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SPD und FDP wollen Wirtschaftsförderung in Goch in eine GmbH auslagern

Lokale Wirtschaft : Wirtschaft mit einer Gesellschaft fördern

Eine ungewöhnliche Koalition: SPD und FDP fordern in einem gemeinsamen Antrag die Umstrukturierung der Wirtschaftsförderung in der Stadt Goch. Es soll so schnell wie möglich eine GmbH gegründet werden.

Es ist kein Thema, mit dem man bei den Menschen Emotionen wecken kann, aber es ist ein wichtiges Thema für die Stadtentwicklung. Gerade in diesen Zeiten, verstärkt durch die Corona-Pandemie, nehme die Notwendigkeit, sich in der Wirtschaftsförderung anders aufzustellen, zu. Das meinen zumindest Klaus-Dieter Nikutowski und Ferdinand Heinemann. Die beiden Fraktionsvorsitzenden der Gocher SPD und FDP haben sich zusammen getan und einen gemeinsamen Antrag gestellt. In dem fünfseitigen Schreiben, das der Redaktion vorliegt, fordern sie die Neuausrichtung und Neustrukturierung der Wirtschaftsförderung Goch durch die Gründung einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft mit beschränkter Haftung – eine sogenannte GmbH. Falls der Rat beziehungsweise in der Corona-Pandemie der Haupt- und Finanzausschuss am 28. Mai dem zustimmen würde, wäre die Wirtschaftsförderung nach den Stadtwerken und den Wirtschaftsbetrieben die dritte Gesellschaft im Konzern Stadt Goch.

Ein gemeinsamer Antrag von SPD und FDP – das ist ungewöhnlich. „In der heutigen Zeit“, entgegnet Nikutowski. Er sei in einer Zeit groß geworden, als es auf Bundesebene noch sozialliberale Koalitionen gab – Willy Brandt und Walter Scheel im Jahr 1969 zum Beispiel oder Helmut Schmidt und Hans-Dietrich Genscher (1974). Für den SPD-Mann war es also kein Problem, als Heinemann ihn Ende vergangenen Jahres zu diesem Thema angesprochen hatte. Zumal es in der Haushaltsrede des SPD-Fraktionsvorsitzenden zu großen Teilen eben um jene Wirtschaftsförderung ging. Heinemann von der FDP sagt dazu: „Wir haben das Thema schon länger auf unserer Agenda, haben dazu auch die CDU angesprochen, doch die Gespräche verliefen im Sande.“

Klaus-Dieter Nikutowski (SPD, l.) und Ferdinand Heinemann (FDP) fordern in einem gemeinsamen Antrag die Neustrukturierung der Wirtschaftsförderung in Goch. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Jetzt also das Bündnis von SPD und FDP für eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Übrigens keine Gocher Spezialität, auch wenn das viele meinen werden. So gibt es auch in Kleve und Emmerich entsprechende Gesellschaften. Die Vorteile einer Gesellschaft liegen laut Heinemann auf der Hand: „Der Geschäftsführer, der im Rahmen einer Ausschreibung gesucht und eingestellt werden soll, hätte einen klaren Auftrag und ein eigenes Budget und könnte viel freier agieren als unter der Federführung des Bürgermeisters.“ Das sieht Hans-Josef Kuypers, Wirtschaftsförderer des Kreises Kleve, ähnlich. Er selbst habe 18 Jahre lang als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kevelaer gearbeitet und halte diese Form eine Stadt voranzutreiben, für eine gute Lösung.

Ferdinand Heinemann (FDP). Foto: Evers, Gottfried (eve)

Nikutowski und Heinemann betonen beide, dass es sich bei der geplanten Umstrukturierung der Gocher Wirtschaftsförderung nicht um eine Attacke gegen die bisherigen, dort handelnden Personen handelt. „Sehr wohl aber gegen Inhalt, Struktur und Erfolg dieser, für das Wohl unserer Stadt, so wichtigen Instutution.“ Und deshalb wollen beide auch Tempo bei diesem Thema machen. So soll unmittelbar nach der Annahme des Antrages ein Gutachten in Auftrag gegeben werden. Der neue Geschäftsführer könnte sich nach Meinung der SPD und FDP mit folgenden Themen beschäftigen: die Unternehmensansiedlungen, die Bestandspflege, zentraler Ansprechpartner, die Netzwerkpflege, Abruf von Fördermitteln, die Entwicklung und Vermittlung von Gewerbe- und Industrieflächen und das Standortmarketing.