das Kalkarer Klavierhaus Neinhuis stellt mehrere Flügel zur Verfügung, auf denen die Dozenten die Kammerorchester begleiten. Die Dozenten kommen aus Kattowitz, Warschau, Den Haag und Düsseldorf, alle Meister ihres Fachs. Unterstützer sind der Kulturraum Niederrhein und der Rotary Club Kleve, aus Goch helfen Volksbank und Stadtwerke bei der Finanzierung. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei; zu einigen müssen sich Interessierte Zugangskarten bei der KulTourbühne besorgen. Frei zugänglich sind auch die Proben und öffentlichen Vorspiele.

Das Eröffnungskonzert ist am Samstag, 13. April, um 17 Uhr mit Werken von (unter anderem) Bach und Borodin, das Finale Ostersonntag um 16 Uhr würdigt Stamitz, Gade und Bruch. Weitere Termine im Info-Kasten.

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