Goch/Weeze: Ryanair setzt auf Entwicklung am Airport

Goch/Weeze: Ryanair setzt auf Entwicklung am Airport

Ryanair-Chef Michael O'Leary besuchte gestern den Flughafen Weeze. Klares Bekenntnis zum Standort - trotz Hinwendung zu Großstadt-Flughäfen. Im Winter 2015/16 soll weniger gestrichen werden als in Vorjahren.

Einer, der den Damen eine Handtasche gönnt, ihnen einen Sitzplatz andient und sie nicht mit Fotos von üppigen Mädchen in knappen Bikinis brüskiert, ist unter den Erwachsenen angekommen. 30 Jahre nach dem Start der ersten Ryanair-Maschine gibt sich Michael O' Leary als seriöser Geschäftsmann. Die Zeiten, in denen er mit irren Fratzen und markigen Sprüchen für Aufmerksamkeit sorgen musste, sind vorbei. 1600 Strecken täglich, angeflogen von 189 europäischen Flughäfen, sprechen für sich. Knapp zwei Millionen der 90 Millionen Passagiere pro Jahr fliegen ab Weeze - zuletzt waren es etwas weniger, künftig vielleicht wieder mehr. Ryanair-Chef O' Leary erfreute gestern mit der Zusage, auch weiterhin auf den grenznahen regionalen Airport zu setzen. "Wir wollen die sehr gute Zusammenarbeit noch ausbauen", kündigte er an.

Im stark umkämpften Luftraum gehört Ryanair in Europa zu den Größten der Branche. In Deutschland ist das nicht so - lediglich vier Prozent der Flugreisenden sitzen in einer Ryanair-Boeing. Das soll nach der Planung des Chefs nicht so bleiben: Er peilt in den kommenden zehn Jahren einen Marktanteil von 20 Prozent an. Weil außer der Lufthansa, die im Gegensatz zur irischen Airline auch Kurz- und Langstrecke fliegt, neben Ryanair kaum eine Gesellschaft mehr mithalten können werde. Zumal die Iren zusätzlich zu ihren schon jetzt 300 eigenen Maschinen 280 weitere bestellt haben. 100 Boeing 737 MAX 200 mit noch mehr Platz für Preisbewusste an Bord sollen folgen.

Ein durchschnittlicher Ticketpreis von 46 Euro ist weiterhin Ryanairs stärkstes Argument: In einem 13-minütigen rasanten Vortrag führte O' Leary vor der Presse aus, wie wenig andere Gesellschaften da mithalten könnten. Ganz so großmäulig wie vor Jahren kommt er zwar nicht mehr daher, aber dass er "eine außerordentliche Person mit unglaublichen Fähigkeiten" ist, das durfte Weezes Flughafenchef Ludger van Bebber (grinsend) dann doch gerne übersetzen.

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"Die Buchungen im Winter waren gut, im Sommer werden wir in Weeze wieder richtig durchstarten", sagte O'Leary, der seinen neuen Finanzchef Neil Sorohan und den Vertriebschef für Deutschland, Colm O' Shea, dabei hatte. Zwar gibt es - abgesehen von fünf Wiederaufnahmen - keine neuen Ziele ab Weeze, aber mit 40 Verbindungen kann sich das Angebot wieder sehen lassen. "Im kommenden Winter denke ich, dass wir acht bis neun Maschinen in Weeze lassen können", deutete O'Leary an. In den vergangenen Jahren waren von den neun stationierten Flugzeugen nur sechs im Winterflugplan eingesetzt.

Auf die Frage, ob die Gefahr bestehe, dass Ryanair sich angesichts seiner neuen Orientierung zu den Großstadt-Flughäfen von Weeze abwenden könne, schüttelte er eindeutig den Kopf. "Dies ist ein sehr guter Flughafen, mit dem wir seit Jahren bestens zusammenarbeiten, da wollen wir nichts zurückführen", versicherte er. Dass in Weeze das Wetter so schön sei und so hübsche Bikinimädchen draußen herumliefen, gehörte dann angesichts von Sturm und Regenmänteln wieder der alten Flachs- und Veräppel-Manier an. Aber das mit dem deutlich verbesserten Kundenservice (feste Sitzplätze, zweites Handgepäck), das meint O' Leary ernst. Dass der Cabin-Crew-Calendar, der Ryanair-Stewardessen in freizügigen Posen zeigte, für 2015 nicht mehr aufgelegt worden sei, bedauere er. Aber man sei eben seriös geworden und wolle die Familien nicht ärgern. "Wir haben unser Image geändert - klar, dass das nicht allen gefällt."

(RP)
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