Goch: Stadtbücherei wieder geöffnet

Goch : Stadtbücherei wieder geöffnet

Die Stadtbücherei hatte an ihrem neuen Standort an der Pfalzdorfer Straße zum Büchereifest geladen. Viele waren gekommen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Am Mittwoch geht der normale Betrieb los.

Wieder einmal die Männer. Oder besser gesagt: immer noch die Männer. Sie sind, ganz unabhängig vom Alter, nach wie vor diejenigen, die sich am seltensten in der Bücherei sehen lassen. Am vierköpfigen — und übrigens ausnahmslos weiblichen — Büchereiteam liegt es jedenfalls nicht, soviel steht fest.

Auch die jüngsten Besucher kamen voll auf ihre Kosten. Für sie gab es bunte, lustig verknotete Luftballons. Foto: Stade, Klaus-Dieter

Doch vielleicht ist den Verantwortlichen des nun abgeschlossenen Umzugs aus Versehen bei der Planung ein Geniestreich gelungen. Denn wo, wenn nicht in einem ehemaligen Autohaus sollten sich Männer für Bücher interessieren? Und sei es nur für die Folge 53 der berühmten Kindersachbuchreihe "Was ist was". In "Das Auto" gibt es 100 Jahre Autogeschichte auf gut 50 Seiten. Über das einstige Autohaus an der Pfalzdorfer Straße, das seit dem vergangenen Wochenende an auch offiziell als neuer Standort der Stadtbücherei gilt, steht in Ausgabe 53 zwar nichts, doch die Männer dürfen künftig trotzdem gern herkommen.

Einen ersten Vorgeschmack, wie sich die städtische Bücherei an der neuen Adresse anfühlt, bekamen die Besucher am Samstag. Museum und Büchereimitarbeiter hatten ein Büchereifest organisiert, um den Gochern das Schnuppern zu erleichtern. Nach dem ganzen Sortieren, Einpacken, Transportieren, Auspacken und wieder Einräumen für das Büchereiteam Ende und Anfang zugleich. "Wir sind froh, dass die Schlepperei nun vorbei ist und wir alles geschafft haben. Nach dem langen Wochenende geht es am Mittwoch wieder mit dem normalen Betrieb los", sagte Michaela Koprek.

Die Leiterin machte gar keinen Hehl daraus, dass sie sich am Anfang mit dem Gedanken aus dem Stadtzentrum herauszugehen erst anfreunden musste. Doch inzwischen gefällt es ihr hinter den großen Glasfronten. Der nostalgische Charme des alten Tertiarinnenklosters wurde getauscht gegen Pragmatismus und Ebenerdigkeit. Gerade letzteres sei für alle von Vorteil. Die Übergänge zwischen den Themen seien fließend und so verirrten sich beispielsweise die Jugendlichen ganz unbemerkt in der Romanabteilung, obwohl sie eben noch inmitten von Kinderbüchern standen. In wenigen Schritten von der Fantasy zur Novelle, von Stephenie Meyer zu Stefan Zweig.

Durch die übernommene Architektur gibt es nun eigene Büros für die Anmeldeformalitäten, ein Lager, Computerstationen mit Tür, einen großzügigen Lesebereich und viele versteckte Sitzgelegenheiten (für Kinder in riesigen Sitzsäcken, sonst auf bequemen Sofas). Dass das alles beim lesehungrigen Kunden ankommt, zeigte sich bereits Samstag. Während in der Nachbarhalle junge Bücherwürmer mit Farbe an den Händen die Glasfronten verschönerten — moderne Höhlenmalerei —, versuchten sich andere nebenan beim Glücksrad oder suchten sich schon die nächste Lektüre aus. So war das Büchereifest ein gelungener Probelauf für die Veranstaltungen, die da noch kommen. Ob es die ohnehin regelmäßig stattfindenden Events sind, oder das nächste große in diesem Jahr: schließlich wird die Stadtbücherei 2012 40 Jahre alt.

Internet Weitere Artikel zur Stadtbücherei unter www.rp-online.de/goch.

(RP/jco)
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