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Serie Taufsteine: Der romanische Taufstein von Wissel

Wissel : Taufstein – ein Kunstwerk in Wissel

Die Bedeutung der Taufe kommt im Aufbau und in der Ornamentik des schweren romanischen Taufsteins symbolhaft zum Ausdruck.

 Der romanische Taufstein in der Kirche St. Clemens gehört zu den ältesten und schönsten Kunstwerken in der Wisseler Kirche. Der Taufstein gehört wie das Kirchengebäude der Mitte des 12. Jahrhunderts an. Das Material ist harter, gelber Sandstein aus Bentheim. Eine Anzahl ähnlicher Taufsteine bilden den so genannten Bentheimer Typus, dem auch ein Taufstein im Erzbischöflichen Museum in Utrecht angehört. Ein flaches, zylindrisches Becken ruht auf einem kurzen Rundpfeiler über einer zur Mitte ansteigenden quadratischen Fußplatte. Vier übereck angeordnete Löwen mit über ihre Rücken gelegten Schwänze und nach außen gerichteten Köpfen helfen, das Becken zu tragen. Sie lehnen sich an den Pfeiler an und stützen den Ringwulst mit oberer Schräge, die das Rund des Beckens aufnimmt. Der flächige, ornamentale Schmuck mit Resten der ursprünglichen farbigen Fassung ist in zwei Zonen gegliedert.

Die untere wird gebildet aus gebündelten, stilisierten Palmblättern, viermal unterbrochen durch je zwei kleine (Kinder?) Köpfe, darüber zwei gegenläufige Seilstäbe. Die ursprüngliche Bedeutung der Taufe kommt im Aufbau und in der Ornamentik dieser frühen Taufsteine symbolhaft zum Ausdruck. So wird hier das Gefäß mit dem geweihten Wasser durch die beiden Seile von den der Erde angehörigen Dämonen des Bösen abgegrenzt. Die obere Zone trägt einen Fries in Form einer in Bögen verlaufenden Weinranke, als Abschluss wieder zwei Seilstäbe. Der Verlust des oberen Stabes wurde durch einen entsprechend ausgebildeten Rand aus Bronze, der das Auflager des Deckels bildet, ausgeglichen (1988).

Der rührige Pfarrer Smits, von 1819 bis 1851 Seelsorger  von St. Clemens, wird seine liebe Not mit dem Erhalt des Taufsteines gehabt haben. In einem nicht näher datierten Gutachten heißt es: „Der Taufstein ist 87 cm hoch. Es handelt sich bei dem zu restaurierenden Objekt um einen romanischen Taufstein im Bentheimer Typ. Der Taufstein besteht aus einem runden Becken und einem quadratischen Sockel. Das Becken, das sich nach unten leicht verjüngt, wird von zwei ornamental gestalteten Bändern, die durch zwei geriffelte Rundstäbe getrennt werden, geziert. Das obere Band zeigt eine Ranke, wechselnd zwischen Traube und Palmettenblatt. Das untere Band zeigt einen einfachen Palmettenfries, der durch vier tiefer liegende Füllungen in vier gleichnamige Teile getrennt wird. Auf jeder Füllung befinden sich zwei Köpfe. Dieses Becken wird von vier roh gearbeiteten Tieren, die sich auf den Ecken der quadratischen Sockelplatte befinden, getragen. Ein Ring verbindet die Köpfe der Tiere. Der Taufstein ist in einer stumpfen grau-grünen Ölfarbe gestrichen. Die Blätter des oberen Bandes sind in einem dunkleren Grün abgesetzt. Die Farbe ist an vielen Stellen abgeplatzt. Auch zeigen sich, besonders an der oberen Kante des Taufsteines Stoßschäden. Teilweise wurden diese, sowie noch vorhandene Risse, mit einem sehr harten Putz ergänzt und ausgebessert. Untersuchungen auf eine ältere Fassung ergaben, dass nur noch vereinzelte Farbpartikel gefunden werden konnten, über deren Zusammengehörigkeit und Umfang erst die vollständige Freilegung Aufschluss geben kann. Erst dann wird sich auch herausstellen, ob es sich bei diesen Resten um die ursprüngliche Fassung handelt. Ich empfehle daher eine sorgfältige Entfernung der jetzt sichtbaren Fassung auf chemischem und auf mechanischem Wege.

Sollte sich nach dieser Arbeit herausstellen, ob es sich bei den Farbresten um die ursprüngliche Fassung handelt, so sind mit dem Auftraggeber und der Denkmalpflege die weiteren Arbeiten zu vereinbaren.“ Der Taufstein stand bis 1962 im südlichen Querhaus und wurde dann unter Pfarrer Joseph Bausch im letzten Joch des westlichen Seitenschiffs verstellt. In dieser Zeit wurde auch der schwer beschädigte zylinderförmige Deckel durch einen flachen Kupferdeckel ersetzt. Der Entwurf und die Ausführung erfolgten durch Alfred Sabisch aus Kalkar.