Frühlingszeit ist Spargelzeit: Spargelernte beginnt in sieben Tagen

Frühlingszeit ist Spargelzeit: Spargelernte beginnt in sieben Tagen

Zwei Wochen früher als üblich wird der erste Spargel am Niederrhein gestochen. Der frühe Start freut besonders die Bauern, die so über einen längeren Zeitraum mehr Spargel zu stabilen Preisen auf den Markt bringen können.

Bei Jann-Henn Poen herrscht Goldgräberstimmung. Er hat auf seinem zwölf Hektar großen Spargelfeld bloß mal an der Erdoberfläche geschabt, und schon strecken die weißen Stangen ihre Köpfchen heraus. "Die trauen sich noch nicht so recht ans Licht. Aber wenn die Sonne jetzt weiter so strahlt, können wir in sieben Tagen mit der Spargelernte beginnen", erklärt der Landwirt aus Uedem. Denn jeder Tag, an dem die weißen Stangen früher aus der Erde sprießen, ist bares Geld für die Bauern.

Damit beginnt die begehrte Spargelsaison dank des sonnigen Wetters in diesem Jahr gut zwei Wochen früher als üblich. "Die Natur ist wirklich super drauf in diesem Jahr", freut sich Poen und ergänzt: "Und die Kunden werden in zwei Wochen auch schon Spargel zu erschwinglichen Preisen genießen können." Schon jetzt hat der Landwirt von zahlreichen Restaurants Anfragen für das Oster-Menü. "Im vergangenen Jahr konnten wir um diese Zeit noch keinen heimischen Spargel bieten — dieses Jahr ist das Osteressen gerettet."

Wenn der Frühling sich weiterhin von seiner sonnigen Seite zeigt, rechnet Poen in diesen Tagen mit einem Wachstum der Stangen von bis zu zwei Zentimetern pro Tag. Nur nass und kalt hat es der Spargel nicht gerne. "Aber die Voraussetzungen sind gut — wenn es so weiter geht mit dem Wetter, können wir schon bald bis zu 100 Kilogramm täglich ernten", erklärt Poen. Ganz im Gegensatz zur Spargelsaison vor einem Jahr: 2013 kam die Ernte erst Anfang Mai richtig in Fahrt. Die Ernteverluste des vergangenen Jahres werden auf bis zu 15 Prozent geschätzt. Wegen der Temperaturunterschiede beginnt die Ernte aber auch in diesem Jahr nicht überall in NRW gleichzeitig. In den acht Anbaugebieten bearbeiten etwa 430 Spargelbauern gut 4000 Hektar. Der Spargel von geheizten Feldern ist als erster erntefertig; das Gemüse wächst in Dämmen, die durch Kraftwerkabwärme geheizt werden. Die übrigen Spargelbetriebe, die über den Dämmen Folien ausgebreitet haben, müssen für den raschen Saisonstart auf weiterhin gutes Wetter hoffen.

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Jann-Henn Poen dürfte jedoch zu den ersten Spargelbauern gehören, die die begehrten Stangen auf dem Feld stechen — auch wenn er nicht mit einer Heizanlage nachgeholfen hat. "Wir haben zum einen sandigen Boden, der die Wärme gut speichert, und zum anderen decken wir alles gut ab", erklärt der Landwirt. Denn die Wärme an der Wurzel ist für das Wachstum der edlen Pflanzen entscheidend: Ab elf Grad tut sich was im Boden.

Die Spargelbauern in der Region setzen dabei auf unterschiedliche Anbauverfahren. Eine gängige Methode sind Thermofolien, wie sie auch Poen verwendet. Durchsichtige Folien werden benutzt, um den Erntebeginn zu steuern oder zu verfrühen. Aber auch der Anbau im Treibhaus oder unter Mini-Tunneln, die ebenfalls einen Treibhauseffekt erzeugen, ist verbreitet. Bei viel Sonnenschein kann der Spargel so etwa 0,75 Zentimeter pro Stunde wachsen. In Baden-Württemberg und Niedersachsen haben die Bauern bereits den ersten Spargel gestochen. Allerdings fällt die Ausbeute bisher gering aus — und mit rund 17 bis 19 Euro pro Kilo werden zudem echte Liebhaberpreise gefordert. Für den Einzelhändler bleibt da kaum Spielraum für die eigene Handelsspanne — eher geht es darum, das Geschäft anzuschieben, dem Verbraucher Lust zu machen auf das Gemüse. Bis zum Ende der Saison, traditionell festgemacht am Johannis-Tag (29\. Juni), werden nun dank des frühen Starts in die Saison jedoch stabile Preise erwartet.

(RP)