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Goch: "Start in Arbeit" soll Flüchtlingen helfen

Goch : "Start in Arbeit" soll Flüchtlingen helfen

Beim Runden Tisch Flüchtlinge, der sich dienstags in Goch trifft, hat sich eine neue Gruppe gebildet. Die Ehrenamtler helfen dem "Integration Point", Formulare auszufüllen, und wollen Migranten auf Jobsuche "an die Hand nehmen".

Winfried Hein hat die wichtigste Voraussetzung für diesen "Job": Geduld. Er ist einer von mehreren Gocher Männern und Frauen, die zu einer neuen Gruppe des Runden Tisches Flüchtlinge gehören, die es sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst viele der meist jungen Leute auf dem Weg in eine Beschäftigung zu begleiten. "Start in Arbeit" heißt das Projekt. Hein und seine Mitstreiter füllen gemeinsam mit den Flüchtlingen Fragebögen aus, die dem Job-Center ein erstes Bild des Jobsuchenden vermitteln sollen. Was schwierig ist, weil auch beim Formular-Ausfüllen genau das fehlt, was meist auch das größte Einstellungshemmnis darstellt: ausreichende Deutschkenntnisse.

Mujahid, 22 Jahre alt, sitzt neben Winfried Hein am Tisch im Untergeschoss des evangelisch-freikirchlichen Gemeindehauses an der Mühlenstraße. Der junge Mann kommt aus Afghanistan und würde gerne Automechaniker werden. Das erfährt der Ehrenamtler von Bilel, der erst knapp 18 ist, aber seit einem Jahr Deutsch lernt. Bilel besucht das Berufskolleg, macht ein Praktikum beim Hagebau und bewährt sich als Übersetzer. Denn auch Englisch können Afghanen eher nicht, und Türkisch oder Pakistanisch, was der 22-Jährige als Kommunikationshilfe vorschlägt, ist den Deutschen fremd.

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Auch Claudia Gruber hat das Formular vor sich, das bei der Integration nutzen soll. Sie erfährt von Silab, dass er 24 Jahre alt ist, neun Jahre lang die Schule besuchte und Traktor gefahren ist. Was er sich jetzt vorstellt, ist nicht aus ihm heraus zu bekommen. Er hat noch keine Idee und weiß, dass er einen langen Weg vor sich hat. So wie Zakaria, 33-jähriger Schneider, der sich einen neuen Beruf wünscht, aber erkannt hat, dass sich seine Sprachkenntnisse noch verbessern müssen. Dabei ist er mit dem VHS-Kursus "A 2" bald fertig und will als Fortgeschrittener dann mit "B 1" weitermachen.

Stephanie Finkler, seit anderthalb Jahren am Runden Tisch aktiv, hat gemeinsam mit Wilhelm Wehren die neue Gruppe gegründet. Sie hat als interkulturelle Trainerin, die selbst lange im Ausland gelebt hat, einen anderen Blick auf die Thematik als der ehemalige Chef des Landwirtschaftszentrums Haus Riswick in Kleve.

Oder als Tony Badavo, der vor 40 Jahren aus Nigeria nach Goch kam und nach Jahrzehnten in Köln als Rentner zurück nach Goch kehrte. Er spricht genau so wenig Arabisch oder Pakistanisch wie die anderen Helfer, macht sich aber ebenso nützlich. "Ich fahre die Leute mal zum Arzt, erkundige mich nach Praktikumsplätzen, spiele im Begegnungscafé Gesellschaftsspiele", erzählt er.

Als Badavo als Student nach Hamburg kam, sprach er wie die heutigen Migranten kein Wort Deutsch. "Aber es war richtig, dass die Familie, bei der ich lebte, mit mir nur Deutsch sprach. Anders klappt das mit dem Lernen nicht", so der Wahl-Gocher.

Die Ehrenamtler wissen, dass ihre Unterstützung nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für den "Integration Point" bei der Arbeitsagentur wichtig ist, denn die Mitarbeiter dort bewältigen die Fülle der Anträge nicht so schnell, wie das wünschenswert wäre. Arbeiten dürfen anerkannte Asylbewerber, solche mit einer Gestattung, unter Umständen auch geduldete Flüchtlinge. Wer aus einem sogenannten sicheren Herkunftsland kommt und in einer Aufnahmeeinrichtung wohnt (und mit Abschiebung rechnen muss), darf es hingegen nicht.

"Viele dieser Leute sind dankbar, wenn sie durch ein Praktikum oder einen Job wieder einen geregelten Tagesablauf bekommen. Auch eine Einstiegsqualifizierung ohne Lohn wird meist akzeptiert", berichtet Fiedler. Arbeitgeber aus den Bereichen Kfz, Elektrik, GaLa haben Flüchtlinge schon eingestellt oder sie in Ausbildung übernommen, selbst ein Biochemie-Unternehmen fand schon jemanden, der ins Team passt. "Wir wünschen uns noch mehr Ehrenamtler, die die Flüchtlinge an die Hand nehmen, sich nach Praktikumsplätzen erkundigen, bei Bewerbungen helfen oder zum Vorstellungsgespräch begleiten", sagt Finkler.

(RP)