Schäfer aus Weeze und Uedem fordern Vertreibung des Wolfes

Herdenschutz : Schäfer fordern Vertreibung des Wolfs

Die geforderten Schutzmaßnahmen reichen nicht aus, meinen Tierhalter wie Martin Tiemann aus Uedem. Sie wollen wissen, was sie noch tun können, um ihre Vierbeiner zu schützen. Auch Herdenschutzhunde seien keine Lösung.

Martin Tiemann versteht die Welt nicht mehr: „Die Wiese von Kurt Opriel gleicht einer Festung, das ist doch keine Schafswiese mehr“, sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende des Schafzuchtverbandes. Doch selbst diese Festung hat die Wölfin offenbar inzwischen gestürmt. Nachdem das Tier bereits in der vergangenen Woche die Herde in Hünxe angegriffen hat, wurde am Sonntag wieder ein Schaf gerissen.

Fälle, die dafür sorgen, dass der Unmut bei den Züchtern in der Region steigt. Denn um seine Tiere zu schützen, hatte Opriel extra eine Fläche mit besonderen Schutzmaßnahmen versehen. Sogar Experten vom Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz (Lanuv) seien gekommen und hätten sich die Anlage angesehen. Erst danach habe der Schäfer Tiere auf die Weide gestellt, berichtet Tiemann. Kaum waren die Tiere drin, kam schon der Wolf. Opriel spannte daraufhin sogar noch einen zusätzlichen Netzzaun von 1,20 Meter Höhe. Auch das half nichts. Die Wölfin überwand die Schutzvorrichtungen und riss ein Tier.

Martin Tiemann aus Uedem fürchtet um seiner Tiere. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Schäfer Opriel wisse nicht mehr weiter, die ständigen Übergriffe würden ihn sehr mitnehmen. Ihm reiche es jetzt, er hat beim Ministerium die Vergrämung des Wolfes beantragt, sagt Tiemann. Die Vergrämung ist die nächste Stufe im Verfahren. Ultima Ratio ist die Tötung des Wolfes (Entnahme). Beim Vergrämen geht es darum, das Tier aus einer bestimmten Gegend zu vertreiben. Wölfe werden dann beispielsweise durch Gummigeschosse oder Feuerwerk aufgeschreckt. Viele Schäfer sind allerdings davon überzeugt, dass eine Vergrämung nie so richtig funktioniert. Zudem wird ein Wolf auf diese Weise ja auch nur in ein anderes Gebiet vertrieben, wo er wieder für Probleme sorgen könnte.

„Die Quintessenz der jüngsten Vorfälle ist für uns, dass wir jetzt vom Land wissen wollen, wie wir denn überhaupt noch unsere Schafe schützen sollen“, sagt Tiemann. Keiner wisse mehr, was er noch machen soll. „Wenn der Wolf selbst dann noch zuschlägt, wenn alle Vorgaben eingehalten werden, dann ist die Frage, wie es jetzt weitergehen soll“, sagt Tiemann. Bei seinen Forderungen wird er auch von Hans-Josef Geurts aus Weeze unterstützt, dieser ist Vorsitzender des Bezirksverbandes. Der Verband umfasst die Kreise Kleve, Wesel und Viersen.

Die Schäfer schütteln den Kopf über die Forderung des Naturschutzbundes (Nabu), Herdenschutzhunde einzusetzen. Diese Tiere würden 5000 Euro kosten und nicht jeder Schäfer könne diese speziell ausgebildeten Hunde nutzen. Martin Tiemann hat sich extra zertifizieren lassen, um Herdenschutzhunde zu halten. Zwei Tiere hatte er angeschafft, einen Hund musste er bereits wieder abgeben, weil der sich nicht mit den Schafen vertrug. „Für Schäfer wie mich oder Herrn Opriel ist der Einsatz von Herdenschutzhunden kaum zu leisten. Wir betreiben die Schafzucht als Nebenerwerb. Das Halten der Hunde ist aber sehr aufwändig und beansprucht bestimmt zwei Stunden am Tag.“ Neben dem Beruf sei das gar nicht zu leisten. Die Schäfer auf der linken Rheinseite gehen fest davon aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Wolf auch hier wieder auftaucht. Man warte eigentlich ständig darauf. Tiemann lagert bereits entsprechendes Zaunmaterial an seinem Betrieb in der Nähe des Lindchens in Uedem, um schnell reagieren zu können. „Nur wollen wir eben wissen, was wir genau machen müssen. Denn der Fall in Hünxe hat ja wieder gezeigt, dass die üblichen Sicherheitsvorkehrungen beim Wolf nicht weiterhelfen.“

Ob es zu einer Vergrämung kommt, hängt vom weiteren Verfahren ab.  Erst einmal müsse aber der aktuelle Fall vom Lanuv sauber abgearbeitet werden, so Peter Schütz vom Umweltministerium. Geklärt werden müsse: War es ein Wolf, war es erneut Wölfin „Gloria“ und war der Zaun vorschriftsmäßig. Auf jeden Fall solle Opriel einen Antrag auf Förderung von Schutzmaßnahmen stellen.