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Goch: Schlüsseldienst: Fake-Adressen und fragliche Nebenjobs

Goch : Schlüsseldienst: Fake-Adressen und fragliche Nebenjobs

Tag drei im Prozess gegen einen 57-Jährigen aus Geldern und einen 39-Jährigen aus Weeze, die sich mit einem Unternehmensgeflecht von Schlüsseldiensten um Millionen bereichert haben sollen. Mehrere Ex-Mitarbeiter sagten aus, die in der Gelderner Telefonzentrale des Unternehmens tätig gewesen sind: 500 Euro habe ihr Grundgehalt betragen, zusätzlich sollen die Telefonisten für jeden vermittelten Schlüsseldienst-Auftrag eine Provision von drei Prozent des Rechnungsvolumens erhalten haben. Eine ehemalige Mitarbeiterin schilderte, dass sie Anrufe von Kunden aus ganz Deutschland entgegennahm. Ihre Aufgabe sei es gewesen, einen Monteur aus dem betriebsinternen Verzeichnis zu beauftragen, der möglichst schnell beim Kunden sein kann. Unter Nennung eines Firmennamens hätte sie die Kundenanrufe nicht entgegengenommen, lediglich unter Nennung ihres Namens. Zudem erklärte die Zeugin, sie sei von dem angeklagten Geschäftsführer noch in einem weiteren Unternehmen - einem von ihm gegründeten Schlüsseldienst - auf 450 Euro-Basis eingestellt worden. Sie habe im Rahmen dieser Beschäftigung jedoch wesentlich am selben Arbeitsplatz gearbeitet und dieselben Tätigkeiten ausgeführt, wie für ihren Hauptarbeitgeber.

Auch eine zweite ehemalige Angestellte erinnerte sich, die Anrufe in der Gelderner Zentrale gewöhnlich nicht unter Nennung eines Firmennamens entgegengenommen zu haben. Eine Praxis, die möglicherweise mit dem undurchsichtigen Geschäftsmodell der "Deutschen Schlüsseldienst Zentrale" zusammenhängt, das gestern eine weitere Zeugin näher beleuchten konnte: Die 49-jährige Systemadministratorin und IT-Expertin war 2012 von dem 57-jährigen Angeklagten als Gestalterin für Internetseiten angestellt worden. Im Zeugenstand erklärte die Frau, sie habe gekündigt, weil sie das Geschäftsmodell nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnte: "Man wollte ein Netzwerk aufbauen, das jedem Internetbenutzer, der einen Schlüsseldienst sucht, den Eindruck vermittelt, dass der nächste Monteur nur ein paar Meter entfernt sei." Diese unternehmerische "Strategie", die sie in ihrem Kündigungsschreiben als "Praxis der Fake-Adressen" bezeichnete, habe ihr der 57-jährige auf Nachfrage bestätigt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Betrug und Wucher, Steuerhinterziehung und Einbehalten von Lohnnebenkosten im großen Stil vor.

(RP)