Goch: So war's: Ein Buch voll Gocher Geschichten

Goch : So war's: Ein Buch voll Gocher Geschichten

Franz van Well (67) hat seine Kindheits- und Jugenderinnerungen aufgeschrieben. Herausgekommen ist ein Stück Zeitgeschichte, in der sich alle wiederfinden, die in der Weberstadt aufgewachsen sind.

Angefangen hat alles mit dem 60. Geburtstag von Franz van Well. "Ich hab' mir überlegt, was ich den Leuten sagen soll. Mein Lebenslauf erschien mir am runden Geburtstag irgendwie zu langweilig", erinnert sich van Well. So kam der mittlerweile 67-Jährige dazu, erste Erinnerungen an die Kindheits- und Jugendzeit aufzuschreiben. Und das kam so gut an, dass die Gocher später sogar mehrfach ins ausverkaufte Goli kommen sollten, um ihm und seinen Geschichten zu lauschen. "Am Anfang war ich noch schweißgebadet. Irgendwann hat es aber richtig Spaß gemacht", erinnert er sich. Im Heimatverein habe er dann "wunderbare Förderer" für den nächsten Schritt gefunden. Und den hält van Well jetzt in seinen Händen. "So war's" — ein 56 Seiten dickes Büchlein, reich illustriert, voller Erinnerungen des Gochers. "Das sind 60 Jahre erlebte Geschichte und damit auch ein Stück Stadtgeschichte", meint van Well.

Und so ist das Werk auch weniger eine akkurate Chronik, die Wert auf Vollständigkeit und historische Präzision legt, als viel mehr eine Sammlung von Anekdoten und Zoten, in denen sich jeder wiederfinden kann, der in den vergangenen Jahrzehnten in der Weberstadt aufgewachsen ist. "Natürlich habe ich mich gefragt: Warum interessieren sich die Menschen überhaupt dafür?", erzählt van Well. Für ihn gibt es eine einfach Erklärung: "Das sind Ereignisse, die bereits viele Jahre zurückliegen, an die sich eine ganze Reihe Gocher aber noch erinnern", sagt er.

Geschichten wie von den Milchbars, die so ganz anders aussahen, als alle bisherigen Kneipen in der Stadt. Geschichten von der Raupe auf der Kirmes, in der man nur wenige Sekunden Zeit hatte, um der Verehrten einen Kuss aufzudrücken. "Wenn man ein Moped hatte, dann war man bei den Frauen hoch im Kurs. Das war ein richtiges Status-Symbol", erinnert er sich. Einzig ein Problem stellte sich für den Autor: "Ich hatte bloß ein klappriges Fahrrad. Damit waren meine Chancen bei den Mädchen gleich null."

Wie sah es aus, als das Plumpsklo geleert werden musste und wo bekam man den Schnaps für Vaters Flachmann her? Mit Witz und vielen kleinen Details lässt van Well das Goch der Nachkriegszeit lebendig werden. Dabei helfen ihm auch die vielen kleinen und großen Bilder, die nahezu jede Seite dekorieren. Sie zeigen die St.-Georg-Schule, an der sich die Kinder zur Schulspeisung aufstellen sollten. Sie zeigen, was auf der Straße los war, wenn der Milchmann vorgefahren kam. Sie zeigen den früheren Stadtgraben, von den Einheimischen oft "Städtser" genannt, den es als Kind galt, besonders wagemutig zu überspringen. "Wir sind in der Nachkriegszeit in Goch ja praktisch in freier Wildbahn aufgewachsen", meint van Well.

Sechs Jahre lang hat der Autor — mal mehr, mal weniger intensiv — an seinem Werk gearbeitet. "Im Laufe der Zeit wurden die Aufzeichnungen nach und nach ergänzt", sagt van Well. Nicht durch spektakuläre, sondern durch alltägliche Erlebnisse. "Die Zeit meiner Kindheit und Jugend war schlicht, aber großartig und voller Überraschungen", erinnert sich der 67-Jährige.

Das Buch ist im pagina-Verlag erschienen (ISBN 978-3-944146-30-0) und zum Preis von 7,50 Euro erhältlich. In Goch führen es unter anderem die Buchhandlungen Völcker und Fingerhut am Markt. Für den Heimatverein, der dem Autor während der kompletten Schaffenszeit zur Seite stand, war es auch ein Stück weit Ehrensache, das Projekt zu unterstützen. "Schließlich handelt es sich um ein Stück Geschichte, das es zu konservieren gilt", sagt Willi Vaegs.

(lukra)
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