Goch: Schüler proben Berufsleben im Museum

Goch : Schüler proben Berufsleben im Museum

Zum Tag der Praktikanten hatte das Museum mit Bregje van der Stroom und Luca Üffing zwei Helfer.

Sie fegen den Hof, heften Akten ab, kochen Kaffee. Am letzten Tag bringen sie möglichst Kuchen mit - so ähnlich sieht das Praktikantendasein aus. Oder zumindest ist das die landläufige Einschätzung. Klingt nicht besonders attraktiv, dennoch sehen heute alle Schulformen Praktika für die Jugendlichen vor. Und fast immer gehört die eine oder andere un- oder kaum bezahlte Testphase an den Beginn des Berufslebens. Gestern war "Tag der Praktikanten", ausgerufen von einer Online-Job-Börse für junge Leute.

Bregje van der Stroom besucht die elfte Klasse der Gesamtschule Mittelkreis in Goch. Für sie ist der zweiwöchige Aufenthalt im Museum bereits das zweite Praktikum, denn an der Realschule, die sie vorher besuchte, gab es in Klasse neun schon ein Praktikum. Diesmal hat ihre Entscheidung schon mehr mit Berufsfindung zu tun, erzählt sie - zwei Jahre vor dem Abitur muss man sich intensiv umsehen.

Davon ist Luca Üffing noch eine Weile entfernt. Der 13-Jährige geht zur Leni-Valk-Realschule Goch und hatte wie alle dortigen Achtklässler den Auftrag, sich für drei einzelne Tage drei Einsatzbereiche auszugucken. Einen der "Schnuppertage" bestreitet er im Museum, die zweite neue Erfahrung wird er bei einem Optiker machen, Nummer drei wird vermutlich ein Autohaus sein, bei dem schon sein Bruder arbeitet. Luca hat sich bei der Auswahl nicht zuletzt an Adressaten gewandt, die seine Eltern oder Geschwister kennen. "Aufs Museum bin ich gekommen, weil ich mich für Geschichte und für Fossilien interessiere", sagt der Schüler. Das ist zwar nicht gerade der Schwerpunkt des Gocher Kunstmuseums, aber ein paar mittelalterliche Holzschnitzarbeiten gibt es schon zu sehen. Vor allem im Keller, dem Depot.

Geschichte ist auch das Lieblingsfach von Bregje, die als Niederländerin erst vor zwei Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland kam, blitzschnell gut Deutsch gelernt hat und ganz selbstständig ins Museum spaziert ist, um sich nach der Möglichkeit eines Praktikums zu erkundigen. "So etwas finden wir gut", sagt Steffen Fischer, stellvertretender Leiter des Hauses. Die Motivation der jungen Leute müsse zu erkennen sein, und es komme gut an, wenn sie sich schon Gedanken über die Arbeit in einem Museum gemacht hätten. "Die Vorstellungen dürfen ruhig falsch sein; die Neugier auf den Arbeitsbereich ist wichtig." Bregje hat mit ihrer Bewerbung, die sie per E-Mail schickte, offenbar den richtigen Ton getroffen und fühlt sich an ihrem "Arbeitsplatz" sichtlich wohl. "Ich durfte schon mit zu einer Galerie fahren und die Kunst-Ordner sortieren. Ständig werden neue Gegenwartskünstler vorgestellt, die ich nach dem Alphabet abhefte." Hier und da hat sich das Mädchen dabei festgelesen, und genau so soll es sein. "Wir sind ja kein Beschäftigungsverein, haben für Praktikanten nicht ständig etwas zu tun. Da ist es gut, wenn sie auch mal ein Buch oder einen Katalog lesen", sagt Fischer. Warum das Museum Schüler überhaupt am Arbeitsalltag teilhaben lässt? Wegen der sozialen Verantwortung. "Die spüren wir sowohl gegenüber den Besuchern, als auch gegenüber jungen Leuten", erklärt der studierte Museologe. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis für die Schüler: Für viele attraktive Berufe braucht man einen qualifizierten Schulabschluss oder sogar ein Studium. Also fleißig weiter lernen bis zum nächsten Praktikum.

(RP)