SPD Uedem vergibt Uedemer Leisten an Erika Aye von der Kleiderkammer

Auszeichnung : Uedemer Leisten für Erika Aye

Für 20 Jahre ehrenamtliche Arbeit in der Kleiderkammer zeichnete die SPD die Uedemerin aus. Der Preisträgerin ist wichtig, dass ihr ganzes Team damit geehrt wird.

Es ist ihre Bescheidenheit, die dem SPD-Ortsverein Uedem in diesem Jahr die Verleihung seines „Uedemer Leisten“ etwas kompliziert gemacht hat. Denn als Erika Aye im November den Anruf der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, Christa Janssen, bekam und erfuhr, dass sie für ihren ehrenamtlichen Einsatz in der Uedemer Kleiderkammer die Auszeichnung bekommen sollte, sagte sie sofort: „Nein, das will ich nicht!“ Erst als man ihr versichert habe, dass die Ehrung auch dem ganzen Helfer-Team gelte, stimmte sie zu.

So erhielt sie beim Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins in der Hohen Mühle den „Uedemer Leisten 2019 für ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde“. Ein „hartes Stück Arbeit“ sei es gewesen, die Preisträgerin zu überzeugen, dass sie die Richtige für diese Auszeichnung sei, formulierte es Christa Janssen in ihrer Laudatio. Ausführlich beschrieb sie die Gründung der Uedemer Kleiderkammer durch die erste Leiterin Hanni Lehmkuhl im Jahre 1990 zusammen mit Frauen aus Uedem, Keppeln und Uedemerbruch. Eine Flüchtlingswelle aus dem damaligen Jugoslawien hatte die Einrichtung, bedürftige Menschen mit Kleidung zu versorgen, notwendig gemacht.

Heute arbeiten neben Erika Aye dort Sabine Tofahrn, Brigitte Imig, Justina Klisz, Gerda Fidomski, Mitz van Afferden und Marlis Loefs. „Nur als Team können wir die Arbeit bewältigen“, sagt die Preisträgerin, und es ist ihr wichtig, zu betonen, dass die Auszeichnung eine „Wertschätzung unseres Kellers und aller Helfer“ sei.

Die Kleiderkammer befindet sich im Keller des Jugendzentrums Focus an der Keppelner Straße. An jedem ersten Dienstag im Monat können dort zwischen 14 und 16 Uhr gebrauchte Kleidung und andere Haushaltsgegenstände wie Geschirr, Gläser, Töpfe, Spielzeug und Bücher abgegeben werden. Sie werden von den Helferinnen sortiert und übersichtlich präsentiert. Zusätzlich beliefert die Kleiderkammer die Bodelschwinghsche Stiftung Bethel und Kolping-Gruppen.

Erika Aye wurde in Husum geboren. Vor 40 Jahren kam sie mit ihrem Mann nach Uedem, der hier eine Arbeitsstelle fand. Nach dem frühen Tod ihres Ehemannes arbeitete sie in der Altenpflege. „Ich finde, ältere Menschen haben oft spannende Geschichten. Ich habe die Arbeit gerne gemacht“, sagt sie. So kam sie auch mit der Caritas in Kontakt. „Ich lernte immer mehr ehrenamtlich tätige Frauen in Uedem kennen und wir gestalteten zusammen Nachmittage für die Bewohner des Altenheims“, erzählt Aye. Irgendwann sei sie zum „Keller“ gekommen und habe mitgeholfen.

Mit den Flüchtlingen komme sie immer gut zurecht. „Erst haben wir uns mit Händen und Füßen verständigt. Alle sind immer super nett“, resümiert sie ihre Erfahrungen. Ihr Grundsatz sei immer: Die Würde des Menschen ist unantastbar. „Wir sollten alle versuchen, in Frieden und gegenseitigem Respekt zu leben“, lautet ihre Lebensregel. Schon in ihrer Kindheit in Husum habe sie erlebt, dass gegenseitige Hilfe zum alltäglichen Leben gehört: Ihre Eltern hatten in den Nachkriegsjahren Geflüchteten Zimmer in ihrer Wohnung zur Verfügung gestellt.

Aye hat drei erwachsene Töchter, die in Aachen, Köln und Berlin leben. Sie kennen die Mutter nicht anders als helfend. „Die sind es gewohnt, dass die Leute ihre Kleidersäcke auch zu mir nach Hause bringen.“ Und die elfjährige Enkelin bringe ihr oftmals Sachen, die sie nicht mehr braucht, mit den Worten: „Oma, ich hab’ was für euren Keller.“

Neben ihrem Einsatz für die Kleiderkammer leistet sie auch organisatorische Arbeit für die Frauenhilfe der evangelischen Gemeinde und das Café der Begegnung Arche. Trotz alledem findet die Preisträgerin Zeit für sich selbst. Sie entspannt bei Radtouren im Fahrradclub, beim Walken und während der Gartenarbeit. Wenn sie auch eine „Wahlniederrheinerin“ geworden ist, fährt sie gerne in ihre Heimat an der Küste. Die Verleihung des Leisten, der aus einem echten Schuster-Leisten aus Holz besteht, sei aufregend gewesen: „Er erinnert mich an meinen Großvater, der Schuster war.“

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